Kampf um die Existenz

Heek Wer heute zum Militärdienst in Deutschland einberufen wird, hat es relativ einfach: Entweder er geht für neun Monate zur Bundeswehr oder er verweigert und absolviert einen Zivildienst. Anders sah es für Ludger Heskemann aus Ahle und viele andere im Jahr 1807 aus.

09.07.2008, 10:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Heinz und Alwine Berger, die Nachfahren von Ludger Bernd Heskemann genannt Schücker aus Ahle vor ihrem 1941/1942 errichteten Hof.  MLZ-Foto Albersmann</p>

<p>Heinz und Alwine Berger, die Nachfahren von Ludger Bernd Heskemann genannt Schücker aus Ahle vor ihrem 1941/1942 errichteten Hof. MLZ-Foto Albersmann</p>

Das Ahauser Gebiet unterstand der französischen Regierung. Die Heerespflichtigen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren wurden per Los zum Dienst gezwungen. So auch Ludger Bernd Heskemann genannt Schücker aus Ahle, der bei der zweiten Losung für den Militärdienst ausgewählt wurde. Zwei weitere Einberufene, Bernd Heinrich Naber und B. H. Schabbing, konnten sich der Einberufung durch Verlegung ihres Wohnsitzes nach Holland entziehen.

Ludger aber hatte nun existenzielle Probleme. Er war zwei Jahre zuvor, im Alter Anfang 20, als Erbpächter des Colonats Schücker in Ahle 21 (heute Berger, Nr. 135) eingesetzt worden. Am 8. Juli 1807 schrieb er an den Herrn Provinzial-Rath: "Schückers Erbe Kspl. Heek in der Bauernschaft Ahle hat seit einigen Jahren durch Sterbefälle so sehr gelitten, dass es beinahe ruiniert ist. Dreimal sind des Erbes Inhaber kurz aufeinander gestorben. Nur der einzige Nachfolger im Erbe ist übrig geblieben, nämlich der jetzt zur Conscribition (Musterung) gehörende Ludger Heskemann sive Schücker." Er erwähnte noch weitere Gründe, um der Einberufung entgehen zu können. Der Grundherr B. H. Hölscher und der Bauernrichter sowie zwei Nachbarn bestätigten den Sachverhalt.

Verhandlung

Am 26. November 1807 wurden die Beteiligten von dem Gaugrafen Aulike zu einer mündlichen Verhandlung vorgeladen. Es wurde ein Protokoll erstellt: "Protocollum in Sachen Betreff nachernenten Supplicanten (Wehrpflichtigen) gesuchter Befreyung vom Militaire Dienste." Nun fand eine Befragung statt: Ob noch ein Reserve (Erbe) vorhanden seye? Es seye ein Mädchen da. Wie alt? 13 bis 14 Jahre. Ob der Reserve schon geheyratet sey? Nein. Ob das Erbe zu Grunde gehen würde, wenn dieser Reserve Schücker seiner Dienstpflichtigkeit genügen leisten müsse? Ja. Warum der Stiefvater, der zwischen 50 und 60 Jahre alt war, nicht einspringen könne? Der alte sey nicht mehr bey Kräften, überdies seyen seine Mahljahre (Verwaltungsjahre) herum. Ein Arzt bestätigte dem Ludger Heskemann, dass er an Fieber erkrankt sei, was eine notwendige Kur erfordere.

Glück gehabt

Ludger Heskemann genannt Schücker wurde vom Militärdienst entbunden. Vermerk des Gaugrafen Aulike: "Ich halte den Conscribierten Bernd Ludger Heskemann, weil derselbe als einziger Anerbe und Wehrhafter, dem bestehenden Heskemann gemäß zu betrachten ist, für unentbehrlich mithin dienstfrei nach dem § 2 Let. H." Zwei Jahre später heiratete Ludger die Anna Catharina Schücker aus Ahle - er hatte Glück gehabt. alb

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