Beim Drechseln fliegen die Späne – eine Schutzbrille ist Pflicht. Auch trägt der 17-Jährige sonst eine Maske, um den Staub nicht einzuatmen. © Anne Winter-Weckenbrock
Drechseln

Mit Video: Johannes Lammers (17) ist kreativ an der Drechselbank

Mit Holz arbeitet Johannes Lammers schon, seit er basteln kann. Auf die Säge folgte früh eine Drechselbank. Vom Mini-Kreisel bis zum edlen Kugelschreiber: Der 17-Jährige wagt sich an alles.

Johannes Lammers setzt die Schutzbrille auf, drückt den Knopf der Drechselmaschine – und die eingespannte massive Holzscheibe beginnt rasend schnell zu rotieren. Auf 1250 Umdrehungen hat der 17-Jährige Nienborger sie eingestellt. Er nimmt eines der Eisen von der Wand und setzt es routiniert ans Holz. Aus der Scheibe soll eine Schale werden.

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Die Späne fliegen in alle Richtungen

Die Späne fliegen – mal wild in alle Richtungen, mal eher in eine. Je nachdem, wie Johannes Lammers das Drechseleisen hält. „Das wird der Boden“, erklärt er dem Gast von der Redaktion. Zwei kreisrunde Rillen sind schon zu erkennen. Im weiteren geht es darum, die Scheibe gekonnt auszuhöhlen. „Der Schwerpunkt ist wichtig“, betont der 17-Jährige. Damit die Schale am Ende gut steht und vollendete Rundungen hat, braucht es wohl ein geschultes Auge – und ganz sicher Talent.

Die Späne fliegen , wenn Johannes Lammers das Stecheisen in das schnell rotierende Holzstück hält. Wissen und ein Gefühl dafür sind wichtig, dass am Ende genau die Form entsteht, die der Drechsler aus dem Holz herstellen wollte. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Johannes Lammers hat das Drechseln schon mit 13,5 Jahren für sich entdeckt, wie er im Gespräch mit der Redaktion erzählt. „Ich habe schon immer viel gebastelt und gesägt.“ Dabei hielt er sich nicht lange mit der Laubsäge auf, sondern nutzte gleich das feine Blatt der Dekupiersäge, um Dekoratives aus Holz zu gestalten. „Zu Ostern Hasen, zu Weihnachten Engel oder Weihnachtsbäume“, blickt er zurück.

Dass er geschickt mit der Säge umging, blieb im Umfeld der Familie Lammers nicht unentdeckt. Als er 13,5 Jahre alt war, bekam er eine Drechselmaschine geschenkt. „Ein Bekannter, der Tischlermeister ist, hat mir das gezeigt“, erinnert sich Johannes Lammers an seine ersten Versuche, Rundungen ins Holz zu bekommen.

Johannes Lammers ist kreativ an der Drechselbank

Eine Drechselmaschine zu handeln, ist so einfach nicht: Durch die Rotation ist viel Kraft im Spiel. Am Anfang war immer einer der Eltern dabei, sicherheitshalber. Doch Johannes lernte schnell die Standardgriffe. „Üben, dann kriegt man es besser hin“, verrät er die einfache Formel. Knüppel in Wellenform waren die ersten Produkte, dann fertigte Johannes Lammers an der Drechselbank Flaschenöffner aus Holz.

„Ich habe mir immer Ziele gesetzt“, beschreibt er seinen Ehrgeiz, Neues auszuprobieren. Als er seine Ausstattung um ein Backenfutter (zum Einspannen) erweitern konnte, ging es ans Aushöhlen: „Dann wurde mir gezeigt, wie man Schalen macht.“ Kurz darauf gelang ihm eine Form, auf die er stolz war und Motivation für mehr gab: ein gefangener Ring.

Ein Stück, auf das Johannes Lammers stolz ist: Eine Figur mit einem „gefangenen Ring“, der frei schwebt, aber dennoch gefangen ist. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Es ist ein Holzstab mit abgerundeten Elementen an der Seite, in der Mitte ein fester Ring und auf der einen Seite bewegt sich ein weiterer Ring zwischen dem festen Ring und dem Fuß. Filigrane Arbeit aus einem Stück an der Drechselbank. Im Lauf der Jahre entwickelte Johannes Lammers seine Fertigkeiten weiter.

Holz ist sein Ding: Johannes Lammers ist Tischler-Azubi

Der 17-Jährige hat gern mit Holz zu tun. Auch beruflich: Bei einem Nienborger Unternehmen ist er im zweiten Ausbildungsjahr zum Tischler. Und nach Feierabend geht es dann oft für ihn in der Garage weiter, wo Dekupiersäge, Stichsäge, Drechselbank, Holz in verschiedenen Formen und Farben versammelt sind. Beim Besuch der Redaktion verzichtet er auf Musik, „aber die ist sonst an, und laut“, sagt er.

Er ist mit 17 Jahren eigentlich immer der Jüngste, wenn irgendwo Drechsler zusammenkommen. Und er war auch der einzige, der vor zwei Jahren beim Abschlussball der Realschule in Ahaus eine Fliege aus Olivenholz trug. Selbst gedrechselt selbstverständlich. Darauf haben ihn viele angesprochen. Zu viel Aufmerksamkeit war das für seinen Geschmack, sagt der Tischler-Azubi und lächelt gequält.

Ganz unterschiedliches Holz verarbeitet Johannes Lammers auf seiner Drechselbank. Hier zwei Schalen in unterschiedlichen Tönen. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Aber Aufmerksamkeit bekam der Nienborger und immer öfter die Frage zu hören, ob er mal dies oder jenes machen könne. So oft, dass sich die Familie in diesem Jahr entschloss, ein Gewerbe anzumelden und die hölzernen, kreativen Werke auch zum Kauf anzubieten. Zuerst in der Galerie Kunst(t)räume von Steffi Herrmann in Ochtrup, seit einigen Wochen auch in der Galerie von Julian Kappmeier in Ahaus an der Wallstraße.

Vom Flaschenöffner bis zu Harry Potters Elderstab

Johannes Lammers drechselt ganz unterschiedliche Dinge. Einen Flaschenöffner in Form einer Bierflasche – den hat er am Beispiel einer echten Bierflasche an der Drechselbank nachgemacht. Filigrane Schalen in jeder Größe und Schattierung, Kerzenständer, Elderstäbe (nach Harry Potter), Federhalter, neuerdings auch Wichtelmännchen. Und hölzerne Stifte. Das ist besonders filigrane Arbeit, das Holz bleibt nur ein bis zwei Millimeter dick.

Kugelschreiber aus unterschiedlichen Holzarten und in unterschiedlichen Formen gehören auch zur Palette des kreativen Schaffens von Johannes Lammers.
Kugelschreiber aus unterschiedlichen Holzarten und in unterschiedlichen Formen gehören auch zur Palette des kreativen Schaffens von Johannes Lammers. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Gerade bei der Auswahl der Kugelschreiber oder Druckbleistifte fällt auf, dass der NIenborger verschiedenstes Holz benutzt. Das lila Amaranth-Holz zum Beispiel, Olivenholz, Padoukholz. Am liebsten arbeitet der Drechsler aus Nienborg aber mit der heimischen Esche. Das Aussehen unterscheidet sich, und er mag die Maserung, die die Esche mitbringt.

Er kauft verschiedenes Holz bei einem gut sortierten Händler in Legden. Aber er bekommt auch Holz, „von allen Seiten, das hat sich rumgesprochen.“ Johannes Lammers findet das gut: So kann ein gefällter Walnussbaum aus dem Garten in einer Obstschale weiterleben.

Diese kleine Schale hat ein Naturmuster: Die Buche war krank und von einem Pilz verfallen. Auf der Schale hat der Pilz praktisch ein Landkartenmuster hinterlassen. An dieser Schale ist auch zu sehen, dass Holz arbeitet: Ganz rund ist der obere Rand nicht mehr. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Wobei Leben wörtlich zu verstehen ist: Der 17-Jährige nimmt eine Schale und stellt sie auf den Kopf. Eben ist da nichts mehr, der Rand liegt nicht überall auf und die Form geht ins Ovale. „Holz arbeitet“, weiß der Nienborger. So kann manche Schale, mancher Kerzenständer, schon mal Risse bekommen. Holz ist eben ein Natur-Rohstoff. Mit dem sich kreativ arbeiten lässt.

Zur Weihnachtszeit hat Johannes Lammers jetzt auch kleine Wichtel hergestellt sowie auch kleine Weihnachtsbäume (im Hintergrund). Watte sorgt für den Rauschebart. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock
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Anne Winter-Weckenbrock

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