Masken und Schutzkittel: Herberner Firma produziert mit Hochdruck in Corona-Krise

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Über die Auftragslage kann sich die Herberner Firma KL Medical in Zeiten der Corona-Krise nicht beklagen. Und weil das so ist, will die Firma nun ab Sommer auch am Standort in Herbern etwas ändern.

Herbern

, 29.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Produktion ist angelaufen - und auch, wenn nicht sofort alles reibungslos funktioniert hat, klingt Joachim Raguse von der Firma KL Medical aus Herbern am Dienstag (28. April) durchaus zufrieden. „Ein bisschen Anlaufschwierigkeiten gibt es bei so etwas ja immer. Da kann nicht von heute auf morgen alles passen. Es waren aber nur Kleinigkeiten. Inzwischen läuft die Produktion stabil“, sagt Raguse. Gemeint ist die Herstellung von Einwegmasken an einem Standort in Sachsen.

Das Herberner Unternehmen hatte kürzlich gemeinsam mit Partnern in Bayern und Sachsen eine Firmengruppe gegründet, um besagte Masken in Deutschland herstellen und sie dann sowohl im eigenen Land als auch in Österreich und der Schweiz vertreiben zu können. Mit der dazu benötigten Maschine aus China lassen sich nun bis zu drei Millionen Einwegmasken im Monat produzieren - oder wie Raguse es auch formuliert: „Eine Maske pro Sekunde.“

Masken-Lieferungen aus China lassen auf sich warten

Wohlgemerkt zusätzlich zu den gut 500.000 Masken, die bei der Herberner Firma pro Woche aus China angeliefert werden. Eigentlich zumindest. „Es ist in dieser Woche ein ziemliches Durcheinander. Die nächste Lieferung verzögert sich. Wir hoffen, dass sie am 1. Mai in den Flieger geladen wird. In China entscheidet der Staat gerade streng, welche Ware das Land wann verlässt“, erklärt Raguse.

Fast so abenteuerlich wie die Lieferzeiten gestalten sich derzeit die Kosten. Die Verkaufspreise haben sich laut dem Herberner Unternehmer verzehnfacht, die Luftfrachtenrate ist um 30 Prozent gestiegen, ähnlich wie die Rohstoffpreise. Und wie die Preise morgen aussehen, ließe sich heute auch noch gar nicht wirklich abschätzen.

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Trotz der großen Stückzahlen spricht Raguse davon, dass es sich letztlich nur um einen „Tropfen auf dem heißen Stein“ handelt. „In Deutschland benötigen wir ein Vielfaches davon. Das steht außer Frage.“ Während man sich am Standort in Sachsen nun ganz auf die Maskenproduktion fokussiert, erwartet die Firma KL Medical im Sommer zusätzlich eine ganz andere Aufgabe. Ab August sollen in Herbern Schutzkittel produziert werden - einmal mehr im Auftrag der Regierung: 100.000 Stück pro Monat.

„Das ist ein toller Auftrag für uns - aber für so ein vergleichsweise kleines Unternehmen natürlich auch ein anspruchsvolles Projekt“, gibt Raguse zu. Es sei aber schön zu sehen, dass auch kleinere Firmen in Krisen-Zeiten noch die Chance bekämen, sich auf dem Markt zu behaupten.

Kein Verkauf an Privatleute

Bis August gibt es jedoch noch einiges zu tun: „Wir müssen weiter konzipieren, Rohmaterialien kaufen und zusätzliches Personal einstellen. Wir benötigen unter anderem Näherinnen und Leute, die die Verpackung übernehmen“, so Raguse. Insgesamt werde man ab August an 15 bis 20 Nähmaschinen arbeiten.

Doch auch für seine aktuellen Mitarbeiter - es sind knapp 30 - hat der Herberner ein großes Lob parat: „Die leisten wirklich tolle Arbeit. Da ist sehr viel Engagement und auch die eine oder andere freiwillige Überstunde dabei“, so Raguse.

Kaum vorstellbar, wie es wäre, wenn das Unternehmen auch noch Privatleute mit Masken und Co. versorgen würde. Das sei bei allem guten Wille aber nicht machbar, betont der Unternehmer - auch, wenn es solche Anfragen durchaus schon gegeben habe.

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