Undichtes Wehr an der alten Wassermühle sorgt für Zündstoff

dzDinkelwehr Heek

Bei Trockenheit sinkt der Pegel der Dinkel an der Wassermühle: Das Wehr ist undicht. Keiner fühlt sich für die Reparatur zuständig. Angler und Eigentümer erheben gegenseitige Vorwürfe.

Heek

, 22.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christian Schubert, Vorsitzender des Angelvereins (ASV) Nienborg-Dinkel, ist sauer. „Es tut sich einfach nichts“, stellt er mit Blick auf das Wehr an der alten Wassermühle frustriert fest. Schon seit Jahren schließe das Wehr nicht vernünftig, werde aber immer nur kurzfristig geschlossen.

Bei geringen Niederschlägen sinkt der Wasserstand der Dinkel deshalb erheblich. Die Fische, Krebse und Muscheln sind so in ihrem natürlichen Lebensraum gefährdet. „Die Eigentümer fühlen sich dafür nicht verantwortlich, der politische Wille ist nicht da“, glaubt der Vorsitzende des Angelvereins.

Gemeinde ohne großen Einfluss

Das Wehr befindet sich im Privatbesitz der Familie Brüggemann, die Gemeinde hat somit nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. „Wir haben eine Vereinbarung, dass wir auf das Grundstück dürfen. Aber letztlich entscheiden die Eigentümer“, schildert Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff die Situation.

Das Wehr an der alten Wassermühle ist schon seit Langem nicht mehr ganz dicht.

Das Wehr an der alten Wassermühle ist schon seit Langem nicht mehr ganz dicht. © Bastian Becker

Der Bauhof wird tätig und stopft im Zweifelsfall die undichten Stellen mit Stroh. Aus Sicht der Nienborger Angler eine allzu provisorische Lösung: Das Wasser staue sich schnell wieder an. „Der Angler ist heute auch Naturschützer. Wir nehmen viel Geld in die Hand und setzen Fische in das Wasser“, führt Christian Schubert den finanziellen Aufwand an. Ein Szenario wie 2012, als die Dinkel komplett leer gelaufen ist, soll vermieden werden.

Eigentümer bemängeln Verhalten des Angelvereins

70 Zentimeter fehlen bei Niedrigwasser laut ASV in etwa zum vor einigen Jahren üblichen Pegelstand. „Wir sind nicht zuständig, dass unsere Dinkel nicht leerläuft“, macht Christian Schubert deutlich. Die Frage der Zuständigkeit für mögliche Reparaturarbeiten ist jedoch strittig.

Eigentümerin Dorothee Brüggemann erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass sie das Grundstück an die Gemeinde verpachtet habe. Sie sieht neben der Gemeinde auch den Angelverein in der Pflicht, sich um eine Lösung zu kümmern. Die Gemeinde lobt sie dagegen. „Die Gemeinde sorgt sehr für das Stauwehr. Das Wehr ist eigentlich auch in Ordnung.“ Wichtiger ist für sie die Reparatur der Brücke, die zum Wehr führt.

So sah die Dinkel bei Niedrigwasser am 15. Juli aus. Die Sandbank liegt trocken, die Seerosen liegen auf der Wasseroberfläche.

So sah die Dinkel bei Niedrigwasser am 15. Juli aus. Die Sandbank liegt trocken, die Seerosen liegen auf der Wasseroberfläche. © privat

Bei den Arbeiten des Bauhofs hätten alleine sie und ihr Mann mitgeholfen. Dabei habe sie den ASV kontaktiert und um Unterstützung gebeten. „Die Angler stellen Ansprüche und helfen selbst nicht mit“, zeigt sich Dorothee Brüggemann ungehalten und fordert: „Man muss auch mal Hand in Hand arbeiten.“

Darauf angesprochen entgegnet Christian Schubert: „Ich habe mit Frau Brüggemann noch nie über dieses Thema gesprochen. Aber sie hat null Komma null Bereitschaft, etwas zu machen.“ Zur Hilfe bei möglichen Arbeiten meint er: „Wir sehen das gar nicht ein, wir machen das nicht.“ Das sei Sache der Eigentümer.

Situation für Angler und Flussbewohner unbefriedigend

Die Gemeinde Heek hat grundsätzlich Interesse daran, die im privaten Besitz befindlichen Wehre zu erwerben. „Gerade bei Hochwasser und Gefährdung wäre es für die Koordination wesentlich besser, wenn wir Herr des Geschehens sind“, erklärt Franz-Josef Weilinghoff. Auch den Eigentümern des Wehrs an der Wassermühle sei das Interesse seit langem bekannt. Konkrete Angebote gebe es aber nicht, die Preisvorstellungen lägen zu weit auseinander.

Der Status quo ist jedenfalls nicht für die Angler unbefriedigend, sondern für die Flussbewohner bei trockenem Wetter lebensbedrohlich. „Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, fasst Christian Schubert traurig zusammen. Beisitzer Michael Freitag malt ein düsteres Zukunftsszenario: „Die Kinder im Dorf kommen zum Fluss und sind mit der Natur verbunden. Wenn das so weitergeht, ist der Fluss in zehn Jahren tot.“

„Das muss einfach in Ordnung gebracht werden“, fordert Christian Schubert angesichts der unbefriedigenden Situation.

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