Landwirte demonstrierten in Bonn - auch ein Herberner Bauer ist wütend auf die Politik

dzDemonstration der Landwirte

Rund 1000 Landwirte versammelten sich vor ein paar Tagen in Bonn, um gegen neue Agrargesetze zu demonstrieren. Mit dabei war Tobias Großerichter (32) aus Herbern.

Herbern

, 16.10.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Stimmung auf der Demonstration war bedrückend“, berichtet Landwirt Tobias Großerichter vom Protestmarsch in Bonn. „Es gab einen Wagen, der Trauermusik spielte. Die Botschaft dahinter war klar: Wir tragen die Landwirtschaft zu Grabe“.

Der Herberner Landwirt hatte kein Plakat im Gepäck. Er zog, wie viele seiner Kollegen, mit einem grünen Kreuz durch Bonn. Seit Wochen stehen ähnliche Kreuze auf den Feldern der Landwirte in ganz Deutschland. Damit setzen sie ein Zeichen gegen die vielen neuen Gesetze, die zwar die Umwelt retten, aber auch ihre Erträge schmälern sollen.

Ja zu Umweltschutz, nein zu den neuen Auflagen

Beim umstrittenen Agrarpaket geht es unter anderem um Düngemittel, Umweltschutz und Pflanzenschutz. Um alle Auflagen zu erfüllen, müssten die Bauern Umsatzeinbußen hinnehmen oder zum Beispiel für Stallumbauten viel Geld investieren. In manchen Bereichen wurde das Spritzen von Pflanzenschutzmitteln verboten, da der Boden an diesen Orten belastet sei.

„Dass diese Werte beispielsweise auch durch Klärwerke in der Gegend hervorgerufen werden können, bedenkt da keiner“, klagt Großerichter. „Die Politiker sollten erst einmal nachforschen und nicht immer den Landwirten die Schuld geben“, fügt er hinzu. „Niemand will Unmengen an Insektenvernichtern auf seine Felder sprühen. Wir machen das maßvoll.“

„Ob wir überhaupt als Landwirte in Rente gehen können, ist fraglich“

Großerichter wünscht sich klare Richtlinien, von denen alle etwas haben - sowohl das Land, als auch die Bauern und die Verbraucher. „Die Verbraucher sollen nicht mit 1000 Labels auf den Produkten verarscht werden“, findet Großerichter.

Das größte Problem hätten aber momentan die Landwirte, denn die müssen neben den heißen Sommern auch noch mit Gesetzen und Bürokratie fertig werden. „Es gibt viele junge Kollegen, die den Hof ihrer Eltern übernehmen wollen. Ob sie davon überhaupt überleben können und ob sie als Landwirt in Rente gehen werden, ist fraglich.“

Landwirte demonstrierten in Bonn - auch ein Herberner Bauer ist wütend auf die Politik

Tobias Großerichter ist bekannt für seine Schweine - er betreibt aber auch Ackerbau. Durch neue Richtlinien wird ihm seine Arbeit erschwert. © Jan Hüttemann

Nach der Demo ist vor der Demo: Landesweiter Protest steht an

Selbstverständlich für den Landwirt war aber die Teilnahme an der Demonstration. Schon im April nahm er an einer ähnlichen Demo teil. „Ich muss meinen Berufsstand vertreten“, findet er. „Wenn die Aktion in der Nähe stattfindet, bin ich gerne dabei. Ich hoffe, dass die Politik durch die Proteste den Ernst der Lage versteht“, fügt er hinzu.

Von einer Protestaktion zur Nächsten könne er aber auch nicht fahren - schließlich müsse er auch arbeiten. Ob er an einer Demo teilnehmen könne, hinge auch immer vom Wetter ab. Am 22. Oktober wird es eine deutschlandweite Demonstration geben - auf der ist Großerichter nicht dabei, wohl aber viele seiner Kollegen.

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