Anwalt stellt klar: Betrug von Kirchenmusiker Hans-Joachim Schüttke „kein Kavaliersdelikt“

dzUrkundenfälschung und Betrug

Kirchenmusiker Hans-Joachim Schüttke hat der Gemeinde Heilig Kreuz gefälschte Zeugnisse vorgelegt. Das ist nicht nur Urkundenfälschung, sondern auch Betrug. Und kein Kavaliersdelikt.

Heek

, 26.08.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Manipulierte Zeugnisse, gefälschte Titel, abgeschriebene Doktorarbeiten – Menschen sind „erfinderisch“, wenn es darum geht, den beruflichen Einstieg oder gar die Karriere so richtig ins Rollen zu bringen.

So auch der Kirchenmusiker Hans-Joachim Schüttke (49). Er gaukelte über Jahre vor, an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln Kirchenmusik (B-Kirchenmusiker-Examen) mit anschließendem Konzert-Diplom studiert zu haben. Doch dem war mitnichten so.

Eine fristlose Kündigung Schüttkes ist angemessen

Jetzt ist der Schwindel durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Münster aufgeflogen. Das Bistum hat reagiert und Hans-Joachim Schüttke gekündigt. Und dieser hat Reißaus genommen. Angeblicher Aufenthaltsort: Thailand.

Ob die Kündigung fristlos erfolgte, darüber schweigt sich das Bistum aus. Ebenso wie die Gemeinde Heilig Kreuz, die jegliche Stellungnahme in dieser Causa verweigert. Fakt ist aber, dass eine fristlose Kündigung „angemessen“ wäre.

Wikipedia-Eintrag Schüttkes ist mittlerweile gelöscht worden

Das sagt Rechtsanwalt und Notar Jürgen Bäumer – auf Basis der Informationen, die ihm bezüglich dieses Sachverhaltes bekannt sind. Zwar spreche der Arbeitgeber in der Regel erst eine Abmahnung aus, in schwerwiegenden Fälle könne dieser Schritt aber übersprungen werden.

„Nachdem, was mir aus der Presse zu diesem Fall bekannt ist, sehe ich eine fristlose Kündigung als angemessen an.“

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Wer Schüttke derzeit auf Social-Media-Plattformen sucht, der wird nicht mehr fündig. Alle Konten sind gelöscht worden. Selbst sein Wikipedia-Eintrag, in dem von seinem erfundenen Diplom ist Rede war, ist mittlerweile verschwunden. Nicht auszuschließen, dass Schüttke diesen Eintrag einst selbst verfasst hat.

Wollte Schüttke durch die Fälschung mehr Gehalt einstreichen?

Seit Freitag (23. August) steht bei Wikipedia nur noch: „Artikeltext beruhte zum Teil auf gefaketen Angaben, eine exakte Prüfung der Angaben ist momentan kaum möglich; sollte tatsächlich enzyklopädische Relevanz vorliegen, müsste der Artikel von Grund auf neuverfasst werden, mit vorhergehender solider Belegprüfung.“

Mögen die Gründe für eine Urkunden- und Zeugnisfälschung vielfältig sein, oft ist es der ganz banale Grund, in einem besseren Licht dazustehen. Sprich, sich von der Konkurrenz abzugrenzen und dem Arbeitgeber zu beeindrucken. Schließlich hat ein Akademiker in der Regel bessere Job-Aussichten und eine bessere Position bei den Gehaltsverhandlungen.

Bistum Münster bleibt wohl auf dem „Schaden“ sitzen

Es ist davon auszugehen, dass Hans-Joachim Schüttke ein dementsprechendes Gehalt in der Gemeinde Heilig Kreuz bezog. Dies womöglich zu Unrecht bezahlte Geld wiederzubekommen, dürfte schwierig werden.

Zwar sei dies, so Jürgen Bäumer, prinzipiell möglich, aber der ehemalige Arbeitgeber müsse den durch den Betrug erstandenen Schaden im Detail nachweisen. „Von der Durchsetzbarkeit dürfte das schwierig werden.“ Zumindest beruhend auf den Informationen, die ihm bekannt seien.

Urkundenfälschung ist kein Kavaliersdelikt

Und während auf unserer Facebook-Seite eifrig darüber diskutiert wird, ob die Vergehen von Hans-Joachim Schüttke nun schwerwiegend oder ein Kavaliersdelikt sind, stellt Jürgen Bäumer klar: „Urkundenfälschung ist kein Kavaliersdelikt. Sowas ist nicht nur eine Fälschung, sondern auch Betrug.“

In diesem Fall dem Betrug am Bistum Münster und der Gemeinde Heilig Kreuz. Ganz allgemeines Problem: die „Definition“ eines Kavaliersdeliktes. „Dies beurteilt ja jeder Mensch anders“, so Jürgen Bäumer.

Betrug ist Tatbestand des Strafrechts

Per Definition ist ein Kavaliersdelikt eine [...] Ordnungswidrigkeit oder Straftat, die als legitimer Gesetzesverstoß akzeptiert oder sogar befürwortet wird, mithin nicht als unmoralisch oder ehrenrührig gilt.

Doch das, was Hans-Joachim Schüttke gemacht hat, kann nicht in diesen Bereich fallen. Denn: Bewegt man sich bei einer Urkundenfälschung im Zivilrecht, ist Betrug ein Tatbestand des Strafrechts.

Das Verfahren kann wieder aufgenommen werden

Zwar ist das Verfahren wegen Urkundenfälschung und Betruges gegen Schüttke mittlerweile von der Staatsanwaltschaft Münster vorläufig eingestellt worden, kann aber jederzeit wieder aufgenommen werden.

Für den Fall, dass der 49-Jährige nicht wie vereinbart eine vierstellige Eurosumme an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt.

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