„Alarmstufe Rot“: Aussagen von Kita-Mitarbeiterinnen im Fall Lügde beeindrucken Dietmar Panske

dzUntersuchungsausschuss Fall Lügde

Im Untersuchungsausschuss zum Kindesmissbrauch in Lügde sprachen nun Kita-Mitarbeiterinnen über den Haupttäter Andreas V. Auch für Dietmar Panske aus Ascheberg waren es beeindruckende Aussagen.

Ascheberg

, 14.03.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie bezeichneten Andreas V. als „pädophil“, sie signalisierten „Alarmstufe Rot“. Dennoch ist nichts passiert. Die Aussagen der Kita-Mitarbeiterinnen im Missbrauchsfall von Lügde stimmten die Mitglieder des Untersuchungsausschusses nachdenklich. Darunter auch Dietmar Panske (53), Landtagsabgeordneter aus Ascheberg und CDU-Obmann im Ausschuss.

„Für uns waren diese Zeugenaussagen sehr wichtig, um zu erfahren, wie die Abläufe waren. Die Schilderungen waren wieder sehr beeindruckend“, erzählt Panske. Demnach hätten sich die Zeuginnen bereits 2016 an die richtigen Stellen gewandt - nämlich an die zuständige Polizeibehörde und an das Jugendamt.

Eine Fassade aufgesetzt - nicht nur auf dem Campingplatz

„Sie haben ihre Bedenken dort vorgetragen. Und sie kannten den Haupttäter natürlich. Man erkennt aber auch, dass er sich nicht nur eine Fassade auf dem Campingplatz aufgesetzt hat, sondern generell im Alltag. Und diese Fassade hat vielleicht den Einen oder Anderen zweifeln lassen“, sagt Panske.

Deshalb sei weiter zu klären, wie mit den aktenkundigen Hinweisen, die klar auf eine Kindeswohlgefährdung hindeuteten, umgegangen wurde. Dazu hören die Mitglieder des Untersuchungsausschusses am 30. März die nächsten Zeugen an. Erstmals werde auch ein Vertreter der Polizei zu hören sein.

Deutliche Hinweise auf Kindeswohlgefährdung

„Langsam verflechten sich die unterschiedlichen Stränge der beteiligten Behörden“, erklärt Panske. Er hofft wie die anderen Ausschussmitglieder auch, mithilfe der Zeugenaussagen klären zu können, wie die Behörden mit den deutlichen Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung umgegangen sind.

Der Untersuchungsausschuss wurde von der Landesregierung im Sommer 2019 einberufen, um zu klären, inwiefern falsche Einschätzungen, Versäumnisse und Kommunikationsmängel von Behörden den hundertfachen sexuellen Missbrauch in Lügde begünstigten.

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Die Staatsanwaltschaft Detmold hat am Mittwoch, 11. März, die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Polizei Lippe und zweier Jugendämter in Lippe (NRW) und Hameln (Niedersachsen) eingestellt. In keinem Fall habe es einen hinreichenden Tatverdacht gegen Beschäftigte gegeben, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft.

Eine Polizistin war der Strafvereitelung im Amt oder Beihilfe zum sexuellen Missbrauch durch Unterlassen beschuldigt worden. Ergebnis nun: „Der für eine Strafbarkeit erforderliche Vorsatz ist nicht festzustellen.“ Sie habe 2016 nach dem Hinweis einer Jobcenter-Mitarbeiterin Telefonate mit Jugendämtern geführt und sei überzeugt gewesen, dass ein sexueller Missbrauch durch den Haupttäter Andreas V. nicht stattfand - zu Unrecht.

Keine Verletzung der Fürsorgepflicht

Ein weiterer Polizeibeamter hatte einen Hinweis erhalten. Dass er danach nicht das Erforderliche veranlasst habe, ergaben die Ermittlungen nicht. Auf die acht Mitarbeiter der Jugendämter und auf drei Familienhelfer kommen ebenfalls keine strafrechtlichen Folgen zu.

Die Beschuldigten hätten zwar keine intensive Untersuchungen unternommen, um Verdachtsmomente zu bestätigen oder auszuräumen. Aber sie seien alle davon ausgegangen, „dass ein sexueller Missbrauch nicht stattfand“. Es sei keine Verletzung der Fürsorgepflicht feststellbar, erklärt die Behörde in Detmold.

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Für den Untersuchungsausschuss sei diese Entwicklung in derlei Hinsicht wichtig, dass Zeugen, die sich in einem laufenden Strafverfahren befinden, nicht vor dem Ausschuss angehört werden können. Zu der Einstellung der Ermittlungen gegen die Behördenmitarbeiter möchte sich Dietmar Panske aus Ascheberg nicht äußern.

Der Haupttäter Andreas V. wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs in mehr als 200 Fällen zu 13 Jahren Haft verurteilt. Der zweite Hauptangeklagte, Mario S., erhielt 12 Jahre Haft, beide müssen danach in Sicherungsverwahrung.

Mit Material von dpa

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