Herberner Gastronomie darf nicht öffnen: Westfleisch-Skandal verärgert Wirte

dzGastronomie in Herbern

Die Herberner Gastronomie darf weiterhin nicht öffnen: Ein 65 Kilometer entfernter Schlachthof ist Schuld. Die Herberner Wirte ärgern sich über die Fahrlässigkeit beim Fleischkonzern.

Werne

, 12.05.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bürger in Nordrhein-Westfalen freuen sich über die zahlreichen Lockerungen der Corona-Vorgaben. Endlich wieder in den Zoo, ins Museum und im Stammlokal essen gehen - überall in NRW, nur nicht im Kreis Coesfeld. Grund dafür ist der Corona-Ausbruch bei Westfleisch in Coesfeld. In der Großschlachterei wurden mehr als 200 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet.

Damit überschritt der Kreis schlagartig die Grenze von 50 Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Einwohnern - 95,9 Infizierte in einer Woche pro 100.000 Einwohner verzeichnet der Kreis aktuell. Kreisen, die diese Grenze überschreiten, drohen neue Einschränkungen. Coesfeld ist bislang der einzige Kreis, der diese Grenze überschreitet.

Harte Konsequenzen für Herberner Betriebe

Münster kommt beispielsweise nur auf eine Quote von 4,8 Infizierten pro 100.000 Einwohnern pro Woche, Unna und Hamm jeweils auf 5,6 Infizierte auf 100.000 Einwohner und im Kreis Warendorf sind es sogar nur 1,8. Für Gastronomie in Herbern bedeutet das, dass sie ihre Türen weiterhin geschlossen lassen müssen, während die Kollegen aus den umliegenden Kreisen bereits schrittweise in die Normalität zurückkehren.

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Christian Deitermann, Inhaber des Gasthofes Deitermann in Herbern, ist verärgert über die Fahrlässigkeit der Schlachterei: „Es ist unfassbar, wie verantwortungslos ein so großer Konzern mit der Situation umgeht. Hätte man es ihnen nicht verboten, würden die noch immer fröhlich ihre Schweinchen durch den Wolf drehen.“

Der ganze Kreis leidet unter der Fahrlässigkeit

Am Freitag wurde die Produktion stillgelegt, nachdem der Konzern in einer Pressemitteilung verlauten ließ, dass der Betrieb weiter laufen würde und keine Gefahr für Konsumenten bestehe. „Das ist, als würden Sie mit einer Zigarette durch eine Papierfabrik laufen und sich nicht verantwortlich fühlen, wenn es brennt“, beschreibt der Wirt die Reaktion des Konzerns. Dafür bekäme er und hunderte andere Betriebe im Kreis jetzt die Quittung.

„Westfleisch ist 65 Kilometer entfernt. Wir liegen viel näher an Werne und Hamm, müssen aber die Konsequenzen für das tragen, was in Coesfeld passiert. Da bin ich nicht der Einzige, den das ärgert.“ Der Wirt bezieht Fleisch von einer kleinen Landmetzgerei und ist somit nicht als Kunde vom Westfleisch-Skandal betroffen. Dennoch hat der Vorfall harte Konsequenzen für seinen Betrieb.

Außer-Haus-Verkauf ist ein Tropfen auf den heißen Stein

Deitermann bietet am Wochenende seine Gerichte zur Abholung an, doch über Wasser halten könne er sich damit nicht langfristig. „Der Außer-Haus-Verkauf ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir haben seit beinahe acht Wochen geschlossen. Wenn das noch mehrere Wochen so weitergeht, sieht es für viele Betriebe sehr schlecht aus“, so der Wirt.

Das sieht auch Anke Löhring, Inhaberin der Gaststätte „Zur Alten Mühle“, so. Aktuell liefert die Gaststätte ihren Mittagstisch vorwiegend an ältere Mitbürger auf dem Land. „Wenn uns das Haus nicht gehören würde, sähe es ziemlich mau und mager bei uns aus“, so Löhring.

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Sie hatte sich schon riesig auf die Wiedereröffnung gefreut, doch der Vorfall in Coesfeld machte ihr einen Strich durch die Rechnung: „Ich könnte jederzeit aufmachen, wenn ich denn dürfte. Der Biergarten ist bereit, im Innenraum gibt es vier Tische mit Mindestabstand und überall stehen Desinfektionssprays und Reinigungsgels.“

Die Theke sei vorerst noch tabu - so will es das Gesetz. Die Bedienung am Tisch ist jedoch in NRW seit dem 11. Mai wieder erlaubt. „Ich hätte gerne meine Gäste am Tisch bewirtet. Nur weil so ein paar Honky Wonkys bei Westfleisch mit der Hygiene geschludert haben, müssen wir jetzt die Füße still halten“, so Löhring.

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