Nina (36) und Matthias Pieper (38) haben ihr Traumhaus gebaut. Mit der Heeker Gemeindeverwaltung hatten sie in den letzten Jahren allerdings viel Ärger. © Victoria Garwer
Eigenheim

Stinksauer auf die Verwaltung: „Wir würden nie wieder in Heek bauen“

Zehn Jahre hat es gedauert, bis Nina und Matthias Pieper in Heek endlich ein Baugrundstück gefunden haben. Jetzt kam die nächste schlechte Nachricht von der Gemeindeverwaltung.

Eigentlich haben es Nina und Matthias Pieper ganz schön in ihrem Eigenheim am Leuskesweg. Die Nachbarn sind nett, das Grundstück ist groß, das Landhaus entspricht ganz den Wünschen des Ehepaares. Doch der Weg dahin hatte es in sich und jetzt gibt es neuen Ärger mit der Gemeindeverwaltung. „Wir sind stinksauer. Man wird richtig vorgeführt“, sagt Matthias Pieper.

Die Geschichte beginnt vor 17 Jahren. Im Januar 2004 ließ sich Matthias Pieper auf die Interessentenliste für Baugrundstücke bei der Gemeinde Heek eintragen. Die Gemeinde habe ihm damals auch Hoffnung gemacht. „Zu dem Zeitpunkt gab es gerade keine Grundstücke, aber es hieß, man arbeite an einem Neubaugebiet und da würde bald was kommen.“

Nina und Matthias Pieper haben sich am Leuskesweg ihr Traumhaus gebaut. Trotzdem würden sie das in Heek nicht noch einmal wiederholen wollen.
Nina und Matthias Pieper haben sich am Leuskesweg ihr Traumhaus gebaut. Trotzdem würden sie das in Heek nicht noch einmal wiederholen wollen. © Markus Gehring © Markus Gehring

Matthias und Nina Pieper sehen sich in den folgenden Jahren trotzdem nach anderen Möglichkeiten um – auch in umliegenden Städten. „Wir haben uns viele Häuser und Grundstücke angesehen, aber es war nicht das richtige dabei“, erzählt Nina Pieper. Außerdem haben sie ja immer auf das Neubaugebiet in Heek gehofft.

Grundstück am Leuskesweg von Privatperson verkauft

Doch die Jahre vergingen und das Neubaugebiet ließ weiter auf sich warten. „Wir wurden hingehalten. Immer wieder wurden wir vertröstet und es ist einfach nichts passiert“, sagt Matthias Pieper. Durch Zufall wurde das Ehepaar Ende 2014 auf ein Grundstück am Leuskesweg aufmerksam, das von einer Privatperson zum Verkauf angeboten wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren der Ahler und die Alstätterin schon zehn Jahre lang auf der Suche.

„Wir haben dann innerhalb eines Wochenendes den Entschluss gefasst, zu kaufen. Bevor es uns wieder jemand wegschnappt“, berichtet der 38-Jährige. Einige Wochen später kam Post von der Gemeinde. Die Vermarktung des Baugebietes Strothbach begann. „Da haben wir uns ein bisschen verarscht gefühlt. Aber im Nachhinein sind wir ganz froh, dass es so gekommen ist“, sagt Matthias Pieper.

Das Grundstück am Leuskesweg liegt nämlich relativ im Grünen, die Nachbarn haben das Ehepaar gut aufgenommen und es gibt keinen Bebauungsplan, der eine konkrete Art der Bebauung vorschreibt. Matthias und Nina Pieper bauten ihr Traumhaus und zogen 2017 ein.

Straßenendausbau kam früher als gedacht

Eigentlich wollten sie damit den Ärger mit der Gemeinde abhaken. Doch im September 2020 flatterte Post von der Verwaltung ins Haus. Die Anwohner des Leuskesweges wurden zu einer Versammlung eingeladen. Es ging um den Straßenendausbau. „Wir waren alle erst einmal total erschrocken und überrascht. Das will doch eigentlich keiner und die Straße ist in einem guten Zustand“, sagt Nina Pieper.

Der Endausbau des Leuskesweg ist beschlossene Sache. Offen ist die Art der Abrechnung.
Der Endausbau des Leuskesweg ist beschlossene Sache. Offen ist die Art der Abrechnung. © Till Goerke © Till Goerke

Dem Ehepaar war natürlich beim Kauf des Grundstückes klar, dass der Straßenausbau irgendwann kommt. „Aber bei der Gemeinde sagte man uns, der komme erst, wenn die Anwohner das wünschen. Das haben wir nur leider nicht schriftlich“, sagt Nina Pieper. Neben dem Zeitpunkt – direkt nach der Wahl – stört die beiden noch etwas: „Die Gemeinde hat sich überhaupt nicht für uns eingesetzt. Die haben das einfach beschlossen, ohne uns zu fragen“, sagt Matthias Pieper.

Das bestätigt Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff in Teilen. Der Rat habe die Verwaltung damit beauftragt, den Ausbau des Leuskesweges anzugehen. Die Anwohner wurden eingeladen, als es bereits erste Pläne gab. „Aber wir haben sie sehr früh ins Boot geholt. Es ist sonst nicht üblich, dass die Anwohner die Pläne sehen, bevor der Ausschuss sich damit beschäftigt“, sagt der Bürgermeister. Wenn es bei dem ersten Treffen keine Pläne gegeben hätte, hätte es auch daran Kritik gegeben, glaubt er. Außerdem können die Anwohner bei der konkreten Gestaltung der Straße natürlich mitreden.

Anlieger müssen 90 Prozent der Kosten tragen

Dass Anlieger gegen den Straßenausbau protestieren, sei normal. Schließlich müssen sie dafür meist tief in die Tasche greifen. Am Leuskesweg müssen sie 90 Prozent der Gesamtkosten tragen. „Daran kann ich auch nichts ändern. Das sind gesetzliche Vorgaben“, sagt Franz-Josef Weilinghoff.

Denn auch wenn der Leuskesweg schon älter sei, sei er noch nie offiziell endausgebaut worden. Noch nie mussten Anwohner dafür zahlen, so der Bürgermeister. Deswegen handelt es sich offiziell um einen Straßenendausbau. Wenn die Straße schon einmal ausgebaut worden wäre, wäre es für die Anwohner deutlich günstiger geworden. Auf diese Möglichkeit oder darauf, dass die Straße als Zubringerstraße eingestuft wird, hatte das Ehepaar Pieper gehofft. „Wenn die Gemeinde das gewollt hätte, hätten die das auch durchgekriegt“, meint Matthias Pieper.

Bürgermeister weist Kritik zurück

Franz-Josef Weilinghoff sieht das anders: „Wenn ich mich hier auf die Seite der Anwohner des Leuskesweges stelle, stelle ich mich gleichzeitig gegen alle anderen Bürger.“ Schließlich müsse die Straße so oder so bezahlt werden. Wenn die Anlieger weniger zahlen, zahle die Allgemeinheit mehr.

Auch um Fördergelder habe sich die Gemeinde explizit bemüht. Den Zeitpunkt habe die Politik so beschlossen, damit die Bauarbeiten in einem Zuge mit dem Straßenausbau des angrenzenden Baugebietes Strothbach erledigt werden können. Dadurch werde es für die Anwohner sogar günstiger, sagt der Bürgermeister.

Matthias und Nina Pieper hoffen dennoch, dass sie den Ausbau noch ein paar Jahre in die Zukunft schieben können. Eines steht für sie auf jeden Fall fest: „Wir würden nie wieder in Heek bauen. Nicht wegen des Ortes oder wegen der Menschen, sondern alleine wegen der Verwaltung.“

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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