Mit dem Wildparken an der Werner Straße auf der Fläche vor dem Friedhof ist seit zwei Wochen Feierabend. Die Gemeinde hat dort Holzpfähle aufgestellt. Ein Vorgehen, das auf Kritik stößt.

Herbern

, 05.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sechs hellbraune Holzpfähle mit Reflektoren am oberen Ende stecken jetzt seit Mitte Mai an der Werner Straße im Boden. Doch nicht irgendwo, sondern auf der Fläche vor dem Friedhof. Dort, wo die Überquerungshilfe und der Westeingang zum Friedhof sind. Schluss mit Wildparken auf dem Areal, das im Laufe der Zeit darunter arg gelitten hat und ohnehin nie als Parkfläche vorgesehen war.

„Wir mussten hier eine Barriere schaffen. Ein Schild hätte vermutlich einfach nicht gereicht“, stellt Christian Scheipers, Fachgruppenleiter Tiefbau, klar. Für eine alternative – und als solche explizit vorgesehene – Parkfläche hat die Gemeinde aber längst gesorgt. Denn ebenfalls seit Mitte Mai ist der neue Parkplatz für 22 Autos am Friedhof fertiggestellt. Rund 115.000 Euro ließ sich die Gemeinde das Unterfangen kosten.

Vorgehen der Gemeinde löst Kritik aus

Da könnte man doch denken, dass nun alles im Lot sei. Aber weit gefehlt. Vielen Herbernern stößt die Pfahl-Maßnahme übel auf. Das zeigen auch einige Kommentare auf unserer Facebookseite, nachdem wir am Mittwoch (22. Mai) über die Installation der Holzpfähle berichteten.

So schreibt beispielsweise Reiner Gesenhoff dazu: „Es treffen Leute Entscheidungen, die von Herbern keine Ahnung haben. Das ist das Traurige. An die alten Leute, die da hin müssen, denkt keiner.“ Eine Userin mit dem Namen Mady Bicke merkt an: „Nein, keine gute Idee. Menschen parken dort, weil sie wahrscheinlich nicht gut zu Fuß sind. Warum solche Holzpinne? Lieber an richtigen Stellen Geld ausgeben, anstatt Geld auszugeben, wo es unsinnig ist.“

„Hier muss man jetzt mal eine Lanze für die Fußgänger brechen.“
Christian Scheipers

Deutliche Kritik am Vorgehen der Gemeinde. Doch ist diese Kritik überhaupt berechtigt? Schließlich entsteht zunächst mal der Eindruck, als habe die Gemeinde nicht wohlüberlegt gehandelt. Das dem nicht so ist, stellt Christian Scheipers unmissverständlich klar. „Wir haben alles exakt durchgeplant.“

Holzpfähle an der Werner Straße: Gemeinde weist die harsche Kritik entschieden zurück

Ein typisches Bild am Friedhofseingang von der Werner Straße aus: Der Zugang ist noch nicht barrierefrei. Rollatoren müssen – so keine Hilfe vorhanden – unten stehen bleiben. © Till Goerke

Gefährliche Ausparkmanöver haben nun ein Ende

Und Scheipers untermauert diese Aussage mit Belegen. So gebe die Fläche an der Werner Straße schlicht kein Parken her. Sprich: Immer wieder sei es in der Vergangenheit zu gefährlichen Ausparkmanövern gekommen. Gefährlich für den fließenden Verkehr und die Benutzer des Gehweges. „Oft genug standen die Autos auch noch halb auf dem Gehweg. Hier muss man jetzt mal eine Lanze für die Fußgänger brechen.“

Zudem ist der Zugang zum Friedhof von dieser Seite aus nicht mal barrierefrei. Sprich das Argument, gehbehinderte oder ältere Menschen seien jetzt benachteiligt, weil sie dort nicht mehr parken können, ist hinfällig. Mehrere Stufen führen auf den Friedhof. Rollatoren oder Rollstühle müssen – so keine Hilfe vorhanden – unten stehen bleiben.

Holzpfähle an der Werner Straße: Gemeinde weist die harsche Kritik entschieden zurück

Der neue Parkplatz am Friedhof bietet Platz für 22 Autos – inklusive zwei Behindertenparkplätzen. Die Zufahrt erfolgt über die Rankenstraße und der Zugang zum Friedhof ist von dort aus komplett barrierefrei. © Till Goerke

Anders sieht die Sache am Nordeingang aus. Dort, wo der neue Parkplatz in nur wenigen Monaten Bauzeit entstanden ist. „Wir haben dort extra Pflastersteine benutzt, auf denen Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen besonders gut rollen“, erklärt der Fachgruppenleiter des Tiefbaus. Zudem sei der Weg von dort zu den Gräbern, selbst denen, die nah am Westeingang liegen, so nur minimal länger. „Das sind keine 30 Meter Unterschied, also auch kein wirklicher Nachteil“, so Scheipers.

RN-Stichprobe mittels Schrittzählung vor Ort

Unsere kurze Stichprobe mittels Schrittzählung vor Ort bestätigt diese Aussage. Den neu angelegten Parkplatz dürfen selbstverständlich auch Besucher der Gemeinde oder des nahegelegenen Sportplatzes des SV Herbern nutzen. Ohnehin ist der Eindruck entstanden, dass nicht alle, die einst auf der Fläche an der Werner Straße parkten, auf den Friedhof wollten. Oft genug sind die betreffenden Personen in Richtung Sportplatz entschwunden.

„Erst mal muss die Fläche dort die Chance haben, sich zu erholen.“
CHRISTIAN SCHEIPERS

„Diese Fläche war nie für das Parken von Autos vorgesehen. Nichtmal der Bürgersteig ist dort abgesenkt“, so Scheipers. Perspektivisch sei angedacht, den Westeingang zum Friedhof barrierefrei zu gestalten. „Das ist derzeit in der Prüfung.“

Fläche braucht Zeit, sich zu erholen

Wie lange die Holzpfähle im Boden bleiben, ist derzeit übrigens noch nicht klar. „Erst mal muss die Fläche dort die Chance haben, sich zu erholen.“ Sprich: Wieder grün zu werden. Eine Blühwiese wird es dort aber nicht geben. Die Fläche sei ungeeignet, stellte Klaus van Roje bereits am 14. Mai in der Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses klar.

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