800 bis 1000 Tonnen Klärschlamm werden pro Jahr im Klärwerk in Wichum produziert. © Sarah Vortkamp
Recycling

Nutzen für alle Heeker: Gemeinde will Klärschlamm verwerten

Klärschlamm wird in der Regel entsorgt, sprich verbrannt. Das kostet Geld. Die Gemeinde Heek will den Spieß umdrehen und den bisherigen Abfall verwerten. Das soll zum Nutzen aller Heeker sein.

Rund zwei Jahre liefen die Planungen unter dem Radar. Jetzt geht die Verwaltung in die Offensive und berichtet über ein Projekt, das im Gewerbegebiet Heek-West entstehen soll – wenn alles nach Plan läuft. Am äußersten Rand des Areals ist der Bau einer sogenannten Klärschlamm-Verwertungsanlage (KVA) geplant. Eine Anlage, die auch Vorteile für jeden Heeker mit sich bringen soll.

Es ist so einfach: Toilettenspülung betätigen und alles ist mit einem Schwung Wasser verschwunden. Was auch immer abgespült wurde, es kommt im Klärwerk in Wichum an. Dort wird das Abwasser der Dinkelgemeinde gereinigt und aufbereitet. Zurück bleibt sogenannter Klärschlamm.

Abfall soll verwertet werden

Eine Masse, für dessen Entsorgung die Gemeinde jedes Jahr eine Stange Geld in die Hand nehmen muss. Pro Tonne Klärschlammentsorgung werden je nach ausgehandeltem Vertrag 60 bis 100 Euro fällig. Zwischen 800 und 1000 Tonnen fallen pro Jahr im Klärwerk in Wichum an. Bald soll dieser Abfall verwertet statt entsorgt werden.

Anlage könnte 2022 im Vollbetrieb sein

Genau dafür ist die geplante KVA im Gewerbegebiet Heek-West vorgesehen. Irgendwo im Außenbereich ist der Bau nicht möglich. Planungsrechtlich muss es ein Standort in einem Gewerbe- oder Industriegebiet sein. Verantwortlich für Realisierung und Betrieb wird die Projektgesellschaft für Energiegewinnung und Materialrecycling (GEM) aus Rinteln sein. Über Kosten und das Finanzierungskonzept werden zum derzeitigen Planungsstand noch keine Angaben gemacht.

Im eingezeichneten Bereich im äußersten Bereich des Gewerbegebiet Heek -West soll die KVA laut Planung gebaut werden.
Im eingezeichneten Bereich im äußersten Bereich des Gewerbegebiet Heek -West soll die KVA laut Planung gebaut werden. © Gemeinde Heek © Gemeinde Heek

Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff sieht davon unabhängig in der geplanten Anlage großes Potenzial – für die Umwelt, unter anderem in Form von C02-Reduzierung sowie Rohstoffrückgewinnung, die Gemeindekasse und den Geldbeutel eines jeden Heekers.

Für die Gemeinde soll neben dem Verkauf des Grundstücks, Gewerbesteuer und der Schaffung von Arbeitsplätzen vor allem eines herausspringen: eine auf Dauer kostenlose Entsorgung des eigenen Klärschlamms. Ein hoher fünfstelliger Betrag könnte so im Jahr eingespart werden.

Und was ist der Vorteil für die Bürger? „Mit der Anlage wollen wir dafür Sorge tragen, dass sich die Abwassergebühren in den kommenden Jahren nicht erhöhen werden“, stellt der Bürgermeister klar. Diese betragen aktuell je Kubikmeter 2,79 Euro. Eine Konservierung der Gebühren sei keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Mit Blick auf den Verwertungsstart berichtet Hans-Werner Bieder, geschäftsführender GEM-Gesellschafter, im Gespräch: „Bei einem optimalen Verlauf könnte die Anlage im dritten oder vierten Quartal 2022 im Vollbetrieb sein.“ Doch bis dahin gilt es noch einige Hürden zu nehmen. Allen voran ist die Genehmigung durch die Bezirksregierung Münster notwendig. Diese erfolgt nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.

KVA wurde in den Ausschüssen beraten

„Hier passiert nichts, von dem wir nichts wissen. Es ist ein strenges Genehmigungsverfahren. Und eine Genehmigung kann auch wieder entzogen werden“, stellt der Bürgermeister klar. Abgesehen davon muss auch erst noch der Rat grünes Licht geben. In den entsprechenden Ausschüssen war die KAV schon Thema in den nicht öffentlichen Sitzungsteilen.

Doch was verbirgt sich hinter der Technik? Die Kurzversion: Aus entwässertem Klärschlamm werden über mehrere Produktionsstufen Wertstoffe gewonnen, die produktionskettenübergreifend weiterverarbeitet werden können – so zum Beispiel Phosphor. Das chemische Element kommt zwar relativ häufig auf der Erde vor, doch die Ressource ist endlich. Der Verkauf der zurückgewonnenen Rohstoffe liegt in der Hand von GEM. Die Anlage sei, so Bieder, mit Blick auf den Strombedarf zudem autark.

3000 Quadratmeter großes Areal

Der Verwertungsprozess auf der 3000 Quadratmeter großen Anlage soll unterirdisch ablaufen. Lkw liefern den Klärschlamm an und kippen diesen in einen Annahmebunker ab, der sich in einer Halle befindet. Der Bunker selbst soll laut GEM aus Gründen der Immissionsreduzierung mit einem hydraulischen Deckel stets verschlossen sein.

Nur für die Minuten der Anlieferung ist angedacht, diesen zu öffnen. Die Geruchsbelästigung sei so laut Hans-Werner Bieder auf ein Minium reduziert. Zudem läge die KVA nach Realisierung gut ein Kilometer Luftlinie von der Bebauung entfernt.

Ein Vakuumtrocker: Eine wichtige Komponente der Klärschlammverwertung.
Ein Vakuumtrocker: Eine wichtige Komponente der Klärschlammverwertung. © GEM © GEM

Bei den Vorteilen der KVA gehört aber auch die Tatsache dazu, dass die GEM eine Vollauslastung der Anlage, also 17.000 Tonnen Klärschlammverarbeitung pro Jahr, anstrebt. Somit ist klar, dass 16.000 Tonnen von außerhalb der Gemeinde hinzugeführt werden müssen.

Kondensat als Rest am Ende der Verwertung

Das soll laut Hans-Werner Bieder über einen externen Dienstleister laufen. Er rechnet durchschnittlich mit vier Lkw-Anlieferungen pro Tag. Woher der Klärschlamm komme, könne er nicht sagen. Aber: „Es wäre natürlich wünschenswert, wenn sich Nachbarkommunen oder welche aus der Region bei uns melden würden. So könnten die Transportwege kurz gehalten werden.“

Übrigens bleibt trotz aller Innovation am Ende des Verwertungsprozesses doch noch etwas übrig: Kondensat. Dieses soll laut Planung wieder dem Klärwerk in Wichum zugeführt werden.

So funktioniert das Klärwerk:

  • Zunächst werden alle Schmutzteile, die größer als vier Millimeter sind, aus dem Abwasser entfernt.
  • Dann entziehen Mikroorganismen dem Abwasser die sauerstoffzehrenden Nährstoffe.
  • In der Nachklärung wird dann das klare Wasser vom Schlamm und Mikroorganismengemisch getrennt und wieder in die Dinkel geleitet.
  • Der Klärschlamm wird wieder dem Klärprozess zugeführt Und/oder aktuell durch externe Dienstleister verbrannt.
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