Sebastian (l.) und Paul haben – mit etwas Unterstützung der Erwachsenen – eine kreative Lösung für die Stallpflicht gefunden. Im Hintergrund erkennt man den vorderen Teil des "Wintergartens". © Johannes Schmittmann
Geflügelpest

Stallpflicht wegen Geflügelpest: „Wintergarten“ für Hühnermobil gebaut

Seit dem Wochenende gilt auch im Kreis Borken wegen der Geflügelpest die Stallpflicht für Hühner. Die Familie Niehues, die ein Hühnermobil betreibt, hat eine kreative Lösung gefunden.

Hühner gibt es auf dem Hof Niehues schon seit längerer Zeit. Sie sind eine Art Hobby der Ahler Familie. Als während der Corona-Pandemie andere Aktivitäten wegfielen, beschloss man gemeinsam, ein Hühnermobil auf dem Hof zu errichten. Anfang des Jahres konnte das Projekt abgeschlossen werden (wir berichteten). Seitdem kümmern sich vor allem der zwölfjährige Paul Niehues und sein Kumpel Sebastian um die rund 140 Hühner.

Schon früh war allerdings klar, dass eine andere Viruserkrankung, die sogenannte Geflügelpest, noch zum Problem werden könnte. In der vergangenen Woche Freitag, 26. März, kam dann die Nachricht: „Zur Vermeidung der Geflügelpest ordnet der Kreis Borken nun die Stallpflicht für Geflügel im gesamten Kreisgebiet an. Zudem sind Ausstellungen, Börsen, Märkte sowie Veranstaltungen ähnlicher Art, bei denen Geflügel verkauft, gehandelt, zur Schau gestellt werden oder zusammenkommen, verboten.“ So soll die Übertragung des Virus eingedämmt werden.

Stallpflicht keine Überraschung

Überraschend kam die Nachricht für die Familie Niehues nicht. „Wir hatten schon ein bisschen damit gerechnet. In den vergangenen Jahren gab es ja immer wieder Ärger damit“, sagt Andre Niehues, der Vater von Paul. Bisher ist es eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bisher (Stand 30. März) ist im Kreis Borken kein einziger Fall aufgetreten. In Detmold und Münster sieht das allerdings anders aus, weshalb das Land NRW reagierte.

Ein Großteil der Hühner nutzt den Auslauf unter dem Mobil und auch der Hahn fühlt sich hier wohl.
Ein Großteil der Hühner nutzt den Auslauf unter dem Mobil und auch der Hahn fühlt sich hier wohl. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Reagiert hat auch die Familie Niehues. Und zwar schon beim Bau des Hühnermobils. Paul Niehues erklärt: „Wir haben extra vorgesorgt und schon einmal das Grundgerüst für eine Art Wintergarten erstellt.“ Die 140 Hühner können sich zwar nicht mehr auf der großen Wiese frei bewegen, müssen aber auch nicht den ganzen Tag dicht an dicht im Stall hocken.

Der Bereich unter dem Hühnermobil dient nun als Auslauffläche. Hier gibt es für die Hühner außerdem einen Pickstein und eine Menge Heu. Paul Niehues sagt: „Man sieht, dass sie sich wohl fühlen. Fast alle Hühner gehen tagsüber an die frische Luft.“ Am Wochenende legten die Hobby-Bastler noch einmal Hand an. Die Treppe zum „Wintergarten“ musste noch verkleidet werden, auch an anderer Stelle braucht es noch Feinschliff.

Gefahr geht vor allem von Zugvögeln aus

Obwohl nun alles den Auflagen entspricht und auch die Tiere mit der Lösung zufrieden scheinen, hofft man auf dem Ahler Hof, dass die vom Kreis verhängten Maßnahmen schnell wieder zurückgenommen werden. „Die Gefahr geht ja vor allem vom Kot der Zugvögel aus. Und die fliegen ja jetzt kaum noch“, erklärt Andre Niehues.

Keine Auswirkungen hat die Geflügelpest übrigens auf den Eier-Verkauf, den die Familie seit einigen Wochen anbietet. Nicht nur die Ahler und Heeker bedienen sich fleißig in der eigenes dafür gebauten Hütte. „Aus Ahaus, Vreden und selbst Recklinghausen kommen hier regelmäßig Menschen vorbei, die frische Eier kaufen wollen. Das ist wirklich unglaublich“, sagt Birgit Niehues und kündigt an: „Wenn das Angebot weiter so gut angenommen wird, bauen wir vielleicht ein zweites Hühnermobil.“ Ein „Wintergarten“ ist dann aber hoffentlich nicht mehr nötig.

Info: Die Eier gibt es an der Selbstbedienungs-Hütte der Familie Niehues, Ahle 165, zu kaufen. Stück 40 Cent. Aktuell gibt es auch gefärbte Ostereier.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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