Diakon Harald Schneider ist auf dem Lebensweg manches Mal abgebogen

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Zunächst als Pastoralreferent, später als Diakon, hat Harald Schneider in Heek vieles initiiert und gefördert. Am 31. März wird er offiziell verabschiedet.

Heek

, 24.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Diakon Harald Schneider erst einmal loslegt, ist er nur schwer zu stoppen. Gestenreich und mit Leidenschaft spricht er über seine Entscheidung, als Diplom-Ingenieur zunächst Priester werden zu wollen und dann auf die Ausbildung zum Pastoralreferenten umzusatteln, über seine vielen Jahre in der Jugendarbeit in der Kirchengemeinde Heilig Kreuz, über die Gespräche mit jungen Eltern, wenn sie ihre Kinder taufen lassen wollen. Wenn es dann aber um die Missbräuche in der Kirche oder den Skandal um den Bischof von Limburg geht, mischt sich Wut in seine Stimme. „Man tut so viel, um die Leute vor Ort zu erreichen, und dann passieren solche Dinge. Das ist für uns wie ein Schlag ins Gesicht“, meint Schneider. „Das macht mir zu schaffen, das bewegt mich.“ Und das wird ihn weiterhin bewegen. Auch nach seinem Renteneintritt zum 1. April.

Mehr Zeit für die Familie

Denn Harald Schneider verlässt mit 63 Jahren zwar am 31. März den aktiven Dienst in der Kirchengemeinde. In vielen Bereichen bleibt er ihr aber trotzdem erhalten. Für den Dienst bei Beerdigungen, Trauungen, Silber- und Goldhochzeiten, Taufen, als Notfallseelsorger für die Feuerwehr sowie in der Organisation „Dienst am Nächsten“ und der Hospizgruppe. Doch dafür werden die regelmäßigen Termine weniger werden, ihm bleibt mehr Zeit für die Familie und für Reisen, zum Lesen und für die Gesundheit. Dabei ist Harald Schneider Umbrüche in seinem Leben gewohnt. Denn sein Lebensweg verlief alles andere als geradlinig. Immer wieder bog er ab, änderte noch einmal die Richtung. Als Architekt entschied er sich, die Ausbildung zum Priester zu beginnen, kurz vor der Weihe justierte er noch einmal neu und begann eine Ausbildung zum Pastoralreferenten. Auf diesem Weg ist er geblieben. Und dieser führte ihn vor 26 Jahren nach Heek. Seitdem ist er der Pfarrei Heilig Kreuz erhalten geblieben, stieß viele Veränderungen an, stellte unter anderem die Jugendarbeit auf breitere Füße.

Kritische Gespräche

Für ihn ist vor allem eines wichtig: dass die Kirche und die Menschen, die für sie arbeiten, authentisch sind. „Jesus wird spürbar durch die Menschen, dadurch, wie sie miteinander umgehen“, meint er. Es gebe so viele Menschen, die sich im guten Sinne für die Kirchen und den Glauben einsetzen. „Die Kirche ist so gut wie die Menschen, die in ihr leben“, findet er. Dabei scheut er auch keine kritischen Gespräche mit Gemeindemitgliedern. Ganz im Gegenteil: Ihm gefällt es, wenn sie sich mit dem Glauben auseinandersetzen und ihn an ihren Gedanken teilhaben lassen.

Kirche in 100 Jahren

Fragt man Harald Schneider danach, wie er sich die Kirche in 100 Jahren wünscht, muss er nicht lange überlegen. Die hierarchischen Strukturen sollten aufgeweicht werden, Laien sollten mehr Mitsprache, die Ortskirche sollte mehr Gewicht bekommen. Damit meint er nicht nur die Kirchengemeinden, sondern auch das Bistum sowie die Länder. „Die deutsche Kirche ist ja schon eine ganz andere wie zum Beispiel jene in Indien“, sagt er. Und überall würden andere Themen diskutiert. Während etwa in Deutschland das Zölibat scharf kritisiert werde, sei das in Indien kaum ein Thema. Und noch etwas treibt ihn um: „Ich würde mir wünschen, dass das Zölibat in der aktuellen Form aufgehoben wird“, sagt er. Vielmehr solle man es den Menschen freistellen, ob sie diese Lebensform wählen möchten. Und gleichzeitig sollten Frauen mehr Mitsprache bekommen, auch das Recht haben, als Priesterin zu fungieren. Doch wenngleich er der Meinung ist, dass in der Kirche „dringend etwas passieren muss“, weiß der 63-Jährige, dass das nicht von heute auf morgen passiert. „Die Kirche ist sehr hierarchisch, da dauert so etwas länger. Das ist nicht schön, aber das ist so.“

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