Unter anderem mit einem nicht näher definierten Messer soll der Nienborger im November 2019 auf sein Opfer losgegangen sein (Symbolbild). © picture alliance / empics
Gerichtsverfahren

Polizeibekannter Nienborger hat kein Geld für Berufungs-Anwalt

Ein polizeibekannter Nienborger legte gegen seine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung Berufung ein. Den dafür notwendigen Anwalt konnte er sich offenkundig nicht leisten.

Es gibt Sachen, die kommen völlig überraschend und wirken zugleich grotesk. Genau so etwas ist am Mittwoch (16. Dezember) am Landgericht Münster passiert. Hauptfigur im gleich doppelten Sinne war ein polizeibekannter Nienborger (41), der am 15. November 2019 im Ortsteil regelrecht ausgerastet ist.

Sachbeschädigung, Beleidigung und Verfolgungsjagd mit brutaler Prügelei samt Messereinsatz – diese Szenen stammen aus keinem Actionfilm, sondern haben sich am 15. November 2019 ab 20.15 Uhr in Nienborg abgespielt. Verantwortlich dafür war nach Ansicht des Amtsgericht Ahaus der 41-jährige Nienborger, der bereits mehrfach und wegen verschiedener Delikte vorbestraft ist.

Wiedersehen vor dem Landgericht

Doch der 41-Jährige sah die Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe nicht ein. Er wählte den Weg des Berufungsverfahrens. Und so sahen sich der Nienborger und sein Opfer, das seinerzeit blutende Wunden davontrug, samt Ehefrau vor dem Landgericht Münster wieder. Und dort kam es zu einer Überraschung.

Denn der Nienborger nahm alleine auf der Anklagebank in Saal A06 Platz. Die Hände vor der Brust und auf den Tisch abgestützt ging er in Verhandlung. Theoretisch wäre das auch möglich gewesen, doch da der Geschädigte samt Rechtsbeistand als Nebenkläger vom Gericht zugelassen wurde, sah die Sache anderes aus.

Ohne Verteidiger geht es nicht

In diesem Fall, so erklärte es der Vorsitzende Richter, läge ein notwendiger Fall der Verteidigung vor. Die Erklärung: Wird dem Angeklagten etwa gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt und schließt sich das Tatopfer dem Verfahren als Nebenkläger an und bedient sich auf eigene Kosten eines anwaltlichen Beistandes, dann muss auch dem Angeklagten ein Anwalt zur Seite gestellt werden. Einfach, um ein prozessuales Ungleichgewicht zu verhindern.

Grotesk wurde es, als der Nienborger erklärte, warum er denn ohne Rechtsbeistand erschienen war. „Ja, da gab es ein zeitliches und finanzielles Problem.“ Er habe den Anwalt wegen finanzieller Engpässe wechseln müssen. Kurzfristig. Daher habe das Gericht, so der Richter, die Akten des Falls zur Einsicht allerdings nicht mehr verschicken können.

Neuer Termin erst 2021

Warum der neu ausgewählte Anwalt das nicht am Verhandlungstag vor Ort im Gericht tat und zugleich der Verhandlung fernblieb, konnte nicht geklärt werden. „Es ist immer wieder eine Wundertüte hier“, so der Richter, „wir können hier heute nichts machen. Wir brauchen einen neuen Termin.“ Der soll im März oder April 2021 anberaumt werden.

Dem ungeachtet gab der Richter dem Nienborger noch etwas mit auf den Weg: „Es ist Ihr gutes Recht, Berufung einzulegen. Aber es müsste schon ein verdammt großer Zufall sein, wenn zur Tatzeit noch eine weitere Person mit exakt der gleichen Kleidung und den gleichen auffälligen Zähnen (zitiert aus der Akte – d. Red.) vor Ort war.“

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