Diskussion um Gewerbegebiet Ondrup in Herbern reißt nicht ab

dzBauen in Herbern

Die Gemeinde Ascheberg möchte mit dem Ausbau des Gewerbegebietes Ondrup mehr Wirtschaft nach Herbern holen. Der Ausbau stößt aber auf Gegenwind von verschiedenen Seiten.

Herbern, Ascheberg

, 28.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gemeinde Ascheberg will in Herbern das Gewerbegebiet Ondrup weiter vorantreiben und will deshalb das Gewerbegebiet ausweiten. Das Anliegen: die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Münsterland und das Schaffen neuer Arbeitsplätze. Dafür sollen zwischen An der Vogelrute und An der Lindenstraße künftig 65.000 Quadratkilometer Fläche zur Verfügung stehen.

Zeitgleich gibt es einige Bedenken gegen das Vorhaben, 8,3 zusätzliche Hektar Gewerbegebiet an der Vogelrute zu schaffen. Die Untere Bodenschutzbehörde des Kreises hatte zunächst Bedenken, da sich auf dem Gelände eine Gärtnerei befindet, durch die sich Schadstoffe im Boden befinden könnten. Die Gemeinde hatte deshalb schon im April vorgeschlagen, das Gebiet entsprechend zu kennzeichnen und im Falle baulicher Veränderungen zuvor eine Bodenuntersuchung mit dem Kreis vorzunehmen, wodurch die Bedenken der Unteren Bodenschutzbehörde ausgeräumt wurden.

Auch ein Bürger äußert seine Bedenken zu dem Vorhaben

Dem Landesbetrieb Wald und Holz zufolge seien forstliche Belange in dem Änderungsverfahren nicht berücksichtigt worden. Bei der Wallhecke entlang der Ondruper Straße handele es sich dem Gesetz nach um einen Wald. Diese müsste, wenn sie entfernt wird, an anderer Stelle ersetzt werden.

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Die Bezirksregierung Arnsberg wies darauf hin, dass sich unter der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche das Bergwerksfeld „Donar“ befindet, das der RAG Aktiengesellschaft gehört. Zum einen habe die HammGas GmbH hier eine Erlaubnis zu gewerblichen Zwecken, die RWTH Aachen eine zu wissenschaftlichen Zwecken. Die Bezirksregierung wies die Gemeinde darauf hin, die beiden Parteien in die weiteren Planungen mit einzubeziehen. Laut der Gemeinde habe man sich an die RAG gewandt, aber keine Antwort erhalten. Nun wolle man auch die Firma HammGas mit ins Boot holen.

Vom 4. Mai bis 4. Juni hatten auch Bürger Zeit, sich zu dem Änderungsentwurf zu äußern. Und haben es auch getan. Punkte, die ein Bürger unter anderem anführt: der Immissionsschutz sei nicht ausreichend bewertet worden, da es sich hier faktisch heute nicht um landwirtschaftliche Fläche, sondern um Wohnbebauung handele. Die Gemeinde Ascheberg hingegen betont, dass es sich eher um ein Mischgebiet handele, das Gewerbegebiet eingegrünt werde und die Nutzung zu lauten Zwecken in der Bauleitplanung ausgeschlossen werden soll. Weiterer Immissionsschutz böte die Entfernung der Gebäude zueinander.

Gewerbegebiet gegen „Schwattes Pättken“

Zum anderen betont der Bürger, würde durch die Erweiterung das „Schwatte Pättken“, ein historischer überörtlicher Handelspfad und möglicher Teil des Jakobswegenetzes, durch den Ausbau verschwinden. Dazu die Gemeinde: Im Laufe der Jahrhunderte sei die Bedeutung des Weges zurückgegangen. „Eine wirtschaftliche Bedeutung existiert ebenso wenig wie eine Funktion als Schulweg o.ä.“

Ein weiterer Kritikpunkt des Bürgers: eine unvollständige Fledermauskartierung. Die öKon GmbH - beauftragt von der Gemeinde Ascheberg - hatte gegen das Flächenänderungsvorhaben zunächst auch Bedenken, woraufhin eine vertiefende Bestandsaufnahme der Vogel- und Fledermausarten durchgeführt wurde. Ihr Ergebnis von Ende März 2019: Durch das Bauvorhaben würde keine Art geschädigt, da sich diese ihrer Umgebung anpassten. Fledermäuse seien laut Gutachter nur sehr vereinzelt festgestellt worden. Lichtarme Ecken und Abholzarbeiten nur im Winter sollen die Fledermäuse künftig schützen.

Eigentlich sollte das Gewerbegebiet Ondrup schon am 16. Juni im Bau- und Planungsausschuss Thema sein. Allerdings wurde das Thema in den am 23. Juni tagenden Rat- und Finanzausschuss verschoben. Hier sollte dann ein Beschluss über die Änderung fallen. Stattdessen wurde das Thema vor Vorberatung zurück in den Bau-, Planungs- und Umweltausschuss gegeben, der am 20. August um 18 Uhr im Rathaus Ascheberg zusammenkommt.

Die Gemeinde Ascheberg hatte die Fläche erworben und den Regionalplan ändern lassen. Ursprünglich war der Plan, rund 30.000 Quadratmeter Fläche alleine für die Herberner Firma Euroroll bereitzustellen. „Wir haben das Feld sozusagen für Euroroll bereitet“, erklärte der Ascheberger Bürgermeister Dr. Bert Risthaus. Doch die Firma entschied sich letztendlich für eine Erweiterung in Werne.
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