Ein Manager soll die Gemeinde Heek in Sachen Klimaschutz jetzt zum Vorbild machen

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Ungewohnte Einigkeit herrschte in der jüngsten Sondersitzung des Rates. Der Klimaschutz eint die Parteien. Mehr noch, in der Sitzung wurden gleich mehrere Nägel mit Köpfen gemacht.

Heek

, 03.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Klimaschutz bestimmt nicht erst seit gestern viele politische Debatten. Doch es stellt sich die Frage, wie Kommunen dieses globale Problem angehen können. Die Dinkelgemeinde hat diesbezüglich einen klaren Plan. Und darum machten die Ratsmitglieder in einer Sondersitzung (29. Januar) einstimmig Nägel mit Köpfen. „Ja“ zum Klimaschutzkonzept, „ja“ zur Einstellung eines Klimaschutzmanagers und „ja“ zum Bereitstellen eines entsprechenden Budgets.

Ungewohnt schnelle Einigkeit im Gemeinderat. Der Klimaschutz eint SPD- und CDU-Fraktion. Doch so gut es auch klingt, klar ist noch lange nicht alles. Weniger hinsichtlich der geplanten Maßnahmen im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes, sondern viel mehr mit Blick auf die zentrale Figur des Ganzen – den Klimaschutzmanager.

530.000 Euro für die ersten drei Jahre

Denn einen solchen empfahl die Ingenieurgesellschaft Gertec aus Essen der Gemeinde Heek mit Nachdruck. Die Gemeindeverwaltung hatte Gertec im Juli 2018 mit der Konzepterstellung beauftragt. Knapp 530.000 Euro soll das Gesamtpaket Klimaschutz für die ersten drei Jahre Kosten. Bundesmittel für die Förderung sind dabei noch nicht berücksichtigt. Die Beantragung dieser steht als nächstes auf der Agenda.

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„Sie werden es als Gemeinde nicht alleine schaffen“, stellte Gertec-Geschäftsführer Andreas Hübner in der Sondersitzung mit Blick auf den Posten eines Klimaschutzmanagers klar. Natürlich sei das alles mit Personal- und nicht unerheblichen Sachkosten verbunden, aber in Sachen Klimaschutz ein unumgänglicher Weg. Zumindest, wenn dieser effizient sein soll.

Ratsmitglieder sind sich parteiübergreifend einig

„Wir dürfen nicht nur den Mund spitzen, sondern müssen auch pfeifen“, sagte dementsprechend auch Reinhard Brunsch, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Vieles läuft über die Kommunikation bei diesem Konzept, dafür brauchen wir einen Manager“, schlug CDU-Fraktionsvorsitzender Walter Niemeyer in dieselbe Kerbe.

Ein Manager soll die Gemeinde Heek in Sachen Klimaschutz jetzt zum Vorbild machen

Der Ausbau der regenerativen Energien ist einer von vielen Bausteinen des Klimaschutzkonzeptes. © dpa

Soweit so gut. Doch was genau soll so ein Klimaschutzmanager überhaupt in der Gemeinde tun? Kurz gesagt: Kräfte bündeln, vermitteln, anstoßen, umsetzen und kontrollieren. Und all das natürlich unter den Aspekten CO2-Bilanz, Erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder Gemeindeentwicklung unter Klimaschutzaspekten.

Welche Qualifikation muss ein Klimaschutzmanager mitbringen?

Das Aufgabenportfolio ist also klar, nicht aber das des Anforderungsprofils des Klimaschutzmanagers. Zumindest noch nicht. Ein Punkt, über den die Ratsmitglieder lange debattierten. Letztlich brachte es Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, ob wir eine Fachkraft bekommen, sondern es ist die Frage, was wir als Gemeinde überhaupt wollen.“

Ein Manager soll die Gemeinde Heek in Sachen Klimaschutz jetzt zum Vorbild machen

Das Anlegen neuer Wallhecken ist ebenfalls eine geplante Maßnahme im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes. © dpa

Denn laut Gertec-Geschäftsführer Andreas Hübner sei es bei Klimaschutzmanagern nicht genau geregelt, welche Qualifikation diese mitbringen müssen. „Ein Akademiker ist klar. Ob das jetzt aber ein Geograf oder Ingenieur mit entsprechendem Fachwissen ist, das ist offen.“

Kommunikation ist das A und O

Hübner empfahl dem Rat jedoch, eine Fachkraft zu engagieren, auf die das Attribut „Kommunikationsstärke“ zutrifft. „Mit jemandem, der nur vor sich alleine hinwerkelt, werden sie keinen Blumentopf gewinnen.“ Denn Klimaschutz ist Netzwerkarbeit. Und Netzwerkarbeit ohne Kommunikation dürfte schwierig werden.

Ein Manager soll die Gemeinde Heek in Sachen Klimaschutz jetzt zum Vorbild machen

Stau auf der A31: Auf die CO2-Emission durch den MIV hat die Gemeinde keinerlei Einfluss. Aber: Ein Ausbau und eine Sanierung der Radwege könnte dem, zumindest im Gemeindegebiet, entgegenwirken. © Bernhard Gausling

Die Gemeinde hat die Stelle eines Klimaschutzmanagers jedenfalls schon mal vorsorglich im Haushalt 2020 eingeplant. Die Ausschreibung steht noch aus. Im Idealfall läuft es aus Gemeindesicht auf eine 50-Prozent-Stelle (die übrigen 50 Prozent trägt dann eine Nachbarkommune) mit einer 65-Prozent-Förderquote hinaus. Dann beliefen sich die tatsächlichen Personalkosten für die Gemeinde auf etwa 20.000 Euro im Jahr.

„Mit Ihrem Engagement können Sie eine Vorbildfunktion einehemen.“
Gertec-Geschäftsführer Andreas Hübner

Budget soll als Lockmittel dienen

„Wichtig ist, dass Sie der- oder demjenigen bei diesem dynamischen Konzept ein entsprechendes Budget zur Verfügung stellen, mit denen möglichst viele Maßnahmen umgesetzt werden können “, so Hübner. Praktisch als „Lockmittel“, denn das Gehalt ist ohnehin über die Förderung gedeckelt.

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Und bevor falsche Hoffnungen geweckt werden: Die Klimakrise wird weder in Deutschland noch in der Dinkelgemeinde aus der Welt geschafft. Egal, wie die Vorgaben auf Bundesebene auch lauten. Aber, so Hübner: „Mit Ihrem Engagement können Sie eine Vorbildfunktion einnehmen und das nicht nur lokal.“

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