Mit Video: Hochwasseralarm – So wappnet sich die Dinkelgemeinde gegen die Naturgewalt

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Sowohl 2010 als auch 2016 trat die Dinkel weit über die Ufer und sorgte in Heek für Hochwasser. Ein spezieller Plan soll die Folgen eines solchen Natur-Ereignisses in Zukunft minimieren.

Heek

, 21.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vielen dürften die Bilder noch präsent sein, als die Dinkel 2016 weit über die Ufer trat und große Teile des Gemeindegebietes überflutete. Und auch sechs Jahre zuvor traf es die Gemeinde schwer. Feuerwehr, THW und viele freiwillige Helfer hatten jeweils alle Hände voll zu tun, die Wassermassen zu bändigen. Schubkarren, Sandsäcke und jede Menge Fleißarbeit inklusive.

Damit in Zukunft die Folgen eines Hochwassers nicht mehr solche Ausmaße annehmen, arbeiten die Kommunen Heek, Gronau, Legden und Rosendahl zusammen an einem sogenannten Hochwasseralarmplan, der im Fall der Fälle frühzeitig und direkt greifen soll.

Der Alarmplan ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess

Und die Ausarbeitungen laufen nicht erst seit gestern. So gab es seit Juni 2018 insgesamt 18 Workshops in den beteiligten Kommunen. „Es ist ein laufender Prozess – ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess“, skizziert Thorsten Meyer von der Gemeindeverwaltung Heek diese letztlich sehr komplexe Thematik. Es gebe nicht einfach einen Startpunkt, ein Investitionssumme X und einen Abschluss.

Von wegen Idylle - diese Ruderer mussten beim Hochwasser 2010 Futter zu ihren Tieren bringen, das auf einer Insel eingeschlossen waren. Die Dinkel war weit über die Ufer getreten.

Von wegen Idylle - diese Ruderer mussten beim Hochwasser 2010 Futter zu ihren Tieren bringen, die auf einer Insel eingeschlossen waren. Die Dinkel war weit über die Ufer getreten. © Sylvia Lüttich-Gür

Vielmehr arbeitet der eigens gegründete Arbeitskreis mit Vertretern aller Kommunen und mit Hilfe von externen Dienstleistern an einer Plattform (Geoinformationssystem), auf der alle Daten dokumentiert und Erfahrungen konserviert werden. Zusätzlich gibt es klassische Checklisten und Tabellen, wer im Fall der Fälle was zu tun hat. Und vor allem in welcher Reihenfolge.

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Der Zeitgewinn erhöht den Spielraum

Letztlich geht es darum, die vorhandenen Erfahrungen und Daten durch den Einsatz modernster Technik zu optimieren. Die Vernetzung bedeutet Zeitgewinn. Und Zeitgewinn erhöht den Spielraum, angemessen reagieren zu können. „Wenn wir mitbekommen, dass es beispielsweise in Rosendahl Probleme gibt, dann können wir hier vor Ort direkt die notwendigen Maßnahmen einleiten“, erklärt Thorsten Meyer – zum Beispiel den Deich der Dinkel zeitig mit Sandsäcken zu verstärken. Und nicht erst, wenn es (fast) zu spät ist.

Aktuell seien die Kommunen zwar primär über die Sozialen Medien vernetzt, aber eine erste kleine Testphase über das Geoinformationssystem läuft bereits. Über Benutzerkonten können alle Beteiligten die jeweils benötigten Daten und Handlungsanweisungen abrufen. „Wir tüfteln da aber noch, um es übersichtlich zu halten“, so Thorsten Meyer. Schließlich müsse jeder „auch ohne extra Studium“ verstehen, was im Notfall zu tun ist.

Pegelmelder sollen auf der Plattform integriert werden

Zudem arbeiten alle Gemeinden daran, Pegelmelder auf der Plattform zu integrieren. Zwar gibt es auch Landes-Pegel vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, aber da genießt die Dinkel keine Priorität. Die Finanzierung ist übrigens über den Gemeindehaushalt geregelt. Stichwort Gewässerunterhaltung und Hochwasserschutz. Eine niedrige sechsstellige Summe.

Der Wasserstand der Dinkel am Freitagmorgen (21. Februar) betrug knapp 90 Zentimeter - gut gefüllt, aber alles im Rahmen.

Der Wasserstand der Dinkel am Freitagmorgen (21. Februar) betrug knapp 90 Zentimeter - gut gefüllt, aber alles im Rahmen. © Till Goerke

Ganz wichtig: Ein Hochwasseralarmplan ist klar abzugrenzen von einem Hochwasserschutzkonzept. Das machte Stefan Koenen von der Ingenieurgesellschaft Tuttahs & Meyer im jüngsten Bauausschuss deutlich. Einer jener externen Dienstleister, auf den die Gemeinden bei der Realisierung des Alarmplanes zurückgreifen.

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„Ein Hochwasserschutzkonzept soll solche Ereignisse in Zukunft verhindern, ein Alarmplan greift hingegen sofort. Wenn jetzt die Dinkel über die Ufer treten würde, dann wissen Sie, was zu tun ist“, erläuterte Stefan Koenen. Dementsprechend beschlossen die Ausschussmitglieder einstimmig, den Alarmplan weiter ausarbeiten lassen zu wollen – ganz im Gegensatz zu einer sogenannten Starkregenkarte.

Sollte sich anbahnen, dass die Dinkel noch mal über weit über die Ufer tritt, würde der Hochwasseralarmplan eine Kette von Maßnahmen auslösen.

Sollte sich anbahnen, dass die Dinkel noch mal über weit über die Ufer tritt, würde der Hochwasseralarmplan eine Kette von Maßnahmen auslösen. © Till Goerke

Eine solche legte Stefan Koenen den Lokalpolitikern und der Verwaltung zwar wärmstens ans Herz, aber erhielt Gegenwind, als er mit den Kosten für eine derartige Modellrechnung und Erstellung um die Ecke kam. Von 45.000 bis 50.000 Euro war plötzliche die Rede. Entschieden zu viel für die Politik.

Die Sache mit der Karte wandert in den Rat

Christdemokrat Jörg Rosery sagte: „Wollen wir so etwas überhaupt? So eine Entscheidung gehört in den Rat.“ Hermann-Josef Schepers (SPD) pflichtete dem bei: „Das können wir hier jetzt nicht einfach so beschließen, das ist eine Sache für den Rat.“ Thorsten Meyer sicherte den Ausschussmitgliedern zudem zu, die Thematik „noch mal komplett mit allen Zahlen aufzubereiten“.

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