Schock für Heeker Einzelhändler: Dürfen Passfotos bald nur noch im Rathaus gemacht werden?

dzGesetzesentwurf des Bundesinnenministeriums

Das Bundesinnenministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, um Bildmanipulation auf Ausweisdokumenten vorzubeugen. Eine Idee, die im Einzelhandel für Entrüstung sorgt. Auch in Heek.

Heek

, 09.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der jüngste Gesetzesentwurf des Bundesinnenministerium (BMI) sorgte deutschlandweit im Einzelhandel für einen großen Aufschrei. Und auch in der Gemeinde Heek sind die Einzelhändler entrüstet. Der Grund: Laut dem Gesetzesentwurf sollen zukünftig nur noch Behörden Passfotos für Personalausweise und Reisepässe anfertigen dürfen. Ein Entwurf, der für viel Unverständnis sorgt.

„Der Gesetzesentwurf kommt gar nicht gut an. Passbilder sind unser Tagesgeschäft. Dafür kommen die Kunden in den Laden“, stellt Sarah Brundu vom Fotostudio Brundu aus Nienborg klar. Und auch Jutta Kösters von Uhren Pieper in Heek kann den Gesetzesentwurf nicht nachvollziehen. „Es ist ein wichtiges Standbein für uns. Wir hoffen, dies nicht zu verlieren.“

Das BMI verspricht sich vom Gesetz mehr Sicherheit im Passwesen

Zum Hintergrund: Das BMI verspricht sich von dem Gesetz mehr Sicherheit im Passwesen. Ein Fälschen der Ausweisdokumente durch das so genannte „Morphing“ soll so verhindert werden. Bei diesem computergenerierten Spezialeffekt werden zwei Einzelbilder verschiedener Personen zu einem Foto verschmolzen. Mit bloßen Augen sei dann, so ein Sprecher des Innenministeriums, nicht mehr zu erkennen, um welche der beiden Personen es sich handelt.

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Theoretisch wäre es dann also möglich, dass beide Personen ein und dasselbe Ausweisdokument mit dem betreffenden Foto nutzen, um eine Ländergrenze zu überqueren. Durch das neue Gesetz soll das „Morphing“ ausgeschlossen werden, da das Ausweisbild nur unter Aufsicht des Behördenmitarbeiters angefertigt werden darf.

Jede Passstelle soll zwei Fotoautomaten bekommen

Der Gesetzesentwurf, der von der Bundesregierung noch abgesegnet werden muss, hätte bei Inkrafttreten (geplant für 2022) auch für die Gemeindeverwaltung Heek Folgen. Denn jede Passstelle soll, so die Idee, zwei Fotoautomaten bekommen oder alternativ Kameras auf den Schreibtischen der Mitarbeiter installieren. In Vreden sind solche Kameras im Bürgerbüro bereits im Einsatz.

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In der Gemeinde Heek nicht. Auch keine Automaten. Dabei ist das nicht nur eine Frage des Platzes, sondern eine bewusste Entscheidung seitens der Gemeindeverwaltung. „Die Antragssteller bringen die Fotos selbst mit“, sagt Doris Reufer, Leiterin des Fachbereiches 3 auf Anfrage. „Wenn wir das als Gemeinde machen müssten, wäre das natürlich eine Schwächung des lokalen Einzelhandels.“

Das Gesetz würde den lokalen Einzelhandel schwächen

Und genau das ist es, was auch Sarah Brundu übel aufstößt. „Es wird immer gepredigt, den lokalen Einzelhandel zu stärken und dann soll so ein Gesetz kommen?“ Auch habe sie bereits mit vielen Kollegen über das Thema gesprochen. „Da herrscht schon ein großes Entsetzen.“

Seitens der Gemeinde will man erst mal die kommenden Wochen abwarten und sehen, was aus dem Entwurf wird. „Wie wir das überhaupt umsetzen würden, überlegen wir dann, wenn es tatsächlich so weit ist“, so Doris Reufer. Klar sei aber, dass ein solches Szenario natürlich einen Mehraufwand mit sich bringen würde. „Das Verfahren ist ja ohnehin schon aufwendig.“

Auch die Fotostudios könnten die Bilder digital übermitteln

Auch Jutta Kösters will das Ganze erst mal auf sich zukommen lassen. „Was soll ich auch anderes machen?“ Übrigens: Schaut man auf die Kosten, die ein solches Gesetz mit sich bringen würde, muss man sich die Augen reiben. 177 Millionen Euro soll allein die Anschaffung und Wartung der Fotoautomaten in den ersten fünf Jahren kosten – davor soll es eine zweijährige Übergangsphase geben.

Geld, dass man sich sparen könnte, wenn beispielsweise die Fotostudios die Bilder digital an die jeweilige Behörde übermitteln würden. „Und die Kunden selbst gar kein analoges Foto mehr bekommen“, so Sarah Brundu. Das sei ohne Probleme möglich und würde Fälschungen ebenfalls vorbeugen. „Und wir Einzelhändler müssten dann nicht unter dem Gesetz leiden.“

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