Aus 24 werden 3 Meter: Darum wird die Trauerweide an der Nienborger Straße radikal gestutzt

dzBaumrückschnitt

Sie steht an einer exponierten Stelle und hat eine imposante Größe: die Trauerweide am Ufer der Dinkel zwischen Heek und Nienborg. Doch die Tage in dieser Größe sind gezählt.

Heek

, 16.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie ist nicht nur ein Pionierbaum, sondern steht auch an einer exponierten Stelle. Von Heek aus kommend rechter Hand an der Nienborger Straße am Ufer der Dinkel. Nur wenige Meter von der Straße entfernt. Die Rede ist von der 80 bis 100 Jahre alten Trauerweide mit einer Größe von 24 Metern und einem Stammdurchmesser von gut 100 Zentimetern.

Doch die Tage des imposanten Baumes sind gezählt. Zumindest in dieser beeindruckend Erscheinungsform. Denn: Der Feuerschwamm setzt der Trauerweide massiv zu. Was nebulös klingt, ist nichts weiter als ein Pilz, der unter anderem die Zellulose des Wirtsbaumes abbaut und die so genannte Weißfäule verursacht.

Der Baum wird Stück für Stück instabil

Damit wird der Baum Stück für Stück instabil. Das bestätigt auch Revierförster Matthias Reeker-Ebbing auf Nachfrage. „Wenn eine Weide durch Pilze befallen ist, dann ist es eine Frage der Zeit, bis die Standfestigkeit beeinträchtigt ist.“ Etwas, das natürlich etliche Risiken birgt, nicht nur für Spaziergänger.

Aus 24 werden 3 Meter: Darum wird die Trauerweide an der Nienborger Straße radikal gestutzt

Noch ist die Trauerweide 24 Meter hoch. Das wird sich jedoch bald ändern. © Goerke, Till

Davon hat sich auch die Gemeinde Heek überzeugt, die diesbezüglich ein Gutachten hat erstellen lassen. „Leider wurden massive Schäden an dem Baum festgestellt“, so Herbert Gausling von der Gemeindeverwaltung. Aufmerksam auf den Pilzbefall wurden Mitarbeiter des Bauhofes.

Die Pilze sind teilweise größer als eine Faust

Bei einer routinemäßigen Kontrolle sei der Pilzbefall entdeckt worden. Die mittlerweile mehr als faustgroßen Fruchtkörper der Pilzes sind in der Höhe von etwa zwei Metern am Stamm bereits aus etlichen Metern Entfernung zu erkennen. An einer Bruchstelle werden zudem die Ausmaße der Weißfäule sichtbar. Das Holz ist heller, faseriger und stockiger geworden.

Aus 24 werden 3 Meter: Darum wird die Trauerweide an der Nienborger Straße radikal gestutzt

Die Auswirkungen der Weißfäule an der Bruchstelle sind gut erkennbar. Das Holz ist heller, faseriger und stockiger geworden. © Till Goerke

Ein Sturm im vergangenen Sommer sei für den Astbruch verantwortlich, erklärt Herbert Gausling. Und die dort erkennbare Weißfäule „betrifft auch andere Stellen im Baumstamm“. Jetzt gilt es zu handeln. Die zunächst im Raum stehende Fällung des Baumes sei allerdings vom Tisch. „Die Weide wird jetzt auf den Stamm gekappt. Wir hoffen, dass sie wieder ausschlägt“, sagt Herbert Gausling.

Die Trauerweide wird um etwa 21 Meter gestutzt

Um ganze 21 Meter soll der Baum gestutzt werden. „Auf eine Höhe von etwa drei Meter“, so Gausling. Eine Fachfirma sei bereits beauftragt worden. Wann genau die Arbeiten stattfinden, sei derzeit noch nicht klar. Das Auftragsbuch der Firma sei voll. Da heißt es also, Geduld zu bewahren.

Aus 24 werden 3 Meter: Darum wird die Trauerweide an der Nienborger Straße radikal gestutzt

Die imposante Trauerweide (links) soll von 24 auf 3 Meter gestutzt werden. © Till Goerke

Darüber hinaus plant die Gemeinde in unmittelbarer Nähe eine neue Trauerweide anzupflanzen. „Denn das Risiko ist groß, dass wir später doch den gesamten Baum fällen müssen“, stellt Herbert Gausling klar. Schließlich könne man derzeit nicht absehen, ob sich die Trauerweide überhaupt von dem Pilzbefall erholt.

Viele Bäume weisen Schäden auf
  • Aufgrund des zweiten Trockensommers in Folge weisen viele Bäume im Gemeindegebiet „massive Schäden“ auf – allen voran Birken und Buchen.
  • Etwa 20 bis 30 Buchen sind betroffen. Diese wurden bereits oder werden noch gefällt.

Besteht eine Gefahr für die Neuanpflanzung?

Dass die Gemeinde richtig handelt, bestätigt auch Revierförster Matthias Reeker-Ebbing – mit Blick aus der Ferne. „Fällen oder Stutzen ist immer eine Einzelfallentscheidung. Wichtig ist, dass die Verkehrssicherung gewährleistet ist.“ Dass die Weide wieder ausschlägt, sei nicht unwahrscheinlich, aber: „Eine Garantie gibt es dafür natürlich nicht.“

Für eine neu angepflanzte Trauerweide sieht der Revierförster keine Gefahren – mit Blick auf ein Überspringen des Pilzbefalls. „Ich bin zwar kein Mykologe (Pilzwissenschaftler - d. Red.), aber da dürfte keine Gefahr bestehen.“

Und so ärgerlich der Pilzbefall und das radikale Stutzen der Trauerweide auch sei, mit Blick auf das Alter des Baumes sagt der Revierförster: „80 bis 100 Jahre ist für solch eine Baumart schon ein gutes Alter.“ Das, was derzeit passiere, sei eben der „Lauf der Dinge“.

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