Astrid-Lindgren-Förderschule zieht um – und nun?

Von Lüdinghausen nach Nottuln

Der Kreis Coesfeld hat entschieden: Die Astrid-Lindgren-Förderschule zieht von Lüdinghausen nach Nottuln. Noch kurz zuvor hatten die Bürgermeister fünf betroffener Kommunen versucht, die Entscheidung zu vertagen –vergeblich. Doch wie könnte es für die Förderschüler aus dem Coesfelder Südkreis nun weitergehen?

KREIS COESFELD

, 10.07.2017, 13:20 Uhr / Lesedauer: 3 min
Astrid-Lindgren-Förderschule zieht um – und nun?

So ist es richtig: Der Reihe nach betreten die Schüler den Bus.

24 Stunden vor der Entscheidung im Kreistag über den Umzug der Astrid-Lindgren-Förderschule von Lüdinghausen nach Nottuln hatten fünf Bürgermeister noch versucht, eine Vertagung zu erreichen. „Es geht doch um die Kinder und nicht um Nord oder Süd“, so Richard Borgmann (Lüdinghausen), Dietmar Bergmann (Nordkirchen), Wilhelm Sendermann (Olfen) und Sebastian Täger (Senden) damals auf der gemeinsamen Pressekonferenz, an der Bert Risthaus (Ascheberg) aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Die Kinder ihrer Kommunen sind vom Umzug der Förderschule betroffen.

Dass die Schule überhaupt umziehen muss, liegt am Gebäude. Es war schlicht zu klein und zu alt geworden. Eine räumliche Veränderung musste her. Nun ist klar: Ab Sommer 2018 werden die Schüler nicht mehr in Lüdinghausen, sondern in Nottuln unterrichtet – der Kommune, in der die Astrid-Lindgren-Schule früher schon einmal zuhause war. „Es war eine demokratische Entscheidung“, sagte der Nordkirchener Bürgermeister Dietmar Bergmann zum Votum des Kreistages auf Anfrage. Jetzt gehe es darum, den Blick nach vorne zu richten.

75 Minuten Fahrzeit zur Schule nach Nottuln

Zuvor hatten die Bürgermeister aus ihrem Standpunkt zum geplanten Umzug kein Geheimnis gemacht. Bergmann wies etwa auf die Kosten für die Schule in Nottuln hin, die die Städte und Gemeinde über Kreisumlage zu tragen haben. Und es ging ihm wie den anderen Bürgermeistern um das Verfahren an sich. „Vor einer Entscheidung hätte ein externes Gutachten in Auftrag gegeben werden müssen.“

Dass dabei ein anderer Vorschlag als der der Kreisverwaltung herausgekommen wäre, vermutete der Lüdinghausener Bürgermeister Richard Borgmann und verweist auf einen ähnlichen Fall im Kreis Lippe im vergangenen Jahr. Statt zu kaufen und umzubauen wird dort jetzt neu gebaut. Hinzu kommt die Fahrzeit nach Nottuln: Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann hatte errechnet, dass Kinder aus Steverstadt erst nach 75 Minuten Fahrzeit an der Schule in Nottuln ankommen. Eine Situation, die den Kindern nicht zuzumuten sei.

Doch die Entscheidung ist gefallen. Wie machen die Verantwortlichen der betroffenen Kommunen nun weiter? Konkret wollen sie sich in Kürze treffen, um „das weitere Vorgehen zu besprechen“. Ziel sei es, so der Nordkirchener Bürgermeister Dietmar Bergmann, „die bestmögliche Lösung für die Kinder zu finden.“ Dabei spielt auch für Bergmann die Fahrzeit eine große Rolle. Aus seiner Sicht sei eine Stunde für die jungen Menschen mit Beeinträchtigungen „grenzwertig“. Gerade vor dem Hintergrund rückt ein besonderer Aspekt in den Vordergrund, die Wahlfreiheit der Eltern.

Gibt es eine Alternative?

Aber gibt es überhaupt eine echte Alternative für die Förderschüler aus dem Coesfelder Südkreis? Auf unsere Anfrage sagte Constanze Rauert vom Kreis Unna: „Grundsätzlich kann sich der Kreis Unna vorstellen, die Schüler aus dem Nachbarkreis aufzunehmen. Interkommunale Zusammenarbeit könnte sich auch auf den Bereich Schule erstrecken. Es habe auch bereit ein erstes Gespräch mit den Bürgermeister und dem Kreis Unna gegeben, in dem die Kommunen vorgefühlt hätten.

„Die Städte und Kommunen müssten jetzt um ein detailliertes Gespräch bitten“, so Rauert. Der Kreis sei offen für organisatorische Gespräche. Es gehe um Fragen nach Kapazitäten an der Schule, Kosten oder Fahrten. Ähnlich die Stellungnahme von Kunibert Kampmann, Schulleiter Förderschulzentrum Nord in Lünen: „Wir können prinzipiell noch Schüler aufnehmen“, sagt Schulleiter Kunibert Kampmann. Allerdings sei die Aufnahme von Schülern aus einem anderen Regierungsbezirk nicht so einfach. Da gebe es Regeln wie die Schülerfahrtkostenverordnung, die der Schulträger regeln müsse. Außerdem sei es schwierig, die Schülerzahlen in den kommenden Jahren zu prognostizieren.

Entscheidend: Wo ist die nächstgelegene Schule?

320 Schüler hat das Förderschulzentrum Nord derzeit, 130 davon am Standort Bork. Er bevorzuge ein kleineres Schulsystem mit weniger Schülern, gerade für eine Förderschule. Ein paar Schüler könne er aber noch aufnehmen. Entscheiden müsse aber der Kreis.

Diese Aussage liegt genau auf der Linie der Bezirksregierung in Arnsberg. Sie sagte auf Anfrage, dass es hier keine Rolle spielt, ob die Kinder aus dem gleichen Regierungsbezirk kommen. Entscheidend sei, wo die nächstgelegene Schule sei. „Allerdings muss sie nur dann Schüler aus einem Regierungsbezirk aufnehmen, wenn sie noch Platz hat“, so Pressesprecherin Theresa Frigger auf Anfrage. Frigger bezog auch Stellung zu der Frage, wie lange überhaupt die Fahrtzeit sein darf. Bei Grundschülern ist es am Tag insgesamt eine Stunde, bei weiterführenden Schulen sind es insgesamt drei Stunden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Hotel Wolfsjäger Herbern
Neustart im Hotel Wolfsjäger: Ehepaar Bleckmann übernimmt früher als gedacht und hat neue Pläne