In einem Heeker Unternehmen wurde wegen nachgewiesener Infektionen am Dienstag (16. März) ein Massentest durchgeführt (Symbolbild). © picture alliance/dpa
Coronavirus

Corona-Ausbruch: Massentest und Kontrollen in Heeker Unternehmen

Ausgerechnet in einer Heeker Firma, die FFP2-Masken produziert, ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Jetzt erfolgte ein Massentest. Und auch das Dezernat für Arbeitsschutz war vor Ort.

Ausgerechnet in einem Heeker Unternehmen, das wegen der Pandemie im großen Stil FFP2-Masken produziert, ist es zu einem Corona-Ausbruch gekommen. 21 polnische Leiharbeiter sind mittlerweile nachweislich mit dem Virus infiziert. Am Montag waren es noch sieben.

Das zog am Dienstag (16. März) nicht nur einen Massentest nach sich, sondern rief auch das Dezernat für Arbeitsschutz der Bezirksregierung Münster auf den Plan.

17 Abstriche wurden genommen

17 Abstriche wurden in der betroffenen Firma im Gewerbegebiet Heek-West genommen, wie Kreis-Pressesprecher Karlheinz Gördes berichtet. „Es handelt sich dabei um Personen, die mit den Infizierten Kontakt hatten oder gehabt haben könnten.“ Die Ergebnisse werden bereits für Mittwoch (17. März) erwartet. „Das geht in der Regel sehr zügig.“

Zudem war das Dezernat für Arbeitsschutz der Bezirksregierung Münster im Unternehmen, das FIT (Farm Innovation Team) heißt. Das bestätigt Bezirksregierungs-Pressesprecher Andreas Winnemöller auf Redaktionsanfrage. Überprüft worden seien dabei die Corona-Arbeitsauflagen. Sprich, ob alles so hygienisch abläuft, wie es vorgeschrieben ist. Das Ergebnis? „Es gab nichts zu beanstanden“, so Winnemöller.

Beanstandungen gibt es allerdings mit Blick auf die Unterbringung der Leiharbeiter in Billerbeck. Doch der Reihe nach. Der geschäftsführende FIT-Gesellschafter Jens Rudolph ist im Gespräch mit der Redaktion zunächst mal froh, dass die Bezirksregierung keine Mängel festgestellt hat.

Die Produktion wurde ausgesetzt

Man achte stets penibel auf die Hygienevorschriften. Dazu gehörten auch in Eigenregie durchgeführte Schnelltests und das Arbeiten unter Atemschutz. Darum geht man bei FIT davon aus, dass die Infektionen das Ergebnis privater Kontakte seien. Zum Schutz aller weiteren Mitarbeiter in der Produktion sei diese bereits am Montag unterbrochen worden.

„Die Maschinen wurden abgestellt und alle Mitarbeiter in häusliche Isolation geschickt“, so Jens Rudolph. Dies soll Bestand haben, bis die Ergebnisse des Massentests vorliegen. Ende der Woche peilt das Unternehmen einen einschichtigen Restart der Produktion an.

Quarantäne in Billerbeck

Zur Unterkunft der FIT-Leiharbeiter in Billerbeck. Verlassen dürfen die Arbeiter diese nicht. Das Kreisgesundheitsamt Coesfeld hat Quarantäne angeordnet. Und die Stadtverwaltung hat, um auf Nummer sicher zu gehen, einen Sicherheitsdienst mit der Zugangskontrolle des Gebäudes beauftragt. Die Infizierten fließen wegen des „Wohnortes“ in die Statistik des Kreises Coesfeld ein.

Problem: Bei der „Unterkunft“ in Billerbeck handelt es sich um ein Bürogebäude. Laut Stadtverwaltung darf das Gebäude nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Das bestätigt Bürgermeisterin Marion Dirk auch auf Nachfrage der Redaktion.

Erste Hinweise auf illegale Nutzung

Die ersten Hinweise aus der Bevölkerung auf die illegale Nutzung habe es nach Auskunft der Stadt bereits Ende Februar gegeben. Bei einer ersten Überprüfung habe es aber keine Auffälligkeiten gegeben. Die Mitarbeiter der Stadt dürften das Gelände allerdings auch nicht betreten. Seit vergangenen Dienstag habe die Stadt aber Gewissheit über die illegale Wohnnutzung.

Daraufhin sei Kontakt mit der Firma FIT aufgenommen worden. Klare Ansage: Das Gebäude sei innerhalb einer Woche zu räumen. Zwar sei das Unternehmen beim Kreis Coesfeld nachträglich für eine Genehmigung vorstellig geworden, doch in einem Gewerbegebiet dürfte das Ansinnen ohnehin keine Aussicht auf Erfolg haben.

Bürgermeisterin findet deutliche Worte

Billerbecks Bürgermeisterin Marion Dirks findet jedenfalls deutliche Worte: „Ich bin komplett bestürzt und stocksauer.“ Es gehe grundsätzlich nicht, dass Menschen in Räumlichkeiten untergebracht würden, die nicht für eine Wohnnutzung geeignet seien und erinnert dabei auch an die Diskussion über die Unterkunft-Situation in der Fleischindustrie, die es im vergangenen Jahr gegeben hat.

Die Bürgermeisterin appelliert an das Unternehmen, zusammen mit dem Gesundheitsamt adäquate Unterbringungsmöglichkeiten zu finden, damit die Menschen die Quarantäne nicht in Büroräumen verbringen müssten. Der Kreis Coesfeld prüfe derzeit, ob bauaufsichtlich die Wohnnutzung in dem nicht zum Wohnen genehmigten Gebäude zu untersagen ist.

Wie wird die Frist bemessen?

Bei einer möglichen Fristenbemessung werde voraussichtlich der Umstand zu berücksichtigen sein, dass eine sofortige Wirkung einer solchen Verfügung zum unkontrollierten Hinaustragen von Infektionen führen könnte. Insofern gelte es zu prüfen, ob die Bewohner für die Dauer von Quarantänefristen noch dort verbleiben sollten.

Dessen ungeachtet sei momentan aber das Wichtigste, die betroffenen Personen mit Lebensmitteln zu versorgen und regelmäßig ärztlich zu beobachten, wie der Coesfelder Krisenstabsleiter Ulrich Helmich bereits am Montag klarstellte. Das hat das Heeker Unternehmen zugesichert. „Wir warten jetzt ohnehin erst mal die Test-Ergebnisse ab“, so FIT-Geschäftsführer Jens Rudolph.

Der auch noch eine gute Nachricht parat hat: Jenem erkrankten Leiharbeiter, der stationär behandelt wird, gehe es im Vergleich zu Sonntag bereits deutlich besser. „Er ist erfreulicherweise auf dem Weg der Besserung.“

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