Lea Bonenberg (19) aus Nienborg erlebt Corona-Ausbruch in den USA hautnah mit

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Lea Bonenberg aus Nienborg weilte als Au Pair in New York, als die Corona-Krise die USA mit voller Härte traf. In bewegenden Worten erzählt sie von ihren Corona-Erlebnissen samt Isolation.

von Lea Bonenberg

Heek

, 14.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alles war durchdacht geplant. Viele tausend Kilometer von der Heimat entfernt, startete die Nienborgerin Lea Bonenberg nach dem Abitur im August 2019 mit Hilfe der Organisation „Cultural Care“ ihr Au-Pair-Jahr bei einer New Yorker Gastfamilie in den USA. Ein großes Abenteuer, das jedoch abrupt und viel eher als geplant durch die Corona-Krise beendet wurde.

In bewegenden Worten hat die 19-Jährige ihre Erlebnisse und Eindrücke vom Ausbruch des Virus in New York, den Folgen und der anschließenden Zwangsrückkehr nach Deutschland samt Quarantäne aufgeschrieben und unserer Redaktion zur Verfügung gestellt.

Lea Bonenberg schildert ihre Corona-Erlebnisse

„Mein Abenteuer startete im vergangenen August. Nach bestandenem Abitur und monatelanger Vorbereitung stand ich endlich in Frankfurt am Flughafen. Mein Aufenthalt in Amerika begann an der Hofstra-Universität mit Vorlesungen in Pädagogik, Gesundheit, Sicherheit und Kommunikation. Fünf Tage später ging es zu meiner Gastfamilie.

Meine Gastmutter ist Koreanerin und mein Gastvater Franzose. Entsprechend viele Kulturen kamen in dieser Familie zusammen. Sie leben im New Yorker Vorort Larchmont. Einige Tage nach der Ankunft begann mein „Arbeitsalltag“ als Au Pair. Am Wochenende war ich so oft wie es ging in New York City. Meinen Lohn investierte ich in Reisen nach Washington, Philadelphia und Miami.

Lea Bonenberg erlebt Ausbruch der Corona-Krise hautnah mit

Abgesehen von einem geklauten Portemonnaie, einem Autounfall und einem gecancelten Flug habe ich sehr viel Schönes in den USA erlebt. Bis die Corona-Krise das Land mit voller Wucht traf.

New York beeindruckte die Nienborgerin sehr. Viele Wochenende verbrachte sie in der Millionen-Stadt.

New York beeindruckte die Nienborgerin sehr. Viele Wochenende verbrachte sie in der Millionen-Stadt. © Privat

Die Stadt, in der ich wohnte, meldete Mitte Februar den ersten Corona-Fall. Dann ging alles sehr schnell. Ich musste mich beim Auswärtigen Amt als „im Ausland arbeitende Deutsche“ melden, um in einer möglichen Krisensituation Hilfe vom deutschen Konsulat zu bekommen.

Larchmont in den USA wurde wegen Corona zur Geisterstadt

Hohes Fieber und starker Husten ließen Anfang März vermuten, dass mein Gastvater infiziert ist. Da die Krankenhäuser und Arztpraxen zu diesem Zeitpunkt schon maßlos überfüllt waren, konnte er sich nicht testen lassen. Die Folge war, dass wir alle eine Woche in Selbstisolation gelebt haben.

Meine Gastmutter stellte uns das Essen vor die Zimmertür und kümmerte sich eine Woche allein um die Kinder. Dann schlossen die Schulen, Büchereien und Geschäfte. Viele Kleinunternehmen waren innerhalb weniger Tage bankrott. Larchmont wurde zur Geisterstadt. Die Straßen, die sonst vierspurig befahren wurden, waren wie leer gefegt.

Das Auswärtige Amt riet der Nienborgerin dringlich zur Ausreise

Vom Auswärtigen Amt erhielt ich mehrere Nachrichten, die USA zur eigenen Sicherheit schnellstmöglich zu verlassen. Hinzu kamen die Sorgen meiner Eltern und Gasteltern und nach langen Diskussionen wurde entschieden, dass ich mein Auslandsjahr vorzeitig abbrechen muss.

New York beeindruckte die Nienborgerin sehr. Viele Wochenende verbrachte sie in der Millionen-Stadt.

New York beeindruckte die Nienborgerin sehr. Viele Wochenende verbrachte sie in der Millionen-Stadt. © Privat

Auf meinem Weg zum Flughafen fuhr ich das letzte Mal durch die riesige Stadt. Vorbei an den zahlreichen Zelten, in denen die Toten untergebracht werden. Mittlerweile sollen dort mehr als 7000 Menschen am Corona-Virus verstorben sein. Am John F. Kennedy-Flughafen waren auffällig wenige Menschen, es herrschte Masken- und Handschuhpflicht.

Lea Bonenberg muss 14 Tage in Quarantäne

Auf dem Flug nach Deutschland war das Flugzeug nur halbvoll. Jeder Fluggast erhielt einen Brief von dem Bundesministerium für Gesundheit, indem er aufgefordert wurde, nach der Ankunft in Deutschland 14 Tage in Quarantäne zu leben. Auch wenn ich keine Symptome habe, sollte ich mich testen lassen, weil ich aus dem Krisengebiet komme.

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Meine Eltern empfingen mich am Frankfurter Flughafen. Auch hier waren nur wenige Menschen. Alles wirkte wie in einem schlechten Science-Fiktion-Film, es lag eine deutliche Anspannung in der Luft. Meine Stimmung verbesserte sich aber rapide, als wir zu Hause ankamen.

Corona-Behandlungszentrum im Dorf Münsterland aufgesucht

Meine Freunde und Verwandten haben mich aufgrund des Kontaktverbots mit kreativen Begrüßungen empfangen: Plakate, Fotos, Begrüßungen auf der Straße und der Garagenauffahrt, Blumen und ein Willkommenskorb.

Lea Bonenberg wurde nach ihrer Rückkehr in Nienborg herzlich empfangen.

Lea Bonenberg wurde nach ihrer Rückkehr in Nienborg herzlich empfangen. © Privat

Am Tag darauf war ich im Corona-Behandlungszentrum im Dorf Münsterland in Legden. Die Ärztin riet mir, die 14 Tage Inkubationszeit abzuwarten und erst bei Symptomen einen Test auf das Virus durchzuführen. Auch meine Familie entschied sich, die zwei Wochen freiwillig in Quarantäne zu verbringen.

Lea Bonenberg blickt wehmütig auf den geplanten Sommertrip

Trotz der Isolation genieße ich nun im Garten die Sonne und verbringe die Zeit mit meiner Familie. Der Osterhase war auch da und hat uns ein paar Osterüberraschungen gebracht.

Auf ganz unterschiedliche und kreative Art und Weise hießen Verwandte und Freunde Lea Bonenberg in Nienborg wieder willkommen.

Auf ganz unterschiedliche und kreative Art und Weise hießen Verwandte und Freunde Lea Bonenberg in Nienborg wieder willkommen. © Privat

Im Sommer wäre ich eigentlich mit einem Bus die Westküste der USA entlang gefahren, aber nun bin ich zurück im kleinen Nienborg. Und das ging wesentlich schneller, als mir lieb war.“

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