Der 97-jährige Karl Herbshoff (l.) hat die erste Dosis der Corona-Impfung von Dr. Kristian Fromme erhalten. © Fischer
Impfstart

Erste Impfungen im Malteserstift – Heimleiterin warnt vor falscher Sicherheit

Im Malteserstift St. Benedikt in Herbern wurden Bewohner und Pfleger gegen das Coronavirus geimpft. Das war ein enormer Arbeitsaufwand für die Heimleitung. Sicherheit gibt es vorerst dennoch nicht.

Der Impfstart in Deutschland erfolgte offiziell am 27. Dezember 2020. Am gleichen Tag wurden in Dülmen die ersten Menschen im Kreis Coesfeld geimpft.

Am Mittwoch, 6. Januar, war es auch endlich im Malteserstift St. Benedikt in Herbern soweit: 98 Prozent der Bewohner und über 90 Prozent des Personals haben das Vakzin von Biontech und Pfizer erhalten, wie Heimleiterin Nicole Fischer erzählt.

Erheblicher Aufwand für das Pflegeheim

„Wenn ich ehrlich bin, bin ich sehr geschafft“, blickt Nicole Fischer auf die vergangenen Tage zurück. Denn den Großteil der Arbeit musste das Pflegeheim selbst erledigen: Die Einverständnisse zur Impfung einholen, kooperierende Ärzte suchen, die Impfungen vorbereiten. Dafür habe Fischer die Feiertage durchgearbeitet und bis zu 70 Stunden die Woche gearbeitet. „Wir sitzen nicht in der Ecke und jammern. Wir sind Pflegekräfte. Wir wollen unsere Bewohner nicht von den Angehörigen trennen“, gibt sich Nicole Fischer kämpferisch.

Dr. Christiana Jäger hatte im Vorfeld alles recherchiert, was das Ärzteteam wissen muss. Die Praxen Dr. Fromme und die Gemeinschaftspraxis Dr. Lohmann/Edsen erklärten sich bereit, das Pflegeheim bei der Impfung zu unterstützen.

Außer dem Spediteur kam niemand

Der Impftermin an sich sei reibungslos abgelaufen. „Es war super. Wir haben ein tolles Team und auch das Praxisteam der Ärzte hat uns super unterstützt. Es gab keine Zwischenfälle, es ist perfekt gelaufen“, bilanziert Heimleiterin Fischer. Etwa um 13 Uhr habe man mit dem Impfen angefangen, um 15.30 Uhr war man durch.

Die Polizei hat, als der Impfstoff eingetroffen war, Präsenz gezeigt. „Das fand ich sehr gut. Die haben sich Mühe gegeben. Sie haben uns immer wieder gesagt, dass sie sofort da sind, falls es Zwischenfälle geben sollte“, zeigt sich Nicole Fischer zufrieden mit der Arbeit der Beamten.

Ein externes mobiles Impfteam hat es nicht gegeben. Bis auf den Spediteur, der den höchst empfindlichen Impfstoff zum Heim brachte, waren das Pflegepersonal und die Ascheberger Ärzte auf sich allein gestellt.

Ärzte fühlen sich für weitere Impfungen gewappnet

Der Ablauf sei für die Ärzte neu gewesen, wie Dr. Kristian Fromme erklärt. „Wir wussten vorher nicht, wie wir das machen. Es braucht ja einen besonderen Umgang mit dem Impfstoff. Man darf ihn nicht schütteln, es ist alles sehr sensibel“. Das Ärzteteam sei froh, die Impfungen hinter sich zu haben. „Jetzt wissen wir, wie es geht und sind voll im Fluss“. Dr. Fromme sprach auch noch einmal ein Lob an die Heimleitung aus, die den Termin sehr gut vorbereitet habe.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer ist sehr fragil und muss dementsprechend vorsichtig gehandhabt werden.
Der Impfstoff von Biontech und Pfizer ist sehr fragil und muss dementsprechend vorsichtig gehandhabt werden. © dpa © dpa

Dass kein externes Impfteam die Vakzine verabreicht, sei in der Regel so, wie Dr. Fromme erläutert. „Heime, die mit den gleichen Ärzten zusammenarbeiten, haben einfach ein Vertrauensverhältnis, das über lange Zeit aufgebaut wurde“. Pflegeeinrichtungen, die keine Hausärzte haben, könnten sich an die Kassenärztliche Vereinigung wenden, um geeignete Impfärzte zu finden.

Da man aus den Impfflaschen teilweise sechs anstatt fünf Dosen des Vakzin bekommen kann, wurde auch das ärztliche Personal geimpft. Sonst hätte man den Impfstoff entsorgen müssen, da er nur wenige Stunden offen sein kann. Dies sei auch eine Vorgabe der Behörden.

Vorerst keine Sicherheit durch Impfungen

Bewohner und Pfleger sind zum Großteil geimpft. Kehrt jetzt wieder Normalität in das Malteserstift St. Benedikt in Herbern ein? „Wir fühlen uns noch gar nicht sicher. Die Schutzwirkung der ersten Dosis von etwa 50 Prozent tritt nach zwei Wochen ein“, sagt Nicole Fischer.

Sie hat Bedenken, dass die Menschen denken, sie könnten jetzt lockerer mit dem Virus umgehen. Schließlich sei ja geimpft worden. „Wir befinden uns jetzt in einer ganz kritischen Phase. Die Menschen haben einfach Sehnsucht nach einem normalen Leben“.

In 18 bis 21 Tagen soll die zweite Impfrunde durchgeführt werden. Drei Wochen danach verspricht die zweite Impfung einen Schutz von 95 Prozent.

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