Paul Niehues (r.) und sein Freund Sebastian sind auf das Huhn gekommen. © Till Goerke
Tierhaltung

Mit Video: Paul Niehues (12) baut wegen Corona mobilen Hühnerstall

Trübsal und Langeweile, weil durch Corona die Freizeitmöglichkeiten arg eingeschränkt sind? Nicht bei Paul Niehues. Zusammen mit seinem Freund hat er ein ganz besonderes Projekt realisiert.

Trübsal blasen wegen Corona? Nicht bei Paul Niehues (12) aus Ahle. Der Zwölfjährige hat die Ärmel hochgekrempelt und sich im ersten Pandemiejahr mit tatkräftiger Unterstützung seines Freundes Sebastian einen lang ersehnten Traum erfüllt. Über Monate haben die Jungs einen mobilen Hühnerstall gebaut. Und in den Genuss der Eier kann jetzt jeder kommen.

Dass es mal 149 Hühner und drei Hähne werden würden, war so eigentlich gar nicht geplant. Auf dem Hof Niehues, der auf Bullen- und Ferkelmast spezialisiert ist, fing das mit dem Federvieh 2019 ganz überschaubar an. Paul und sein Opa bauten einen alten Schuppen zum Hühnerstall um. Geplant waren sieben Hühner. „Doch dann waren es doch direkt zwölf“, erinnert sich der 12-Jährige lachend.

Und weil Paul die Eier voll Eifer unter den Nachbarn und in der Familie verteilte, wurden immer mehr aufmerksam auf die kleine „Produktion“. „Irgendwie waren es plötzlich zu wenig Eier“, blickt Paul Niehues zurück. Und dann kam auch noch Corona. Eine Zeit, in der Freizeitmöglichkeiten rar gesät waren und sind.

Dank des mobilen Hühnerstalls können die Hühner jede Menge Auslauf genießen.
Dank des mobilen Hühnerstalls können die Hühner jede Menge Auslauf genießen. © Till Goerke © Till Goerke

Also fasste der 12-Jährige einen Entschluss: Ein großer und mobiler Hühnerstall Marke Eigenbau muss her. Bauen statt Langeweile hieß das Motto. Sein bester Freund Sebastian war ebenfalls Feuer und Flamme. Da passte es gut, dass die Familie günstig einen alten Lkw-Container sowie einen Strohwagenuntersatz ergattern konnte. „Es war Pauls Geburtstagsgeschenk“, so Mama Birgit Niehues.

Mit alten Rohren, Kurbeln und jeder Menge Technik bauten die beiden Jungs unter Anleitung dann über Monate an ihrem Hühnermobil. Im Dezember 2020 war es geschafft, die Hühner konnten einziehen. Es war zugleich der Beginn der „Hühnererziehung“. Paul erklärt: „Wir mussten die Hühner jeden Abend auf die Stangen setzen, damit sie lernen, wo ihr Schlafplatz ist.“

Die Abläufe haben sich eingespielt

Mittlerweile hat sich längst alles eingespielt. Das Hühnermobil wandert wochenweise auf der Rasenfläche vor dem Hof auf und ab. „Damit die Hühner immer frisches Gras haben“, erklärt Sebastian. Für die notwendige Wasser- und Stromversorgung wurden natürlich entsprechende Leitungen in Eigenregie verlegt.

Paul und Sebastian können jeden Tag rund 140 Eier aus dem mobilen Stall holen.
Paul und Sebastian können jeden Tag rund 140 Eier aus dem mobilen Stall holen. © Till Goerke © Till Goerke

„So viel Arbeit ist das jetzt also gar nicht mehr“, berichtet Paul. Tägliche Kontrolle und das Einsammeln der rund 140 Eier natürlich mal ausgenommen. Das Entmisten sei durch ausgeklügelte Technik mit Kurbel und Förderband in weniger als 30 Minuten erledigt. Und Füttern sowie Wasserauffüllen sei durch die Technik nur etwa zweimal die Woche nötig.

Das Reinigen des mobilen Hühnerstalls ist denkbar einfach: Klappe auf, Kurbel drehen und mittels Förderband wird der Unrat nach draußen befördert.
Das Reinigen des mobilen Hühnerstalls ist denkbar einfach: Klappe auf, Kurbel drehen und mittels Förderband wird der Unrat nach draußen befördert. © Till Goerke © Till Goerke

Dass sich die Hühner wohlfühlen, wird beim Ortstermin schnell deutlich. Sie wuseln über die Wiese, wirken entspannt und lassen sich nicht mal von Hofhündin Nala aus der Ruhe bringen. Und als es frische Möhren gibt, wird das Gegacker richtig laut. „Sie fressen auch gerne Kartoffelschalen“, erklärt Paul.

Hühner haben einen „Wintergarten“

Und für den Fall, dass das Thema Vogelgrippe mal akut werden würde, ist auch schon vorgesorgt. Da die Hühner dann zum Schutz vor einer Infektion nicht mehr im „Freien“ rumlaufen dürften, haben Paul und Sebastian den Tieren einen – wie sie liebevoll sagen – „Wintergarten“ gebaut. Ein überdachter und eingezäunter Bereich am und unter dem Mobil.

Seit Anfang März ist übrigens auch der selbstgebaute Verkaufsstand direkt an der Ammelner Straße (Adresse: Ahle 165) fertig. Seitdem läuft auch der offizielle Verkauf. Auf Vertrauensbasis versteht sich. „Das funktioniert gut“, so Birgit Niehues. Reich werde man damit nicht, aber es bessere das Taschengeld der Jungs etwas auf.

Auch den Verkaufsstand aus Eichenholz an der Ammelner Straße haben Paul und Sebastian unter Anleitung selbst gebaut.
Auch den Verkaufsstand aus Eichenholz an der Ammelner Straße haben Paul und Sebastian unter Anleitung selbst gebaut. Dort kann jeder die täglich frischen Eier kaufen. © Till Goerke © Till Goerke

Davon abgesehen, das wird schnell deutlich, geht es den beiden Freunden auch nicht um das Monetäre. Sie sind einfach Feuer und Flamme für ihr Hühnerprojekt. „Langweilig wird uns jedenfalls nie“, stellen sie klar. Und eine Erweiterung des Projektes sei nicht ausgeschlossen. „Mal sehen, was noch kommt.“

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