Kleiner Piekser, großer Nutzen – Blutspende im Selbstversuch

dzBlutspende beim DRK

Blutspenden bei 30 Grad – ein Problem für den Kreislauf? Reporter Falko Bastos hat den Selbstversuch gemacht und zum ersten Mal gespendet. Warum eigentlich nicht früher, fragt er sich nun.

Heek

, 28.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Mittwochnachmittag, kurz nach 16 Uhr in der Stoot. Das Thermometer zeigt 30 Grad. Ein guter Tag, um Blut zu spenden? Das möchte ich herausfinden. Für mich ist es das erste Mal. Blutspenden fiel bisher für mich in die Kategorie „Man müsste mal...“. Ich weiß, dass es wichtig ist, aber bisher fehlte die Gelegenheit und vor allem der eigene Antrieb.

Als ich in das Blutspende-Mobil spazieren will, werde ich von Walter Kottig zurückgepfiffen. Der Blutspendebeauftragte des Ortsverbands Nienborg klärt mich auf. Erst muss ich zur Anmeldung. Die nehmen die Helfer des Jugend-DRK entgegen. „Beim ersten Mal dauert es etwas länger“, sagt Eric Stein und drückt mir einen Stapel Formulare in die Hand.

30 Fragen umfasst der Spenderfragebogen. „Hatten Sie in den letzten Monaten Sexualverkehr mit mehr als 3 Partnern, für den Sie Geld oder andere Leistungen (Unterkunft, Drogen) erhalten haben?“ Auch nach sexuellen Kontakten zwischen Männern fragt der Bogen. Risikogruppen für HIV oder Hepatitis sollen ausgeschlossen werden. Bis zu vier Monate kann es dauern, bis eine Infektion nachgewiesen werden kann. „Daher unterstützen Sie mit Ihrer ehrlichen Antwort die Empfänger ihrer Spende“, heißt es auf dem Blatt zur Erklärung.

Bevor ich spenden kann, geht es zur ärztlichen Untersuchung. Ernst Hundeshagen, der ärztliche Begleiter, misst meinen Puls und stellt mir noch einige Fragen zu meinem Gesundheitszustand. Ausreichend gegessen und getrunken habe ich auch. Dann gibt er grünes Licht für die Spende. Allerdings habe ich die entscheidende Frage noch nicht beantwortet: „Soll Ihr Blut verwendet werden?“

Spender können anonym einen Rückzieher machen

Die Frage überrascht mich. Wieso sollte ich zur Blutspende gehen, um dann die Verwendung meines Blutes zu verweigern? „Wenn alle wahrheitsgemäß antworten würden, bräuchten wir die Frage gar nicht“, erklärt Hundeshagen. „Sie ist für diejenigen, die genau wissen, dass sie nicht spenden dürfen, aber das lieber anonym mitteilen wollen.“

Der Arzt nennt ein Beispiel: „Der Klassiker ist, dass ein Mann mit seiner Ehefrau zur Blutspende geht, aber letzte Woche im Bordell war.“ Für solche Fälle gibt es ein anonymisiertes System. Jeweils ein Etikett mit Strichcode kann der Spender wählen und auf den Fragebogen kleben. Äußerlich ist so nicht sichtbar, wer der Verwendung widerspricht.

Kleiner Piekser, großer Nutzen – Blutspende im Selbstversuch

„Beim ersten Mal dauert es etwas länger.“ Die Helfer des Jugend-DRK nehmen die Anmeldungen entgegen. © Falko Bastos

Jetzt darf ich ins Spenden-Mobil. Zuerst wird noch meine Temperatur abgenommen und mit einem Piekser in den Finger mein Hämoglobinwert gemessen. Viel Betrieb herrscht an diesem Nachmittag noch nicht. „Wenn die Leute wüssten, wie angenehm klimatisiert es hier ist“, sagt einer der Helfer.

Ob bei diesem Wetter öfter Leute Kreislaufprobleme bei der Blutspende bekommen, frage ich Klaus Fischer, der mir das Blut abnimmt. „Kann schon mal vorkommen“, sagt er. Das sei aber die Ausnahme. Wer genug gegessen und getrunken habe und sich körperlich fit fühle, brauche sich keine Sorgen machen. Das klingt beruhigend.

Warten im Liegestuhl

Dann steckt er mir die Kanüle in die Vene. Ich kann nun dabei zusehen, wie ein halber Liter Blut meinen Körper verlässt. Während ich im Liegestuhl darauf warte, dass die Menge erreicht ist, reicht er mir einen Becher Cola. Das hätte ich mir unangenehmer vorgestellt. Ein paar Minuten muss ich noch sitzen bleiben, nachdem die Kanüle entfernt ist. Und in die Muckibude solle ich heute nicht mehr gehen, so Fischers Empfehlung.

Zurück im Gebäude gibt es kalte Getränke und ein üppiges Büffet mit Bockwurst und Kartoffelsalat. Schokolade und Pfefferminzbonbons darf jeder zur Belohnung mit auf den Heimweg nehmen.

„Es ist heute ein bisschen ruhiger bei dem Wetter“, sagt Walter Kottig. Er selbst spendet heute nicht. „Ich hatte heute morgen schon Kreislaufprobleme und wenn man sich nicht gut fühlt, soll man es lassen.“ Normalerweise seien es 50 bis 70 Leute, die hier in der Stroot zur Blutspende kämen. Viele von ihnen immer wieder. Entsprechend familiär geht es im DRK-Heim zu. „Man sieht schon oft die gleichen Leute“, so Kottig.

„Ich habe auch überlegt, ob ich heute gehen soll“, verrät Carolin Gausling, die gerade zum neunten Mal gespendet hat. „Aber es lag für mich auf dem Heimweg“, begründet sie ihren Spontanbesuch im DRK-Heim. Ein guter Tag, um Blut zu spenden? Gibt es denn einen schlechten?

Infos zur Blutspende

  • Einmal im Monat findet die Blutspende am Heeker DRK-Heim, Stroot 33 statt. Der nächste Termin ist am 24. Juli (Mittwoch) von 16 bis 20 Uhr.
  • In Nienborg steht das Blutspende-Mobil viermal jährlich an der Bischof-Martin-Schule, Schulstraße 10. Der nächste Termin ist am 4. Juli (Donnerstag) von 16.30 bis 20.30 Uhr.
  • Neben Spendern sucht das DRK auch Helfer für die Blutspende.
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