DRK-Kreis-Vorstand Christoph Schlütermann macht sich für Luftreiniger in Kitas stark. © Thomas Aschwer
Gutachten

Luftreiniger in Kitas: Gutachter geben klare Empfehlung

Das Rote Kreuz im Kreis Coesfeld will Erzieher und Kinder in Kitas stärker vor Corona schützen. Helfen sollen dabei neue Luftreiniger. Unterstützung bekommt das DRK von zwei renommierten Gutachtern.

Rund 45 Kindergärten betreibt das Rote Kreuz im Kreis Coesfeld. Damit ist der Verband der mit Abstand größte Kita-Träger zwischen Nordkirchen und Coesfeld. Tendenz weiter steigend. Doch Vorstand Christoph Schlütermann sorgt sich in der Corona-Pandemie um die Gesundheit der Kinder und der Erzieher, die aus seiner Sicht nicht genügend im Fokus stehen.

„Kitas müssen immer funktionieren“, sagt Schlütermann und verweist auf die aktuelle Situation. Während vieles aktuell herunter gefahren ist und sich beispielsweise Lehrer und Schüler von der Grundschule bis zum Gymnasium nur virtuell sehen, geht die Betreuung der jüngsten Kinder weiter. Nicht nur in Einzelfällen. Trotz eines Appells des Landes schicken viele Eltern ihren Kinder in die Einrichtungen, um weiter arbeiten zu können.

Das Rote Kreuz im Kreis Coesfeld hat mit Blick auf die Gesundheit von Erziehern und Kindern die Kita Panama in Holtwick mit sogenannten Luftreinigern ausgestattet. In mehreren Gruppenräumen, Fluren und auch in Nebenräumen der Einrichtung wurden Anfang Dezember Luftreinigungsgerätschaften installiert. Kostenpunkt rund 30.000 Euro. Um die Wirksamkeit der Geräte exakt ermitteln zu können, hat das Rote Kreuz die Gebäudediagnostik Wesselmann (Hamburg) beauftragt, ein Gutachten zu erstellen.

Bekannter Münster Virologe spricht von „sinnvollem Baustein“

Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Sie sind eindeutig: „Es ist auf Grund der Messbefunde sehr begründet davon auszugehen, dass durch die Geräteinstallationen mit einer signifikanten Minderung eines Infektionsrisikos durch Aufnahme von infektiösen Aerosolpartikeln über den indirekten Raumluftpfad gerechnet werden kann.“ Eine klares Plädoyer für die Anschaffung derartiger Geräte, der sich Prof. Dr. Stephan Ludwig von der Wilhelms-Universität Münster absolut anschließt.

Der bekannte Virologe berichtet auf unsere Anfrage von einem Test im Dezember an der Uni. Sein Fazit lautet: „Der Luftreiniger kann die Aerosolbelastung im Raum in einer nachgestellten Besprechungssituation effizient reduzieren, allerdings nicht vollständig eliminieren. Dabei wird jedoch die Spitzenbelastung an Aerosol zwischen zwei Lüftungsphasen stark reduziert, was man beispielsweise dazu nutzen könnte, Lüftungsintervalle zu verlängern.“

Prof Ludwig sagt aber auch, dass Luftreiniger andere Maßnahmen wie das Tragen von Masken oder das Lüften nicht ersetzen können. „Es ist aber ein weiterer sinnvoller Baustein zur Risikominimierung, insbesondere in Räumen die nur schlecht gelüftet werden können.

Test in der Kita unter normalen Nutzungsbedingungen

Diplom-Chemiker Martin Wesselmann gibt in seinem Gutachten konkrete Handlungsempfehlungen für den Einsatz der Geräte. Er favorisiert den Einsatz der Luftreiniger in Gruppen- bzw. Betreuungsräumen inklusive der anhängigen Nebenräume. „Auch in den Turn-, Tobe und/oder Sporträumen wird ein Einsatz der Luftreiniger für sinnvoll erachtet, wobei hier die Leistungsstufen durchaus noch erhöht werden sollten, um eine weitere Effektivitätssteigerung zu erhalten.“

Aus Sicht von DRK-Vorstand Christoph Schlütermann ergibt sich aus der Untersuchung und den jetzt vorgelegten Ergebnissen die klare Empfehlung, „Geräte für Kindergärten anzuschaffen“. Schlütermann verweist dabei auf die Versuchsanordnung in der DRK-Kita. Die Tests liefen in einem Sportraum ohne und mit normaler Nutzung, in Gruppenräumen und auch auf Fluren. Dabei sind in der Holtwicker Kita insgesamt 15 Geräte installiert.

„In der Zahl sind sie nicht unbedingt notwendig“, sagt jetzt Christoph Schlütermann. „Aber der Einsatz macht wirklich Sinn.“ Das größte Problem sei aber nicht gelöst, die Finanzierung der Geräte. Der DRK-Vorstand sieht das Land in der Pflicht. Er ruft die Verantwortlichen dazu auf, „mehr an die Kleinen zu denken.“

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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