Kurz nach der Beerdigung fehlten auf dem Grab des Vaters von Elke Hammwöhner ein Blumenbouquet, eine Holzschale und eine Granitplatte. Es sind Einzelfälle, die aber an anderen Orten schon zu drastischen Maßnahmen auf Friedhöfen geführt haben. © privat
Friedhof in Herbern

Grabschändung in Herbern: „Davor kann man sich kaum schützen“

Nur wenige Tage nach der Beerdigung ihres Vaters muss Elke Hammwöhner erfahren, dass man das Grab geschändet hat. Unter anderem wurde eine Granitplatte gestohlen. Davor kann man sich kaum schützen.

Nachdem sie ihren verstorbenen Vater am vergangenen Donnerstag (19. November) beerdigt hatte, musste Elke Hammwöhner nur drei Tage später erfahren, dass das Grab geschändet wurde. Unter anderem fehlte eine Granitplatte mit der persönlichen Aufschrift „Opa, in unseren Herzen lebst du weiter“.

Diese konnte aber durch aufmerksame Bürger in Herbern nun der Familie wieder zurückgegeben werden. Was fehlt sind allerdings ein Blumenbouquet und eine Holzschale, die mindestens 40 Euro kostet. Was bleibt ist der Schmerz über diese pietätlose Aktion.

Grabschändung in Ascheberg ein Einzelfall

„Es ist unsäglich. Es ist eine Störung der Totenruhe“, sagt Elke Hammwöhner, die angekündigt hat, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Hier sind in der jüngsten Vergangenheit keine solcher Fälle gemeldet worden, erklärt Sascha Kappel, Pressesprecher der Polizei des Kreises Coesfeld. Allerdings wird auch nicht jeder Vorfall zur Anzeige gebracht.

Auch bei der Gemeinde Ascheberg wurden nur vereinzelt Beschädigungen gemeldet. „Das kommt sehr selten vor. In den letzten Jahren wurden aber schon mal Grablampen beschädigt. Das kommt immer mal wieder vereinzelt vor“, erklärt Simone Böhnisch, Pressesprecherin der Gemeinde.

Das Blumenbouquet, das die Enkeltöchter für ihren Großvater ausgesucht hatten, wurde gestohlen. Die Familie Hammwöhner hofft nun, dass Zeugen Hinweise zu den Diebstählen geben können. Sie möchte Anzeige bei der Polizei erstatten.
Das Blumenbouquet, das die Enkeltöchter für ihren Großvater ausgesucht hatten, wurde gestohlen. Die Familie Hammwöhner hofft nun, dass Zeugen Hinweise zu den Diebstählen geben können. Sie möchte Anzeige bei der Polizei erstatten. © privat © privat

Man könne sich davor generell kaum schützen. „Man kann nur wachsam sein und die Augen aufhalten, wenn man ein ungewohntes Verhalten auf dem Friedhof beobachtet“, rät Böhnisch. Aufmerksame Besucher des Friedhofes würden merken, wenn sich dort Leute aufhielten, „die nicht dahin gehören“, erklärt Sascha Kappel von der Polizei.

Floristen reagieren auf Diebstähle

Auch die Floristen beobachten solche Vorfälle und reagieren entsprechend. „Gerade zu den Feiertagen wie jetzt an Allerheiligen bringen wir die Gestecke der Gräber, die wir in der Grabpflege betreuen, erst einen Tag vorher auf den Friedhof. Dann ist die Gefahr, dass sie gestohlen werden, geringer“, erklärt Verena Wesselmann, Inhaberin des Floristikgeschäfts Hönekop in Herbern. Sie könne auch keine bestimmten Grabartikel ausmachen, auf die die Kriminellen es abgesehen haben.

Generell könne man die Gestecke auf den Gräbern nur schwer vor Diebstählen sichern. „Man könnte sie theoretisch mit einem Draht in der Erde verankern. Aber das ist auch schwierig, wenn der Boden frostig ist. Und da muss man sich auch fragen, ob man damit nicht mehr kaputt macht als alles andere“, so Wesselmann. Ob solche Maßnahmen die Kriminellen abschrecken, die auch bereit sind, die Totenruhe zu stören, ist äußerst fraglich.

Blumen und Solarleuchte gestohlen

In Herbern ist die Grabschändung, die der Familie von Elke Hammwöhner nun widerfahren ist, ein Einzelfall. Auch in der Nachbarstadt Werne gab es in diesem Jahr lediglich vereinzelt ähnliche Sachverhalte, wie Vera Howanietz, Pressesprecherin der Polizei des Kreises Unna, erklärt. Demnach habe es drei Fälle von Diebstahl auf dem Friedhof am Südring gegeben. „Da wurden Blumen, eine Solarleuchte und Pflanzen entwendet.“

Neben dem kleinen, finanziellen Schaden habe es keine Fälle von Vandalismus gegeben, so Howanietz. Sie erklärt in diesem Zusammenhang, dass es keine gesonderte Statistik zu Diebstählen oder Beschädigungen auf Friedhöfen gibt, sondern diese in die gesamte Kriminalitätsstatistik einfließen. Sie erinnert sich aber an eine Serie solcher Vorfälle, die sich vor einigen Jahren in Bergkamen abgespielt hat.

Dass Grabschändung kein Einzelphänomen ist und drastische Maßnahmen mit sich ziehen kann, zeigt etwa die Gemeinde Ittlingen in Baden-Württemberg. Dort wurde 2018 eine Videoüberwachung eingeführt, nachdem es vermehrt zu Diebstählen von Blumenschmuck gekommen war. Andere Gemeinden denken bereits über solche Vorkehrungen nach. In der Gemeinde Ascheberg ist man davon jedoch weit entfernt.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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