Laura Brockmeier (l.) spielte viele Jahre für die Damen des SV Herbern. © David Döring
Fußball

Laura Brockmeier zur Sexismus-Debatte um Heiko Vogel: „Ich dachte, wir wären weiter“

Fußballtrainer Heiko Vogel beleidigt eine Schiedsrichterin sexistisch. Das anschließende Urteil wird zum großen öffentlichen Thema. Auch Laura Brockmeier findet deutliche Worte.

Es war ein Satz, den Heiko Vogel, Fußball-Trainer der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach wohl besser nicht gesagt hätte. In einer Partie sagte er zu Schiedsrichterassistentin Vanessa Arlt: „Frauen haben auf dem Fußballplatz einfach absolut nichts zu suchen.“

Schon diese Aussage hätte für einen Aufschrei sorgen können. Doch viel mehr ins Licht gerückt wurde die Strafe danach. Der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) sperrte Heiko Vogel für zwei Spiele und brummte ihm eine hohe Geldstrafe auf. Und: Der Verband will, dass der Trainer sechs Trainingseinheiten eines Frauen- oder Juniorinnenteams leitet.

Heiko Vogel war zuletzt häufiger in den Schlagzeilen, als ihm wohl selbst lieb ist.
Heiko Vogel war zuletzt häufiger in den Schlagzeilen, als ihm wohl selbst lieb ist. © dpa © dpa

Bei den Fußballerinnen im ganzen Land sorgte das für reichlich Unverständnis. Die Spielerinnen der ersten und zweiten Bundesliga haben sich zusammengeschlossen und einen offenen Brief geschrieben, in dem sie ihren Unmut kundtun. „Dieses Urteil diskriminiert alle Frauen im Sport und speziell im Fußball. Uns stellt sich die Frage, wie das Trainieren eines Frauen- oder Mädchenteams als eine Strafe festgelegt werden kann“, heißt es unter anderem.

Bei den heimischen Fußballerinnen hat die Strafe ebenfalls hohe Wellen geschlagen. Auch Laura Brockmeier, Ex-Kapitänin der Damen des SV Herbern, findet dafür deutliche Worte: „Das als Strafe zu betiteln, finde ich lächerlich. Er hat etwas Frauenfeindliches gesagt und soll als Strafe eine Frauenmannschaft trainieren – das schlägt ja fast schon in die gleiche Richtung.“

Laura Brockmeier: „Genau mit so einer Strafe machen sie den Unterschied“

Dass es zu so einer Strafe kommen könnte, hätte sie sich nicht ausmalen können. „Ich habe gedacht, wir wären weiter und würden keinen Unterschied machen, ob Frauen oder Männer auf dem Platz stehen“, so Brockmeier. „Aber genau mit so einer Strafe machen sie den Unterschied.“

Die langjährige Kapitänin schafft ein plausibles Beispiel. „Es würde in anderen Situationen auch nicht so kommen. Wenn ein Trainer einen männlichen Schiedsrichter rassistisch beleidigen würde, würde er, so doof sich das anhört, ja auch keine türkische Mannschaft trainieren sollen. Sowas ist einfach keine Strafe, das ist Schwachsinn“, sagt Brockmeier.

Sie kann sich durchaus vorstellen, dass der WDFV mittlerweile seine Lektion gelernt hat. Dennoch sagt sie: „Es ist traurig, dass es diesen Aufschrei braucht, damit man das versteht. Es haben doch mit Sicherheit mehrere Leute über so eine Strafe drüber geschaut. Dass dann sowas dabei rauskommt, ist für mich wirklich vollkommen unverständlich.“

Über die Autorin
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Geboren im Münsterland, aber schnell verliebt in den Ruhrpott. Mit dem Herzen vor allem beim Fußball, aber auch begeistert von vielen anderen Sportarten. Seit 2018 bei Lensingmedia, seit 2020 Sportredakteurin.
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Johanna Wiening

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