Ernte in Corona-Zeiten: Bauern in Herbern und Werne ziehen Fazit der Saison 2020

dzLandwirtschaft

Erst der Klimawandel, dann die Corona-Pandemie: Die Landwirte in Herbern und Werne hatten in diesem Jahr mit mehreren Einflüssen zu kämpfen. Welche Folgen hatte das für die Ernte?

Herbern, Stockum

, 28.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein milder Winter, starke Niederschläge am Anfang des Jahres und viel Trockenheit im Frühjahr: Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft. „Wir können mit der Ernte zufrieden sein“, sagt Gerhard Reimann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Herbern dennoch. „Es gab trotz des trockenen Frühjahrs eine ganz gute Ernte.“

Die Getreide-, Weizen- und Gerste-Ernten seien gut gewesen. Erst sei er skeptisch gewesen, aber dann sei glücklicherweise noch etwas Regen gekommen. „Der Niederschlag ist bei allen Getreidearten noch gut gekommen“, sagt Reimann.

Gerhard Reimann ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Herbern.

Gerhard Reimann ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Herbern. © Arthur Kurzhals

Die Maisernte, die in den vergangenen beiden Jahren sehr unter der Trockenheit gelitten habe, kann der Vorsitzende noch nicht abschließend beurteilen. Durch den Regen in den vergangenen Wochen habe sich die Situation aber deutlich verbessert. „Wenn nichts wie Starkregen oder Hagel dazwischen kommt, werden wir eine gute Ernte haben.“ Die letzten vier Wochen der Saison würden aber noch ausstehen.

„Im Vergleich zu anderen Regionen haben wir Glück gehabt“, sagt Reimann. „Aufgrund der Bodenart und der passenden Niederschläge können wir zufrieden sein.“ Er betont aber, dass dieses Fazit sehr ortsbezogen sei und für Herbern, Ascheberg und Werne gelte. Woanders könne das das ganz anders aussehen.

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So wie in den Regionen in Nordrhein-Westfalen, in denen sich manche Landwirte Sorgen um die Wintervorräte für ihre Tiere machen müssten. Das sei in Herbern nicht der Fall – ganz im Gegenteil. Die Futtervorräte, die in den vergangenen beiden Jahren nicht erreicht wurden, ließen sich durch einen Überschuss in diesem Jahr fast ausgleichen.

Die Corona-Pandemie habe keinen großen Einfluss auf die diesjährige Ernte gehabt. Auch nicht der Wegfall von Saisonarbeitern. Da diese nur beim Spargel- und Erdbeeranbau gebraucht würden, seien sie in Herbern nicht notwendig gewesen. Hier werden weder Spargel, noch Erdbeeren angebaut.

Anders sieht das in Werne aus. Dort ist Johannes Laurenz, Inhaber des Hofs Schulze Blasum in Stockum, auf die Saisonarbeiter angewiesen. Die konnten zum geplanten Zeitpunkt am 27. März aber nicht kommen. Deswegen bot er seine Spargelfelder sogar zur Miete an.

Saisonarbeiter konnten länger bleiben

Knapp zwei Wochen später durften die 19 Spargelstecher aus Rumänien doch einreisen – und statt drei sogar fünf Monate lang bleiben. „Da muss ich die Politik loben, dass der sozialversicherungsfreie Zeitraum verlängert wurde“, sagt Laurenz.

Auch die Saisonarbeiter lobt er. „Das sind alles Leute, die was zwischen den Ohren haben. Sie haben grandios mitgeholfen und sich an alles gehalten.“ Das werde seiner Meinung nach manchmal falsch dargestellt. „Es wird oft vergessen, dass sie auf das Geld angewiesen sind und da Existenzen dran hängen“, ergänzt er.

Johannes Laurenz ist Inhaber des Hof Schulze Blasum in Stockum.

Johannes Laurenz ist Inhaber des Hof Schulze Blasum in Stockum. © Helga Felgenträger

Da bereits vier Arbeiter vor dem Einreisestopp auf dem Hof waren, mussten die Neuen erstmal in eine zweiwöchige Quarantäne, um Kontakte zu vermeiden. Die Reisekosten und Unterbringungen der Rumänen übernahm der Inhaber, der mittlerweile auch selbst Rumänisch spricht. Einen Coronafall gab es nie.

„Wir konnten die Spargelsaison bis zum Ende durchziehen und gut bewältigen“, sagt Laurenz. Ein Problem sei aber gewesen, dass der Markt überlaufen gewesen sei, da die Bauern die Menge an Spargel, die die Gastronomie abnehme, unterschätzt hätten. Dadurch sei der Preis unter die Kosten gefallen.

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Um das Problem zu lösen, hätten die Bauern den Spargel durchwachsen lassen und die Menge so reduziert. „Trotzdem war es insgesamt ein gutes Jahr“, sagt der Bauer. „Wir sind in Werne und der näheren Umgebung sehr gesegnet gewesen mit Niederschlägen. Die kamen immer kurz vor knapp.“

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