Leitersturz und Chemie-Unfall: So bewältigt das Jugendrotkreuz Herbern die 24-Stunden-Übung

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Premiere feierte das Jugendrotkreuz Herbern am Samstag, 7. September 2019: Zum ersten Mal richtete es eine 24-Stunden-Übung aus. Von Samstag 12 Uhr bis Sonntag 12 Uhr.

Herbern

, 09.09.2019, 12:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Maurice liegt am Boden. Beim Säubern der Regenrinne ist er von der Leiter gestürzt. Ein Nachbar wählt den Notruf: Die Jugendrotkreuzler Jan Goßheger und Jannik Olbrich rücken zu ihrem ersten Einsatz der 24-Stunden-Übung aus. Stephen Brettin fährt den KTW (Kranken-Transportwagen).

Die Rettungswache haben sie in die Jugendräume der Offenen Jugendarbeit (OJA) an der Südstraße gelegt, das Krankenhaus im DRK-Heim an der Merschstraße aufgebaut und die Einsatzorte befinden sich auf verschiedenen Privatgrundstücken.

Leitersturz und Chemie-Unfall: So bewältigt das Jugendrotkreuz Herbern die 24-Stunden-Übung

Maurice ist startklar für den Abtransport: Die Sanitäter haben ihn aufgrund des Verdachts einer Wirbelsäulen-Fraktur auf eine Vakuum-Matratze gebettet. © Helga Felgenträger

Zum Beispiel im Garten von Familie Kaufmann in der Hombrede. Dort wimmert die verletzte Paula. Sie ist beim Sprung vom Fahrrad mit dem linken Fuß umgeknickt und nun schwillt der Unterschenkel an. „Verdacht auf eine Fraktur“, lautet die Einsatzmeldung. Paula jammert vor Schmerzen. Das „Jammern“ hat sie gelernt. „Sie ist ausgebildete Notfall-Darstellerin“, berichtet Beobachterin Claudia Gräwe.

Sanitäterin Chiara Meistrell (17) und Ersthelfer Finn Stellmacher (13) leiten die Erste-Hilfe-Maßnahme ein. Der herbeigerufene Bereitschaftsarzt Alexander Sicking vom DRK-Kreisverband Coesfeld veranlasst einen Zugang und eine Infusion. „Jetzt dreht mal wieder das Röhrchen zu“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Bei der Flüssigkeit handelt es sich um Wasser, das seitlich am Arm vorbeiläuft.“

Ersthelfer Finn läuft Schweiß von der Stirn

Für eine Übung wird keiner gepikst. Ersthelfer Finn läuft der Schweiß von der Stirn. In seiner Rot-Kreuz-Jacke befindet sich noch das Winterfell. Im Auto zieht er erst mal seine Jacke aus.

„Bei den Materialien handelt es sich um Übungsmaterialien“, sagt Jannik Olbrich. Nach dem Trauma-Einsatz wird der Abfall wieder entsorgt. Der von der Leiter gefallene Maurice ist gut versorgt. „Ich fühle mich sicher“, sagt Maurice, er lugt über der Notfalldecke hervor.

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24-Stunden-Übung Jugendrotkreuz Herbern

Premiere feiert das Jugendrotkreuz Herbern am Samstag, 7. September 2019: Zum ersten Mal richtete es eine 24-Stunden-Übung aus.
09.09.2019
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Notfall-Darsteller Maurice: Täuschend echt imitiert er Bewusstseins-Trübung. Kunstblut läuft aus seinem Ohr.© Helga Felgenträger
Fahrerin Sophia und Sanitäterin Chiara Meistrell schnüren sich für den Einsatz ihre Arbeitsschuhe.© Helga Felgenträger
Die Übung wird mit der Kamera festgehalten.© Helga Felgenträger
Sophia Schafmann schnallt sich an. Dann geht es zur Hombrede, wo eine junge Frau verletzt auf dem Boden liegt. Verdacht auf Fraktur.© Helga Felgenträger
Sanitäterin Chiara Meistrell ist aufgeregt. Sie weiß nur, dass es sich bei dem Einsatz um eine verletzte Frau mit Verdacht auf Fraktur handelt.© Helga Felgenträger
Beobachter Stephen Brettin schaut sich den Einsatzplan an.© Helga Felgenträger
Getränkebecher mit Nervennahrung stehen bereit.© Helga Felgenträger
Das Materiallager wurde immer wieder aufgefüllt.© Helga Felgenträger
Notarzt Alexander Sicking ist eingetroffen. Paula klagt über Schmerzen am Schienbein.© Helga Felgenträger
Die Namen der Einsatzteams wurden am schwarzen Brett aufgehängt.© Helga Felgenträger
Für die Übung stellte Familie Kaufmann in der Hombrede ihren Garten zur Verfügung. Hier ist die ausgebildete Notfall-Darstellerin Paula Droppelmann vom Fahrrad gestürzt.© Helga Felgenträger
Mit einem Hinweis-Schild machten die Jugendrotkreuzler auf die Übung aufmerksam.© Helga Felgenträger
Das erste Team ist vom Einsatz zurück. Jetzt geht es darum, den Materialkoffer wieder aufzufüllen und die benutzten Gerätschaften zu desinfizieren.© Helga Felgenträger
Die Rettungswache hatten die Jugendrotkreuzler in den Jugendräumen der OJA an der Südstraße in Herbern eingerichtet. Jugendleiter Peter Koch (2.v.l.) gibt den nächsten Einsatzort bekannt.© Helga Felgenträger
Das Team Joyce und Marcel rückte zu einem Einsatz in die Hombrede aus.© Helga Felgenträger
Kaum ist Jan Goßheger von seinem Einsatz "Leiter Sturz" zurückgekehrt, musste der Sanitäter zum nächsten Einsatz ausrücken. Erneut "Leiter Sturz" mit Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma.© Helga Felgenträger
Jannik Olbrich lässt sich trotz Hektik die Laune nicht verderben.© Helga Felgenträger
In der Rankenstraße erwartet die Helfer ein junger Mann, der von einer Leiter gestürzt ist und nicht richtig ansprechbar ist.© Helga Felgenträger
Beim Einsatz stellen die Helfer fest, dass sie versehentlich die Kindermaske für die Beatmung eingepackt haben.© Helga Felgenträger
Maurice ist startklar für den Abtransport: Die Sanitäter haben ihn aufgrund des Verdachts einer Wirbelsäulen-Fraktur auf eine Vakuum-Matratze gebettet. Die Helfer haben den Rettungshubschrauber alarmiert. Tatsächlich allerdings fahren sie ihn zum DRK-Heim an der Merschstraße. Dort befindet sich zu Übungszwecken das Krankenhaus.© Helga Felgenträger
Jan Goßheger überwacht den Patienten im Krankentransportwagen vom Bund.© Helga Felgenträger
Im DRK-Heim befindet sich das Krankenhaus.© Helga Felgenträger

Aufgrund des Verdachts einer Wirbelsäulen-Fraktur haben die Sanitäter ihn auf eine Vakuum-Matratze gelegt. Der Notarzt ist mit den Einsatzkräften zufrieden: „Ihr habt sehr ruhig und gelassen reagiert“, lobt er Jan und Jannik. Aber die beiden sind nicht ganz zufrieden mit sich. „Das Stabilisieren hat zu lange gedauert“, üben sie Kritik.

30 verschiedene Übungsszenarien

12 Jugendliche, 10 Helfer und 30 verschiedene Übungsszenarien: Die beiden Einsätze um 14 Uhr waren erst der Anfang. Kritisch wurde es gegen 16.15 Uhr in der Profilschule: Im Chemieraum erwartete die jungen Einsatzkräfte zwischen 12 und 20 Jahren ein Chemie-Unfall mit Verätzung.

So ging es den ganzen Tag und die ganze Nacht weiter. Nach Abschluss der Übung zieht der Jugendleiter Peter Koch ein positives Feedback: „Es ist nichts Echtes passiert“, sagt er erleichtert. Am meisten freute ihn: „Von Ersthelfer bis Rettungshelfer, alle haben miteinander gearbeitet. Ganz im Sinne des Roten Kreuzes.“

Adresse des Vereinsheims: DRK-Heim an der Merschstraße 17 in Herbern. Ansprechpartner des Jugendrotkreuzes: Peter Koch, Tel: 0177 6081568
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