Festnahme bei Verkehrskontrolle: Mann (35) will Beamten „billig“ täuschen

dzGerichtsprozess

Bei einer Verkehrskontrolle nahmen Polizeibeamte im August 2019 in Heek einen mit vier Haftbefehlen gesuchten Mann fest. Dieser versuchte die Beamten noch auf „billige“ Art zu täuschen.

Heek

, 09.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

15. August 2019. Polizeibeamte führen in Heek eine gezielte Verkehrskontrolle durch. Sie halten Ausschau nach Fahrzeugen einer bestimmten Baufirma. Gesucht wird ein 35-jähriger Mann, auf den vier Haftbefehle ausgestellt sind. Angeblich soll der Mann bei der betreffenden Firma als Aushilfskraft tätig sein. Intensive Ermittlungen haben die Beamten auf die Spur des 35-Jährigen geführt.

Und tatsächlich, die Handschellen schnappen an diesem Tag in Heek zu. Der gesuchte Mann geht der Polizei ins Netz. Dabei hatte dieser noch versucht, die Beamten mit einem „billig gefälschten“ Führerschein aus Lettland zu täuschen, um seine wahre Identität zu verschleiern. Genau aus diesem Grund musste sich der Mann kürzlich wegen Urkundenfälschung vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten.

Der Angeklagte findet fadenscheinige Ausrede

„Ich wollte nicht absichtlich täuschen“, führte der Angeklagte in gebrochenem Deutsch aus. Da er wegen der anderen Vergehen derzeit in der JVA Münster einsitzt, wurde er von einer Polizeistreife zum Amtsgericht Ahaus gefahren. In Handschellen und unter Bewachung zweier Justizvollzugsbeamten nahm der 35-Jährige im Saal Platz.

„Das soll ich Ihnen glauben?“, schüttelt der Richter mit dem Kopf. „Sie wurden mit vier Haftbefehlen gesucht. Sie waren auf der Flucht!“ Laut des Angeklagten, der als Beifahrer im Firmenwagen saß, sei ihm der Führerschein nur zufällig aus dem Portemonnaie gefallen. Von einem bewussten Aushändigen könne keine Rede sein.

Ein Polizeibeamter war als Zeuge geladen

Zur Erklärung: Bereits Anfang des Jahres wurde dieser Fall vor dem Amtsgericht Ahaus verhandelt. Doch seinerzeit musste der Prozess nach wenigen Minuten vertagt werden, da die Polizeibeamten, welche die Kontrolle durchführten, nicht als Zeugen geladen worden waren. Dem war jetzt anders.

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„Um die Identität des Mannes einwandfrei feststellen zu können, haben wir ihn aus dem Auto gebeten und ein Ausweisdokument verlangt“, sagte einer der Polizisten im Zeugenstand aus. Daraufhin habe der Angeklagte den schlecht gefälschten Führerschein vorgezeigt. Name und Geburtsdatum wurden darauf verändert. Das Aushändigen selbst war dementsprechend ein aktiver Vorgang. „In dem Wissen, Ihre Identität zu verschleiern“, wie der Richter klarstellte.

Der Führerschein war eine billige Fälschung

Besorgt hatte sich der Angeklagte den „Lappen“ bei einem dubiosen Anbieter in seinem Heimatland. Der Grund: Er hatte Probleme mit der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) – in der Umgangssprache auch „Idiotentest“ genannt. Die Fälschung bezeichneten sowohl Richter als auch Staatsanwalt als „offenkundig billige Fälschung“.

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Dem konnte und wollte der Angeklagte dann auch nicht mehr widersprechen. Stattdessen kam er mit einer ungewöhnlichen Bitte um die Ecke. „Bitte nicht so viel neue Strafe. Ich muss doch noch so lange.“ Mindestens ein Jahr liegt noch vor dem 35-Jährigen. „Das ist schlimm. Das ist ja wie unbezahlter Urlaub“, legte der Angeklagte nach.

Der Angeklagte hat schon etliche Vorstrafen

Worte, die den Richter herzlich wenig beeindruckten. Im Gegenteil. Erst recht, als er die zwölf Einträge im Bundeszentralregister des Angeklagten verlas. Über Trunkenheit am Steuer, Diebstahl, Hehlerei bis hin zu Fahren ohne Fahrerlaubnis war praktisch alles dabei. Etliche Monate Freiheitsstrafe musste der Angeklagte darum schon absitzen.

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Dementsprechend kam das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach, die für den 35-Jährigen auf die noch laufende Haftstrafe weitere sechs Monate ohne Bewährung einforderte. „Das ist auch angemessen, weil Ihr Vorstrafenregister einfach zu lang ist“, so der Richter.

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