Gefahr aus dem Wasser: Baumstämme schießen die Dinkel wie „Torpedos“ flussabwärts

dzHochwasser

Sechs Meter lang, ein Durchmesser von 70 Zentimetern: Das ist nur einer der Baumstämme, die am Sonntag mit der Dinkel flussabwärts schossen. Das hätte für die Wehre verhängnisvoll sein können.

Heek, Legden

, 25.02.2020, 17:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Starke Regenfälle haben am Sonntag die Pegelstände der Dinkel in Legden und Heek bedenklich anschwellen lassen. In der Dinkelgemeinde wurde Sonntagnacht um 22 Uhr sogar die kritische Marke von 150 Zentimetern überschritten. In Legden fielen teilweise 35 Liter auf den Quadratmeter.

Und in Legden machten sich mehrere Buchenstämme selbstständig und trieben mit hoher Geschwindigkeit ab. Nach ersten Erkenntnissen stammen sie aus der Ausgleichsmaßnahme an der Dinkel in der Nähe von Profilan, die erst im vergangenen November abgeschlossen wurde.

Zwei Stämme trieben durch das geöffnete Wehr der Düstermühle

Fünf bis sechs Stämme, so schätzt Alfons Büscher, Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Oberes Dinkelgebiet, flossen schnell mit dem Wasser in Richtung Heek. Zwei Stämme trieben durch das geöffnete Wehr der Düstermühle. Das bestätigt Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken auf Anfrage.

Bei Profilan wurde eine Ausgleichsmaßnahme im Herbst abgeschlossen. Mit Totholz wird hier der Dinkelverlauf verändert.

Bei Profilan wurde eine Ausgleichsmaßnahme im Herbst abgeschlossen. Mit Totholz wird hier der Dinkelverlauf verändert. Anzeichen deuten daraufhin, dass von hier die Stämme kommen, die abtrieben. Am Dienstagnachmittag waren dort jedenalls dicke Baumstämme zu sehen. © Ronny von Wangenheim

Alfons Büscher wurde bei seinen Kontrollfahrten, die er bei solchem Wetter wie am Sonntag macht, bereits ein, zwei Kilometer vor der Düstermühle bei der Brücke Herdering in der Bauerschaft Wehr fündig. Direkt vor der kleinen Brücke hat sich ein sechs Meter lange Baumstamm quergelegt, das Wasser fließt darüber. Ein zweiter dicker Stamm hat sich unter der Brücke verkeilt.

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Buchenstämme sollen zeitnah entfernt werden

Eine Firma hat Büscher bereits in seiner Funktion als Vorsteher beauftragt. Am Mittwoch werden die Stämme aus dem Wasser gezogen. Rechtzeitig, bevor weitere Regenfälle die Dinkel noch einmal anschwellen lassen. Auch am Dienstag ist sie noch randvoll, immer wieder steht auch Wasser auf den Wiesen.

An dem dicken Buchenstamm sind weitere Holzpfosten und Draht befestigt.

An dem dicken Buchenstamm sind weitere Holzpfosten und Draht befestigt. © Ronny von Wangenheim

An dem Buchenstamm sind kleine Pfosten und Drähte befestigt. Das könnten Hinweise darauf sein, dass sie im Flussbett befestigt waren. Auch Friedhelm Kleweken geht davon aus, dass es sich um Totholz aus einer ökologischen Maßnahme handelt. Woher genau sie stammen, konnte er allerdings am Dienstag nicht sagen.

Baumstämme sind eine große Gefahr

Legdens Bürgermeister weiß um die Gefahr. Denn durch die Fließgeschwindigkeit der Dinkel bei derartigen Pegelständen nehmen die Baumstämme Fahrt auf. „Solche Stämme können Wehre beschädigen oder sie unbenutzbar machen“, sagt er.

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„Der Schaden kann enorm sein“, stellt auch Thorsten Meyer von der Gemeindeverwaltung Heek klar. Die Baumstämme könnten wie „Torpedos“ wirken. Und genau deshalb blickt Meyer auch mit Sorgen auf den Fakt, dass der Verbleib der zwei Baumstämme derzeit nicht klar ist. Das Wehr in Nienborg haben sie jedenfalls (noch) nicht passiert. Oder es hat niemand mitbekommen. Angesichts der Tatsache, dass die Wehre Sonntagnacht besetzt waren, eher unwahrscheinlich. „Die Stauwehrbetreiber haben sich gut abgesprochen und waren vor Ort“, sagt Thorsten Meyer.

Dicker Stamm liegt in Heek in der Dinkel

Unabhängig davon liegt am Dienstagnachmittag ein richtig dicker Stamm im Flussbett der Dinkel an der Brücke, die über die Nienborger Straße führt. Ob dieser zu den „vermissten“ Stämme gehört, ist fraglich. Das untere Ende ist abgesplittert und hängt in der Uferböschung fest. Gut möglich, dass die Wassermassen den Stamm erst ins Flussbett gespült haben.

Einen dicken Stamm haben die Wassermassen in das Flussbett der Dinkel an der Brücke über die Nienborger Straße gespült.

Einen dicken Stamm haben die Wassermassen in das Flussbett der Dinkel an der Brücke über die Nienborger Straße gespült. Noch hängt der Stamm am Ufer fest. Die Frage ist: Wie lange noch? © Till Goerke

Davon abgesehen wurde und wird die Gesamtsituation rund um die Pegelstände der Dinkel in Heek „mit einer erhöhten Aufmerksamkeit“ verfolgt. Konkrete Schutzmaßnahmen nach den Richtlinien des Hochwasseralarmplans mussten laut Thorsten Meyer zwar (noch) nicht eingeleitet werden, aber wirkliche Entspannung sei auch nicht angesagt.

Der Dinkelpegel ist seit Sonntagnacht wieder gesunken

Der Dinkelpegel in Heek und Legden ist zwar im Vergleich zu Sonntagnacht wieder gesunken (Dienstagmittag 110 Zentimeter in Heek), doch für die kommenden Tage ist erneut Regen angekündigt. Und das durchaus ausgiebig. „Wir behalten die Situation darum ganz genau im Auge“, sagt Meyer.

Die Wassermassen rauschen durch das Stauwehr in Nienborg. Durch den ausgiebigen Regen ist der Pegel der Dinkel mächtig angestiegen.

Die Wassermassen rauschen durch das Stauwehr in Nienborg. Durch den ausgiebigen Regen ist der Pegel der Dinkel mächtig angestiegen. © Till Goerke

Wie viel Wasser die Dinkel derzeit führt, wird beispielhaft mit einem Blick auf das Wehr in Nienborg deutlich. Mit einem lauten Tosen rauschen die Wassermassen unaufhörlich durch die geöffnete Schleusenklappe. Und auch der analoge Pegelmesser zeigt noch 110 Zentimeter an. Wohlgemerkt, der Normalwert beträgt etwa 40 Zentimeter.

Die Sache mit Totholz muss geklärt werden

Die Sache mit dem Totholz werde in der Dinkelgemeinde ebenfalls kritisch im Augen behalten, wie Thorsten Meyer klarstellt. Denn was aus ökologischer Sicht durchaus Sinn ergebe, könne, wie jüngst gesehen, zu einem echten Problem werden. „Wir prüfen darum aktuell, wie wir das in Zukunft verhindern können.“ Essenziell sei dabei, dass alle Gemeinden an einem Strang ziehen – und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht – ganz im Sinne des Hochwasseralarmplans.

Auf der analogen Messanzeige ist erkennbar: Der Wasserpegel der Dinkel betrug am Dienstagnachmittag 110 Zentimeter. Die kritische Marke von 150 ist nicht allzuweit entfernt.

Auf der analogen Messanzeige ist erkennbar: Der Wasserpegel der Dinkel betrug am Dienstagnachmittag 110 Zentimeter. Die kritische Marke von 150 ist nicht allzuweit entfernt. © Till Goerke

In Legden will sich Bürgermeister Friedhelm Kleweken generell mit dem Thema ökologische Ausgleichsmaßnahmen beschäftigen. „Totholz ist wichtig bei der Renaturierung. Es können sich dort beispielsweise Kleinstlebewesen ansiedeln“, erläutert er, „wenn aber solche Stämme sich lösen können, entsteht ein Interessenskonflikt.“ Er will jetzt den Austausch suchen mit anderen Gemeinden und will deren Erfahrungen mit solchen Renaturierungen abfragen.

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