Mit spektakulären Videos: Unglücks-Haus in Heek wird nach massiven Sturmschäden abgerissen

dzSturmtief „Sabine“

Das Sturmtief „Sabine“ hat die Gemeinde Heek am Sonntagabend mitten im Ort schwer getroffen. Der Sturm riss den Giebel eines Hauses ab. Mit gravierenden Folgen für die Bewohner und das Haus.

Heek

, 10.02.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit gut 120 Stundenkilometern fegte Sturmtief „Sabine“ am Sonntag (9. Februar) über die Dinkelgemeinde hinweg. Und mitten im Ortskern schlug der Sturm mit voller Wucht zu. Um 20.20 Uhr riss er an der Ludgeristraße den Giebel eines zweigeschossigen Wohnhauses herunter. Ein Schock für die siebenköpfige Flüchtlingsfamilie aus Syrien.

Denn nur zu gut kennen sie noch Lärm und Zerstörung aus ihrem Heimatland, aus dem sie einst vor dem Krieg flohen. Von einem lauten Knall berichten Anwohner. Nur Sekunden später liegen Steine und Dachpfannen verteilt auf Gehweg und Straße. Das Bild gleicht einem Schlachtfeld. Wenig später treffen Polizei, Feuerwehr und THW vor Ort ein. Die Straße muss gesperrt und der Schutt schnellstens entfernt werden.

Mit spektakulären Videos: Unglücks-Haus in Heek wird nach massiven Sturmschäden abgerissen

Ein Bild wie auf einem Schlachtfeld bot sich den Einsatzkräften am Sonntagabend gegen 20.30 Uhr vor dem Unglücks-Haus. © Privat

Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt. Noch in der Nacht zieht die siebenköpfige Familie in eine Notunterkunft der Gemeinde um. Am Montagmorgen (10. Februar) kehrt der Vater schon früh an den Unglücksort zurück. So berichten es Augenzeugen. Der Mann holt das Hab und Gut seiner Familie aus den Trümmern. Möbel lässt er zurück. Durch das Loch im Giebel sieht man ein Kinderbett. Es fällt später dem Abrissbagger zum Opfer.

Und zugleich wird in den Morgenstunden das Ausmaß des Schadens deutlich. Die Bausubstanz ist nicht zu erhalten. Zu massiv sind die Schäden an dem Gebäude, das die Gemeinde vor vier Jahren erworben hatte. Als „beste Lösung“ bezeichnet Bauamtsleiter Herbert Gausling den beschlossenen Abriss auf Anfrage dieser Redaktion.

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Mitarbeiter der Firma Grethen und Westnetz klemmen aus Sicherheitsgründen die Versorgungsleitungen ab. Knapp zwei Stunden dauerten diese Arbeiten. © Till Goerke

Vor allem vor dem Hinblick, dass nicht auszuschließen war, dass neue Sturmböen Teile des Daches erfassen, herausreißen und damit eventuell auch noch Schäden an benachbarten Häusern anrichten. Ein von der Gemeinde beauftragter Gutachter war dennoch vor Ort, um den Ist-Zustand aller umliegenden Gebäude zu dokumentieren. „So lässt sich festhalten, ob beispielsweise durch die Erschütterungen beim Abriss Schäden an den Gebäuden entstanden sind“, erklärt er.

Bevor dem Unglückshaus mit einem Abrissbagger zu Leibe gerückt werden konnte, mussten alle Versorgungsleitungen (Gas, Wasser, Strom) abgeklemmt werden. Gut zwei Stunden waren Mitarbeiter von Grethen und Westnetz im Einsatz. Gegen 12 Uhr starteten dann die Abrissarbeiten. „Dach und Obergeschoss sind das Tagesziel“, erklärt der Maschinist von der Firma Langezaal.

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Ein Blick in den Container, der bereits nach gut 30 Minuten ordentlich gefüllt war. © Till Goerke

„Zum Glück haben wir spontan noch ein Abbruchunternehmen gefunden, das sich der Sache annimmt“, so Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff im Vor-Ort-Gespräch. Fieberhaft habe man in der Gemeindeverwaltung noch in der Nacht zu Montag alle Hebel in Bewegung gesetzt, um dies zu ermöglichen. „Hier geht es schließlich um die Gesamtsicherheit.“

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In einem Rutsch reißt der Maschinist den Zwischenboden (erstes OG) aus dem Haus, um diesen im Container zu entsorgen. © Till Goerke

Übrigens: Mit dem Abriss des Dach- und Obergeschosses soll das Haus wieder „sturmfest“ sein. Die verbleibenden Abrissarbeiten sollen am Dienstag (11. Februar) über die Bühne gehen. Läuft alles nach Plan, dann wird die Sperrung der Ludgeristraße sogar noch am Montagabend (10. Februar) wieder aufgehoben.

Ausgenommen davon soll der Bürgersteig vor dem Unglückshaus sein. Eine erneute Sperrung der Straße im Zuge der weiteren Abrissarbeiten ist allerdings nach derzeitigem Stand nicht ausgeschlossen.

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Um der massiven Staubentwicklung entgegenzuwirken, setzen die Mitarbeiter der Abbruchfirma Wasser ein, um so die Staupartikel zu binden und zu Boden zu drücken. © Till Goerke

Wie genau es zu dem Unglück kommen konnte, ist (noch) nicht klar. Und wird es vermutlich auch nie werden. „Das ist derzeit alles reine Spekulation“, stellt Bauamtsleiter Herbert Gausling klar. Es sei zudem äußerst kompliziert im Nachgang zu ermitteln, was genau zum Unglück führte.

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Immer wieder entwickeln sich während des Abrisses dicke Staubwolken. Die marode Bausubstanz hatte dem Abrissbagger nichts entgegenzusetzen. © Till Goerke

Vermutlich kamen einige unglückliche Umstände zusammen. Fakt ist: Links neben dem Unglückshaus gibt es nicht erst seit gestern eine Baulücke. Möglich, dass eine Sturmböe dort für einen Windsog oder einen Fallwind sorgte, welcher der ohnehin schon älteren Bausubstanz den Rest gab. Wie es auf der Fläche perspektivisch weitergeht, ist noch nicht klar.

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