Kurz nach der Beerdigung fehlten auf dem Grab des Vaters von Elke Hammwöhner ein Blumenbouquet, eine Holzschale und eine Granitplatte. „Das ist entsetzlich und pietätlos“, sagt die Herbernerin, die den Diebstahl bewusst öffentlich machen will. © privat
Friedhof in Herbern

„Das schmerzt und ist entsetzlich“: Grab wird kurz nach Beerdigung geschändet

Nach dem Tod ihres Vaters muss die Familie von Elke Hammwöhner eine zusätzliche, traurige Nachricht verarbeiten. Kurz nach der Beerdigung wurde das Grab auf dem Friedhof in Herbern geschändet.

Fassungslos. Entsetzlich. Sprachlos. Elke Hammwöhner kann kaum in Worte fassen, was sich an dem Grab ihres Vaters kurz nach der Beerdigung abspielt. Dennoch möchte sie das, was ihr und ihrer Familie widerfahren ist, öffentlich machen. „Wir wollen nicht tatenlos zusehen, dass so etwas getan wird. Das ist so ein hässliches, pietätloses und unmenschliches Verhalten“, sagt Elke Hammwöhner (59).

Nachdem sie ihren Vater am Donnerstag (19. November) auf dem Friedhof in Herbern beerdigt hat, muss sie kurz darauf feststellen, dass ein Blumengesteck und eine Granitplatte fehlen. Am Samstagnachmittag sei noch alles an Ort und Stelle gewesen. Einen Tag später und nur drei Tage nach der Beerdigung machte die Enkeltochter des Verstorbenen dann eine traurige Entdeckung.

Aufruf zu gefundener Granitplatte

In einer Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook sah sie einen Aufruf einer Herbernerin, die eine Granitplatte vor der Fensterscheibe ihres Hauses an der Werner Straße gefunden hat. „Opa, in unseren Herzen lebst du weiter“ stand darauf. Die persönlich gestaltete Erinnerung an den Großvater hatte die Nichte von Elke Hammwöhner sofort wiedererkannt.

Allein die Holzschale kostete mehr als 40 Euro, wie Elke Hammwöhner erzählt.
Allein die Holzschale kostete mehr als 40 Euro, wie Elke Hammwöhner erzählt. © privat © privat

Als sie dann die Granitplatte bei der Familie an der Werner Straße abholte, fand sie dort weitere Gegenstände, die eigentlich auf das Grab ihres Großvaters gehören. Ein paar Blumen seien noch übrig geblieben, erzählt Elke Hammwöhner. „Man hat sich aller lästigen und persönlichen Sachen entledigt. Die Schleifen zum Beispiel sind weg. Die Holzschale, die allein über 40 Euro gekostet hat, ist weg.“ Der letzte Gruß an den Opa und die Namen der Enkel – alles, was auf die Familie zurückzuführen wäre, ist verschwunden.

Familie erstattet Anzeige wegen des Diebstahls auf dem Grab

„Wir vermuten, dass die Sachen für eigene Zwecke genutzt werden. Da waren wahrscheinlich Profis am Werk, die gezielt nach wertvollen Dingen auf dem Friedhof suchen“, sagt Hammwöhner. Sie wird Anzeige bei der Polizei erstatten. Auch wenn sie die Chance, dass sich der Diebstahl aufklärt, gering einschätzt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir wollten auf keinen Fall schweigen und das so hinnehmen“, sagt die 59-Jährige, die befürchtet, dass es zu weiteren Diebstählen kommen könnte.

Kurz nach der Beerdigung fehlten auf dem Grab des Vaters von Elke Hammwöhner ein Blumenbouquet, eine Holzschale und eine Granitplatte. Es sind Einzelfälle, die aber an anderen Orten schon zu drastischen Maßnahmen auf Friedhöfen geführt haben.
Kurz nach der Beerdigung fehlten auf dem Grab des Vaters von Elke Hammwöhner ein Blumenbouquet, eine Holzschale und eine Granitplatte. Es sind Einzelfälle, die aber an anderen Orten schon zu drastischen Maßnahmen auf Friedhöfen geführt haben. © privat © privat

Dabei ist der finanzielle Schaden nebensächlich. „Es schmerzt. Es ist unsäglich und pietätlos. Es ist eine Störung der Totenruhe. Eigentlich ist man gerade noch im Trauerprozess und dann kommt so eine schreckliche Sache noch oben drauf, die zusätzlich noch einmal verletzt. Vor allem für die Enkeltöchter, die das Blumenbouquet zusammengestellt haben“, sagt Elke Hammwöhner.

Emotionaler Schaden meistens höher als der materielle

Der emotionale Schaden sei in solchen Fällen meistens viel größer als der materielle, erklärt Sascha Kappel, Pressesprecher der Polizei des Kreises Coesfeld. Deshalb könne er nur daran appellieren, Anzeige zu erstatten. Denn: Diese Diebstähle können aufgeklärt werden. „Besucher auf dem Friedhof merken, wenn da Leute sind, die dort nicht hingehören“, sagt Kappel. Sie könnten diese Personen dann beschreiben, um nach ihnen fahnden zu können.

„Man sollte das auf jeden Fall zur Anzeige bringen, um den Ganzen Rechnung zu tragen. Der psychische Schaden ist oft viel höher als der Wert des Diebesguts“, so Kappel weiter.

Das kann Elke Hammwöhner aus Herbern bestätigen. Sie ist dankbar, dass die Finder der Granitplatte einen öffentlichen Aufruf gestartet haben und ihre Nichte diesen im Internet gefunden hat. So hat die Familie zumindest diese persönlich gestaltete Erinnerung an den Verstorbenen zurück.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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