Für Osterfeuer in Heek soll es strengere Auflagen geben. © Elvira Meisel-Kemper
Brauchtum

Strengere Auflagen für Osterfeuer: Was das für die Tradition bedeutet

Die Osterfeuer in Heek sollen ab jetzt strenger reguliert werden. Klimawandel und ein OVG-Urteil sind die Triebfedern. Davon abgesehen: Können die Brauchtumsfeuer wegen Corona überhaupt stattfinden?

Der Inzidenzwert im Kreis Borken ist seit Wochen über dem 50er-Schwellenwert. Lockerungen somit (noch) in weiter Ferne. Damit stehen auch die Osterfeuer in Heek auf der Kippe. Und ungeachtet von Corona: Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts NRW, müssen die Feuer sowieso deutlich reduziert werden.

Die Diskussion um die beliebten Osterfeuer hat zuletzt richtig Fahrt aufgenommen – nicht nur in der Dinkelgemeinde. Auslöser der Debatte ist der Naturschutz. Das Umweltministerium des Landes NRW hatte nämlich festgestellt, dass die Feinstaubwerte an den Osterfeiertagen enorm hoch sind. Als eine der Ursachen dafür wurden die Brauchtumsfeuer ausgemacht.

Wurden alle Feuer angemeldet?

Von diesen gab es mit Ausnahme der coronabedingten Absage 2020 auch in Heek jede Menge. 2019 (52), 2018 (57) und 2017 (55). Und das sind nur jene Feuer, die im Vorfeld bei der Gemeinde angemeldet worden waren. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Vor dem Hintergrund des beschlossenen Klimaschutzkonzeptes samt Klimaschutzmanager werden fortan in Heek strengere Maßstäbe in Sachen Osterfeuer angesetzt. „Zu viele Osterfeuer sind in Zeiten des Klimawandels kein so gutes Zeichen“, machte Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss deutlich.

Das OVG-Urteil ist eindeutig

Aber was heißt jetzt strengere Maßstäbe? Ein Blick in das Urteil des OVG bringt etwas Licht ins Dunkle. Dort heißt es, dass Osterfeuer der Brauchtumspflege dienen, wenn: „das Feuer von einer in der Ortsgemeinschaft verankerten Glaubensgemeinschaft, Organisation oder einem Verein ausgerichtet wird und im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung für jedermann zugänglich gemacht wird.“

Etwas, das im Ortsteil Heek auf das vom Heimat- und Schützenverein St. Ludgerus organisierte Osterfeuer zutrifft. Und im Ortsteil Nienborg auf das vom Allgemeinen Bürgerschützenverein organisierte Feuer auf dem Festplatz. Dort wird das Feuer seit 2019 als symbolischer Akt in einer Feuerschale entfacht.

Nabu fordert drastische Reduzierung

Private Osterfeuer hingegen, von denen es in Heek bis jetzt jede Menge gab, erfüllen die von den OVG-Richtern eingeforderten Aspekte der Brauchtumspflege nicht. Darum sollten diese auch nicht mehr genehmigt werden. Auch der Naturschutzbund (NABU) Borken mischt in der Angelegenheit mittlerweile mit und fordert eine drastische Reduzierung zum Schutz von Mensch, Tier und Natur.

Bevor der Aufschrei groß ist: Bis jetzt ist die Heeker Verwaltung mit dem Thema nicht sehr streng umgegangen, hat die Regeln des Brauchtums locker ausgelegt. Das Urteil des OVG und das Klimaschutzkonzept haben jetzt jedoch zu einem Umdenken geführt. Das Ordnungsamt wird sich nun also wieder enger an der dazugehörigen ordnungsbehördlichen Verordnung orientieren.

Osterfeuer müssen öffentlich zugänglich sein

Heißt: Osterfeuer sind nur noch erlaubt, wenn sie öffentlich und alle Auflagen der ordnungsbehördlichen Verordnung erfüllt sind. Mal eben im Garten ein Osterfeuer für einen begrenzten Personenkreis zu entfachen, ist nicht mehr gestattet. Im Übrigen muss das Brauchtumsfeuer spätestens 14 Tage vor der Durchführung bei der Gemeinde inklusive aller notwendigen Angaben angezeigt werden.

Ein „Grenzbereich“ sind nach aktuellem Stand sogenannte „Nachbarschaftsfeuer“, die gerade in den Außenbereichen seit Jahren als Traditionsveranstaltung durchgeführt werden. Laut Ordnungsamt sind diese zulässig, solange jeder daran teilnehmen kann. Bleiben die Fragen, wer das Feuer anmeldet, sich als Verantwortlicher ausgibt und die Vorkehrungen zu Gefahrenabwehr trifft.

Wird es Kontrollen geben?

„Für uns ist generell die Frage, wie restriktiv wir jetzt mit der Thematik umgehen“, so Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Nachfrage. Kontrollen, ja oder nein? Und wenn ja, in welchem Umfang? Das seien nur zwei der Fragen. „Es gibt ja auch noch genug Alternativen bei uns“, macht der Bürgermeister deutlich. „Die Tradition kann ja weiterleben.“

Davon abgesehen steht die Sache mit den Osterfeuern in diesem Jahr wegen der Pandemie ohnehin auf der Kippe. Die Tendenz gehe Richtung „Nein“, wie der Bürgermeister sagt. „Ich sehe das bei den aktuellen Zahlen kritisch.“ Eine Entscheidung ist allerdings (Stand 10. März) noch nicht gefallen. Anfang kommender Woche soll das geschehen.

Auch damit die Bürger wissen, ob sie ihren Schlagabraum für ein mögliches Osterfeuer aufheben oder besser vorher verbrennen. Denn das Verbrennen von Schlagabraum ist in Heek nur noch bis zum 20. März gestattet. Auch das muss der Ordnungsbehörde mindestens drei Werktage vor dem vorgesehenen Termin schriftlich mitgeteilt werden. Per E-Mail an buergerbuero@heek.de oder über das Formular auf der Internetseite der Gemeinde (www.heek.de).

Regeln fürs Osterfeuer:

  • Es dürfen nur unbehandeltes Holz, Baum- und Strauchschnitt sowie sonstige Pflanzenreste verbrannt werden.
  • Das Verbrennen von beschichtetem/behandeltem Holz (z.B. Paletten) und sonstigen Abfällen (z.B. Altreifen) ist verboten.
  • Andere Stoffe, insbesondere Mineralöle, Mineralölprodukte oder andere Abfälle, dürfen weder zum Anzünden noch zur Unterhaltung genutzt werden.
  • Das Brennmaterial darf erst unmittelbar vor dem Verbrennen zu einem Haufen zusammengebracht werden.
  • Bereits aufgeschichtete Haufen sind zum Schutz der Kleintiere am Tag des Verbrennens umzuschichten.
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