Autorenforum: „Nackter Zuhörer mit Eistüte auf dem Kopf“ hilft gegen Lampenfieber

dzLesung in Ascheberg

„Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.“ So lautet ein Ausspruch von Heinrich Heine. Das kann man statistisch sogar an Zahlen festmachen.

Ascheberg

, 05.11.2019, 11:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während der Umsatz im Jahr 2017 in der Musikindustrie 1,59 Milliarden Euro betrug, bescherten eifrige Leser der Buchbranche einen Umsatz von sage und schreibe 9,13 Milliarden Euro.

Ob die Talente aus der Region, die der Kulturverein KuKADuH während der zweistündigen Veranstaltung „Autorenforum“ am Sonntag, 3. November 2019, im Bürgerforum Ascheberg vorgestellt hat, bald zu diesem enormen Umsatz beitragen, bleibt abzuwarten.

Autorenforum: „Nackter Zuhörer mit Eistüte auf dem Kopf“ hilft gegen Lampenfieber

Junge Talente und "alte Hasen" präsentieren ihre literarischen Werke. © Claudia Hurek

Die Moderation des kurzweiligen Nachmittags übernahm der Herberner Autor Oliver Uschmann. Gewohnt souverän stellte er die jeweiligen Autoren kurz vor, bevor diese in einer gut zehnminütigen Lesung aus ihren Büchern oder Geschichten rezitierten.

„Auf die Bürger der Gemeinde ist echt Verlass“, so Uschmann. „Die sind immer pünktlich. Bis zehn Minuten vor Beginn ist noch kaum jemand da, sodass man denkt ‚Mist, da kommt keiner‘ und siehe da, um kurz vor knapp ist der Laden dann voll.“

Alte Hasen und Jung-Autorinnen beim Autorenforum Ascheberg

Neben alten Hasen, für die eine Lesung spannend, aber nichts Neues mehr ist, hatten die Jung-Autorinnen Marie Uhlenbrock, Leonie Ritz und Ute Plaasch ganz schön Lampenfieber. Leonie Ritz schreibt seit ihrem zwölften Lebensjahr Urban-Fantasy Geschichten.

Dies sind Erzählungen, die mit fantastischen Elementen in der realen Welt spielen; sie handeln von Menschen, dem Teufel und Dämonen. Zu ihrer allerersten Lesung sind als „seelische“ Unterstützung ihre Mutter und drei Freundinnen dabei.

Autorenforum: „Nackter Zuhörer mit Eistüte auf dem Kopf“ hilft gegen Lampenfieber

Das Autorenforum am Sonntag im Bürgerforum war gut besucht. © Claudia Hurek

Ein ganz anderes Genre bedient der Roman von Ute Plaasch. In dem „Herzensroman ihres Lebens“, wie die Autorin ihr Erstlingswerk selbst beschreibt, dreht sich alles um Putzfrau Lara Muller, ihrem inneren General und einer manchmal sonderbar anmutenden Hingabe zu ihrem Staubsauger und blitzeblank geputzten Badfliesen.

Ganz real, ungeschönt und mit direkten Worten, die so manch einem die Schamesröte ins Gesicht treiben, erklärt Marie Uhlenbrock frischgebackenen Eltern, dass Schwangerschaft und die Zeit der Entbindung nicht immer so blumig sind, wie es oftmals in diversen Ratgebern beschrieben wird.

Erfrischend-offene Gedanken über Empfängnis und Geburt

Von der Empfängnis über die Geburt beschreibt sie in ihrem (Un)Ratgeber erfrischend offen und ehrlich all die Dinge, über die die Gesellschaft selten spricht. Um ihr eigenes Lampenfieber zu senken, stellt sie sich ihr Publikum nackt mit deiner Eistüte auf dem Kopf vor. „Das hilft ungemein“, so die Aschebergerin.

Patricia Malcher bildet mit zwei weiteren Autorinnen die Gruppe DreiSatz, die gemeinsam den Kurzkrimi „Böse Gedanken“ geschrieben hat, aus dem sie vorliest. Er handelt von der Französin Louise, einem furchtbaren Schneetreiben, Geschichten von Jagdtrophäen sowie einem undurchschaubaren Wirt.

Lesung über die Kontraste des Meeres

In Heidi Trips Geschichte, in der Harald Schönfelder und Verleger Magnus See die beiden männlichen Protagonisten Georg und Adil sprechen, geht es um den Kontrast, den das Meer bedeuten kann. Ist es für die einen ein Ort der Erholung, der Freude eines schönen Urlaubes, bedeutet es für jemand anderen Zeit für die innere Einkehr und die Rückkehr zu sich selbst.

Titel wie „Wege in die spontane Erfolglosigkeit“ oder auch „Die Nöte der Nichtschwimmer“ versprechen schon vorab heitere Lachanfälle. Die produziert Autor Christian Huppert dann auch quasi in Dauerschleife. Er beschreibt sich selbst als Hobbyautor, der versucht, was zu schreiben, es aber nicht kann.

Reflexion über schlimme Krankheiten beim Autorenforum

Seine Reflexion über schlimme Krankheiten, die sich nach ärztlicher Untersuchung lediglich als Morbus Meulengracht, einer harmlosen Stoffwechselstörung, entpuppen, löste allgemeine Heiterkeit im gut besuchten Bürgerforum aus.

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