Fischereiaufseher des ASV beklagen zunehmende Respektlosigkeit

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Krokodile, wie jüngst in Hessen, haben André Swienty und Rainer Borgert in heimischen Gewässern nicht gesichtet. Alte Sofas und anderen Müll finden die Gewässerwarte des ASV Nienborg schon.

Nienborg

, 12.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der ASV Nienborg Dinkel hat mehrere Gewässer im Blick: Dinkel, Wichumer See und Strönfeldsee. Und das nicht nur im Interesse des Angelns. Der Verein kümmert sich außerdem ständig um die Qualität des Wassers, und vor allem um die im Wasser und am Ufer lebenden Tiere, um deren Gesundheitszustand.

Angelvereine benennen aus ihren Reihen Gewässerwarte, die sich dieser Aufgabe besonders widmen. Beim ASV Nienborg sind es Rainer Borgert und André Swienty. Borgerts Lehrgang beim Landesfischereiverband Westfalen und Lippe, in dem er sich zum amtlich bestellten Fischereiaufseher qualifizieren wollte, wurde corona-bedingt verschoben. Er wartet auf einen neuen Termin.

Wachsame Augen auf die Vereinsgewässer

Den hat Vorstandskollege André Swienty schon absolviert und ist damit auch als „amtlich verpflichteter Fischereiaufseher“ legitimiert. Ein großes Aufgabengebiet, das die beiden zu betreuen haben. Es geht nämlich nicht nur um die Begutachtung des Wassers, um Flora und Fauna, sondern auch darum, ob sich Angler an Regeln halten. ASV-Vorsitzender Christian Schubert: „Ob zum Beispiel zugelassene Fangmittel eingesetzt, oder Schonzeiten und Mindestmaße der Fische beachtet werden.“ Keine leichte Aufgabe für Borgert und Swienty, das zu kontrollieren.

Auch die "Handprobe" gehört zur Überprüfung dazu.

Auch die "Handprobe" gehört zur Überprüfung dazu. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Nicht immer nämlich lassen sich die Menschen, die sie auf Verstöße hinweisen, auch überzeugen. „Mitunter reagieren sie sogar recht aggressiv“, sagt Rainer Borgert. So richtig wohl sei es keinem dabei, erst recht nicht, wenn man es mit einer ganzen Gruppe zu tun habe. Eine Entwicklung, die viele andere Angelvereine ähnlich beklagen.

So sieht er aus der offizielle Ausweis eines Fischereiaufsehers.

So sieht er aus der offizielle Ausweis eines Fischereiaufsehers. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Wie auch, dass das Schwarzangeln zunimmt. „Viele sind sich gar nicht bewusst, dass es sich dabei, wie auch Wilderei, um eine Straftat handelt und hohe Strafen drohen können“, betont Christian Schubert. Abhängig vom Grad des Verstoßes und der Einsichtsbereitschaft der Betroffenen werden im Zweifelsfall aber auch Gemeinde und/oder Polizei eingeschaltet.

Müll wird zum Riesenproblem

Und eine für die ASVler besonders ärgerliche Entwicklung erfordert inzwischen großen Einsatz vom Verein: Müll in Massen. André Swienty: „Kaum vorstellbar, was Menschen an Unrat zurücklassen.“ Flaschen, Windeln, menschliche und tierische Exkremente und, und, und. Für André Swienty ist das immer das gleiche Problem: „Die Respektlosigkeit nimmt einfach zu.“ Die Beseitigung des Mülls übernimmt der ganze Verein. Zum Beispiel bei seinen Arbeitseinsätzen. Nicht nur die Gewässerwarte.„Aber denen fällt es als erste auf, und sie zeigen die Verunreinigung an“, erklärt der ASV-Chef.

Klare Vorgaben gibt es für die Fischereiaufseher, die als "Dienstkraft" des Kreises im Einsatz sind.

Klare Vorgaben gibt es für die Fischereiaufseher, die als "Dienstkraft" des Kreises im Einsatz sind. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Umwelt und Naturschutz stehen schon seit Jahren verstärkt auf der Agenda des ASV Nienborg Dinkel. Vorsitzender Schubert ist überzeugt, dass ein Großteil der rund 300 Vereinsmitglieder sich als Naturschützer verstehen: „Sie haben Respekt vor Flora und Fauna.“

Überhaupt hat sich der Verein gewandelt. Inzwischen taucht das S zwar noch in der Kurzform des Vereinsnamens auf, mit Sport, wofür es mal stand, hat es aber nichts mehr zu tun. „Angeln und Sport, das passt in keiner Weise zusammen“, wird Christian Schubert deutlich. Das sei vielleicht vor 30 Jahren mal so gewesen, aber schon lange gehe es nicht mehr darum „wer hat den größten Fisch“. Sondern: „Was wir fangen, essen wir auch.“

Kontrastprogramm zum Alltag

Die Motive, sich im Verein und zudem als Gewässerwart/Fischereiaufseher zu engagieren, sind bei Rainer Borgert und André Swienty fast identisch: Runterkommen vom Alltag, weg von Auto und Beton, rein in die Natur. Und dort darauf zu achten, dass Tiere und Pflanzen vernünftig behandelt werden. Eine Haltung, die beide auch an Kinder weitergeben möchten. An die eigenen, aber auch an die, für die der ASV spezielle Projekte wie das „Quappen-Projekt“ anbietet. Schließlich sind fast ein Drittel der Mitglieder Jugendliche.

Eine positive Entwicklung haben übrigens auch die beiden ASV-Gewässerexperten festgestellt: Die Wasserqualität sei deutlich besser geworden. „Gar nicht so gut für uns Angler“, weist Christian Schubert darauf hin, dass weniger Nährstoffe sich auf den Fischbesatz auswirken.

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