Streit um undichtes Wehr: Drohungen, Unklarheiten und verhärtete Fronten

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Das undichte Wehr in Nienborg sorgt schon seit geraumer Zeit für Ärger zwischen dem Angelsportverein und der Eigentümerfamilie Brüggemann. Doch jetzt droht der Konflikt aus dem Ruder zu laufen.

Heek

, 10.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Wasserpegel der Dinkel ist (zu) niedrig. Das sieht man vor dem Wehr in Nienborg und am Überlauf auf den ersten Blick. Geschätzt 50 Zentimeter fehlen derzeit. Die heißen Sommertage verschärfen die Situation zusätzlich. Genau das ruft den Angelsportverein Nienborg auf den Plan. Der Vorstand warnt vor den daraus resultierenden ökologischen Schäden und hat einen Mitschuldigen der Misere längst ausgemacht.

Die Wassermühle samt Wehr ist ein beliebtes Ausflugsziel und im Privatbesitz der Familie Brüggemann. „Und die kümmert sich einfach nicht darum, dass die Schäden mal dauerhaft behoben werden“, sagt Christian Schubert, Vorsitzender des ASV. Bislang sind, das ist unstrittig, lediglich notdürftige Reparaturarbeiten am Wehr erfolgt. Dabei stellte die Familie Brüggemann Stroh zur Verfügung und Mitarbeiter der Gemeinde flickten einige Löcher.

Löcher flicken hilft nicht wirklich

Der Erfolg der Aktion ist überschaubar. Das Wasser strömt weiterhin durchs Wehr in die Unterdinkel. Etwas, das laut Dorothee Brüggemann auch notwendig sei. „Sonst würde da ja alles trocken fallen.“ Konter Christian Schubert: „Das Wehr muss komplett dicht sein und das Wasser nur über den Überlauf abfließen.“ Dieser liegt nur eine Flusskrümmung vor dem Wehr.

Die Sandbank (hinten links) vor dem Wehr dürfte laut ASV gar nicht zu sehen. Es zeigt, wie niedrig der Wasserstand in der Dinkel derzeit ist.

Die Sandbank (hinten links) vor dem Wehr dürfte laut ASV gar nicht zu sehen sein. Es zeige, wie niedrig der Wasserstand in der Dinkel derzeit sei. © Till Goerke

Die Fronten sind verhärtet. Hinzu kommen unterschiedliche Auffassungen der Verantwortlichkeit in Sachen Reparatur. „Dafür ist die Familie Brüggemann als Eigentümer zuständig. Es kann doch nicht sein, dass die Gemeinde da einspringen muss“, so der ASV-Vorsitzende. „Wir als Verein werden jedenfalls nicht dabei helfen, der Zug ist abgefahren.“

Parteien standen sich vor Gericht gegenüber

Hintergrund: Bereits 2012 lagen sich die Parteien vor dem Landgericht Münster in den Haaren. Auch damals ging es um das Wehr und ein Fischsterben. Letztlich einigte man sich auf einen Vergleich. Und doch konnten damit beide Seiten offenkundig nicht gut leben.

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„Wir sind zwar gut versichert, aber das war schon eine Menge unnötiger Ärger“, sagt beispielsweise Dorothee Brüggemann. Christian Schubert hält dagegen: „Noch mal geben wir uns nicht mit einem Vergleich zufrieden.“

Es existiert ein Vertrag über das Wehr

Und schon steht ein erneuter Rechtsstreit im Raum. „Wenn jetzt nicht zeitnah was passiert, ziehen wir wieder vor Gericht“, stellt Schubert klar. Ob das eine schnelle Lösung mit sich bringen würde, steht derweil auf einem anderem Blatt. Fakt ist: Die Sache mit dem Wehr ist kompliziert. Das hat auch mit einem schon seit viele Jahre gültigen Vertrag zwischen Gemeinde und Familie Brüggemann zu tun.

Der Überlauf liegt kurz vor der Wehranlage. Normalerweise, so der ASV, müsste der Wasserpegel auf Höhe der oberen Steinkante sein.

Der Überlauf liegt kurz vor der Wehranlage. Normalerweise, so der ASV, müsste der Wasserpegel auf Höhe der oberen Steinkante sein. © Till Goerke

Dass es diesen schriftlich fixierten Vertrag gibt, bestätigt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf Nachfrage. Darin sei geregelt, dass die Gemeinde die Hoheit über den Betrieb des Wehres habe, sprich das Öffnen oder Schließen. Für die Instandsetzung des Wehres sei aber der Eigentümer, die Familie Brüggemann zuständig.

Was steht wirklich in dem Vertrag?

„Nein, wir dürfen laut Vertrag nichts am Wehr machen“, sieht Dorothee Brüggemann die Gemengelage anders. Und sie betont: „Wir haben in den Vergangenheit viel Geld in die Automatik des Wehres investiert.“ Auch die derzeit noch gesperrte und sanierungsbedürftige Brücke vor dem Wehr werde noch im August saniert. „Wir nehmen Geld in die Hand und tun was wir können und dürfen.“

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Dinge, die den Angelverein nicht interessieren. Zumindest solange nicht, wie das Wasser weiter durchs Wehr abläuft. „Die Versandung der Dinkel ist das eine Problem. Das andere ist das undichte Wehr“, stellt Christian Schubert klar. Fehlender Niederschlag und hohe Temperaturen gäben der Dinkel dann den Rest.

Dem ASV geht es auch um Geld

„Der Sauerstoffgehalt sinkt und Kormoran und Fischreiher haben leichtes Spiel, die Fische zu ergattern“, so der Schubert. Ganz davon ab, dass die Fische bald ohnehin tot an der Oberfläche treiben würden, wenn nichts passiere. „Der Lebensraum wird zerstört, auch im Uferbereich.“

Auch die Uferböschung ist von der Wasserknappheit betroffen. Das ist offensichtlich. Doch eine Lösung liegt in weiter Ferne.

Auch die Uferböschung ist von der Wasserknappheit betroffen. Das ist offensichtlich. Doch eine Lösung liegt in weiter Ferne. © Till Goerke

Dass es dem ASV dabei auch um Geld geht, liegt bei allem ökologischen Interesse auf der Hand. Erst im Frühjahr setzte der Verein 750 Kilogramm neuen Fischbesatz in die Dinkel. Rund 3000 Euro kosten den ASV diese Maßnahmen im Jahr. Für einen kleinen Verein sei das eine Menge Geld, wie der Vorsitzende betont. „Und wer ersetzt uns und der Natur den drohende Schaden?“, fragt er ratlos.

Eine Lösung scheint in weiter Ferne

Eine Lösung scheint derzeit jedenfalls in weiter Ferne. Dass die Gemeinde ein grundsätzliches Interesse an der Wehranlage in Form von Kauf oder Pacht habe, bestätigt der Bürgermeister. Doch Gespräche diesbezüglich habe es noch nicht gegeben, wie Dorothee Brüggemann sagt.

Unzufrieden mit der Situation um das Wehr an der alten Wassermühle ist der Vorstand des Nienborger Angelvereins (v.l.): Rainer Borgert (Gewässerwart), Klaus Holtkamp (zweiter Vorsitzender), Christian Schubert (Vorsitzender), Michael Freitag (Beisitzer).

Unzufrieden mit der Situation um das Wehr an der alten Wassermühle ist der Vorstand des Nienborger Angelvereins (v.l.): Rainer Borgert (Gewässerwart), Klaus Holtkamp (zweiter Vorsitzender), Christian Schubert (Vorsitzender), Michael Freitag (Beisitzer). © Bastian Becker

Viel wichtiger sei ihr ein runder Tisch – nach der Kommunalwahl. „Vorher hat da sowieso niemand einen Kopf für“, sagt sie. „Mir ist auch egal, wer danach Bürgermeister ist. Wichtig ist, dass man Hand in Hand arbeitet.“ Auch Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff hält einen runden Tisch nach der Wahl für einen guten Weg.

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Die Frage ist nur, ob der Angelverein solange juristisch die Füße stillhält und die Fische die erschwerten Bedingungen in der Dinkel überhaupt überleben. Denn ergiebiger Regen ist erst mal nicht angekündigt. Dafür hochsommerliche Temperaturen.

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