Extrem-Wetter: Ein Landwirt (53) erklärt, wie er seine Schweine vor der Hitze schützt

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Das Thermometer zeigt derzeit über 30 Grad an. Darunter leiden auch Tiere. Besonders Nutztiere in reiner Stallhaltung. Man spricht von Hitzestress. In Sachen Tierwohl ist das grenzwertig.

Herbern, Ascheberg

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn die Temperaturen locker die 30-Grad-Marke knacken, dann leiden nicht nur viele Menschen unter der Hitze, sondern auch die Tiere. Besonders jene, die in der Landwirtschaft als Nutztiere in einer reinen Stallhaltung leben. Da ist Hitzestress keine Seltenheit.

Darum sind in diesen Zeiten Landwirte besonders gefordert. Sie müssen den Tieren das Leben unter diesen Extrembedingungen so erträglich wie möglich machen. Denn Tierwohl und Tierschutz sind jene Prämissen, denen sich Landwirte bei der Berufswahl verschrieben haben.

Landwirte haben Möglichkeiten, ihre Tiere vor Hitze zu schützen

Susanne Schulze Bockeloh ist Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster. Sie sagt: „Ein hohes Fachwissen ist notwendig, um den Anforderungen der Tiere 365 Tage im Jahr gerecht zu werden. Gut geführte Ställe mit hohen Standards sichern die Tiergesundheit und damit gesunde Lebensmittel.“

Und damit wären wir bei der Kernfrage: Wie können Landwirte ihre Nutztiere vor der Hitze schützen? Ein Schweine-Landwirt (53) aus der Gemeinde Ascheberg, der nicht mit seinem Namen genannt werden möchte, gibt Einblick. „Unser Stall ist mit Lüftern ausgestattet, die die verbrauchte Luft absaugen. Über Frischluftkanäle gelangt unverbrauchte Luft in den Stall.“

Temperaturen im Schweinestall übersteigen Wohlfühltemperatur

Dabei wird die Frischluft bevorzugt von der Nordseite aus angesogen. „Dort, wo Schatten ist, sind die Temperaturen ein paar Grad geringer. Das macht sich direkt bemerkbar“, so der 53-Jährige. Doch das alleine reicht bei diesen Extrem-Temperaturen nicht mehr aus, um für eine ordentliche Kühlung zu sorgen.

„Am Dienstag hatten wir hier im Stall 35 Grad. Das ist schon grenzwertig und nicht gut für die Tiere, die damit zu kämpfen haben“, so der Landwirt. Stichwort: Hitzestress. Nachvollziehbar, denn laut Westfälisch-Lippischem Landwirtschaftsverband (WLV) liegt die Wohlfühltemperatur von Schweinen zwischen 20 und 25 Grad. Problem: Durch die Eigenwärme der Tiere sei es im Stall in der Regel ohnehin drei Grad wärmer als im Freien.

Sprühanlagen sind eine kostspielige Anschaffung

Sprühanlagen an der Decke zur Befeuchtung können da Linderung verschaffen, sind aber auch kostspielig in der Anschaffung. Diese Technik sorgt dafür, dass die Umgebungstemperatur um drei bis sechs Grad runtergekühlt wird, wobei für die Tiere keine Erkältungsgefahr besteht. „So etwas haben wir hier aber nicht. Dafür sind wir rund um die Uhr in der Nähe der Tiere“, erklärt der 53-Jährige. Fenster und Türen des Stalls seien ebenfalls geöffnet. „Für mehr Luftdurchzug.“

Zudem habe er, so der Landwirt, die Futtermenge reduziert. Und das sei nicht negativ, sondern hilfreich für das Schweinswohl. „Damit entlasten wir den Kreislauf der Tiere, der durch die Hitze ohnehin schon genug belastet wird.“ Und auch Schweine trinken bei der Hitze mehr. „Die Tiere haben hier rund um die Uhr genügend Wasser zur Verfügung.“

Extrem-Wetter: Ein Landwirt (53) erklärt, wie er seine Schweine vor der Hitze schützt

Eine Sprühanlage kann im Schweine- oder Rinderstall für eine gute Abkühlung sorgen. © dpa

Letztlich sei das A und O, erklärt der 53-Jährige, dass man als Landwirt rund um die Uhr für die Tiere da sei. „Bei der Hitze kontrollieren wir natürlich auch öfter im Stall als sonst.“ Darüber hinaus sei der Stall alarmgesichert. Heißt: Übersteigen die Temperaturen einen festgelegten Wert, schlägt das Programm zur Steuerung der Lüftungsanlagen Alarm. „Das wird direkt an mein Handy weitergeleitet, sodass ich sofort informiert bin und eingreifen kann.“

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