Bürgerschützen Nienborg: Schlägerei, 12-Pfennig-Geschosse und Festvergabe

dzSerie zum Jubiläum

Der Allgemeine Bürgerschützenverein Nienborg „feiert“ 2020 sein 500-jähriges Bestehen. In einer Serie blicken wir auf die Vereinsgeschichte zurück. In Teil vier geht es um die Zeit nach 1906.

von Martin Mensing

Heek

, 30.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Krise hat den Bürgerschützen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die großen Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag müssen ausfallen. 2021 wird ein neuer Anlauf genommen. Von der Krise unberührt ist die Serie zum großen Vereinsjubiläum. In Teil vier geht es um die wechselhafte Geschichte nach 1906.

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Bis zu diesem Jahr, so heißt es, fand bereits am Kirmes-Sonntag ein Festzug der Schützen durch den Ort statt. Dieser Brauch wurde jedoch jäh und für immer beendet, nachdem es zu einer Schlägerei mit Eper Jugendlichen kam. Diese sollen die Nienborger Schützen während des Festzuges durch ans Hemd geheftete Bohnen verspottet haben – die Kirmes in Nienborg wurde nämlich auch „Bohnendöpper Kirmes“ genannt.

Geschosse für 12 Pfennig

Vereinsprotokolle befinden sich seit 1908 im Archiv. Das erste Protokoll behandelt die Generalversammlung vom 28. Juni 1908 beim Wirt Telkers. Es wurde beschlossen, eine Vereinsfahne zum Preis von 155 Mark bei der Fahnenfabrik Franz Reinecke in Hannover in Auftrag zu geben. Bei der Wahl des Offizierskorps wurde der bisherige Oberst Hermann Schilling wiedergewählt.

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Schießwart Josef Kötte wurde damit beauftragt, zum Schützenfest Geschosse zum Preis von Stück 12 Pfennig zu besorgen. Aus diesem Jahr existieren die ältesten Bestimmungen für die Festvergabe. Das Fest wurde meistbietend an einen einheimischen Wirt vergeben. Dieser musste das Zelt beschaffen und bezahlen und sich um die Verpflegung der Musik kümmern. Beim Fest durfte nur Bier von der Rolinck-Brauerei ausgeschenkt werden.

Verein beschließt neue Statuten

Auf der Generalversammlung bei Hoffkamp Anfang 1910 wurde der bisherige Vorsitzende Josef Fabry wiedergewählt. Im Sommer des Jahres beschloss der Verein neue Statuten. Derjenige, der den Königsschuss tut, erhält aus der Kasse 20 Mark. Sowohl beim Vogel- als auch beim Scheibenschießen wird nach gezogener Nummer geschossen, es darf weder ein Schuss verkauft noch verschenkt werden.

Offizierskorps, Amtmann und König vor dem „Langen Haus"

Offizierskorps, Amtmann und König vor dem „Langen Haus" – Stehend (v.l.): Hermann Schilling (Ehrenmitglied), Gerhard Lütke-Wissing (Adjudant), Franz Mensing (Oberstleutnant), Hermann Schlüter (Major), Franziska Krabbe, Hugo Krabbe (Amtmann), Bernhard Wigger gt. Lütke Lembeck (Oberst), Anton Wissing (Leutnant), Paul Schilling (Adjudant). Zu Pferd: Josef Kötte (Hauptmann), Bernhard Rohling (König), Bernhard Opperbeck, Wilhelm Nacke und Franz Büring, Theodor Franzbach, Josef Meyer (Fahnenoffizier) © Repro Mensing


Zum Fest sollten die Schützen mit einem grünen Band und Hut und der Vorstand in Frack und Zylinder erscheinen. Im Sommer 1911 übergab der ehemalige Schriftführer Ferdinand Frerich gt. Schulte dem Verein ein Schilderbuch, in dem er in künstlerischer Weise sämtliche Schützenkleinodien in Tusche eingezeichnet hatte.

Kein Schützenfest im Ersten Weltkrieg

Auf der Nationalfeier zur „Erinnerung an die Befreiung Deutschlands und zur 25-jährigen Thronbesteigung seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. beteiligte sich der Schützenverein im Sommer 1912. Für das Schützenfest sollten für die Offiziere neue Hüte angeschafft werden.


Infolge der sich überstürzenden Ereignisse zu Beginn des 1. Weltkrieges fand weder das Schützenfest noch die Kirmes statt. Das bereits aufgebaute Zelt und die Kirmes wurden wieder abgebaut. Durch die Kriegswirren ruhte das Vereinsleben für mehrere Jahre.

Brüdervereine wurden besucht

Die erste Generalversammlung nach dem Krieg hielt der Verein am 27. Juni 1920 beim Festwirt Gerhard Kock ab. Unter dem Vorsitz von Josef Fabry wurde der Verein neu ins Leben gerufen. Es wurde der Beschluss gefasst, eine Deputation zum Schützenfest des neugegründeten Vereins Wext, Wichum, Ammert zu entsenden. Die gegenseitige Besuche der Brüdervereine bei den jeweiligen Fest werden seit der Zeit intensiv gepflegt.

Der Jubelkönig der Bürgerschützen 1930: Gerhard Fiebach

Der Jubelkönig der Bürgerschützen 1930: Gerhard Fiebach © Repro Mensing


Ein Jahr später wurde das erste Schützenfest gefeiert. Wegen der Inflationszeit kam das Vereinsleben fast zum Erliegen. 1924 konnte die Tätigkeit im Verein endlich wieder aufgenommen und ein Schützenfest gefeiert werden, nachdem durch die Errichtung der Deutschen Rentenbank 1923 eine Stabilisierung der Währung herbeigeführt worden war.

1926 wollte man zuerst von der Feier eines Schützenfestes absehen, da Anfang Juli fünf Häuser in der Hauptstraße und zwei Häuser auf der Burg abgebrannt waren. Da niemand ums Leben kam, wurde das Schützenfest schließlich doch gefeiert.

250-jährige Bestehen ohne großes Fest

Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage, vor allem in der Industrie, nahm der Verein von der Idee Abstand, das 250-jährige Bestehen mit einem großen Jubiläumsfest zu feiern. In bewährter Form wurde das Fest im Jahr 1930 mit dem Jubelkönigspaar Gerhard Fiebach und seiner späteren Ehefrau Ludowika Nacke gefeiert.

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Viele Jahre fertigte Fiebach den Vogel an. Die schlechte wirtschaftliche Lage führte in den Folgejahren ebenfalls zu Beeinträchtigungen bei den Festen. Nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg fiel das geplante Sommerfest 1934 wegen der angeordneten Staatstrauer aus, die Kirmes wurde allerdings gefeiert.

Protokollbuch schweigt für zehn Jahre

Zwei Jahre später legte der langjährige 1. Vorsitzende Josef Fabry sein Amt nieder und zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Durch Verfügung des Reichssportführers wurden 1936 alle Schützenvereine dem „Deutschen Schützenbund“ im „Reichsbund für Leibesübungen“ eingegliedert. Sämtliche andere Schieß- und Schützenverbände wurden aufgelöst.

Ein Auszug des Festprogramms von 1924

Ein Auszug des Festprogramms von 1924 © Repro Mensing


Der Bürgerschützenverein wurde dem Verband unter der Nummer 10612 angegliedert. An Neujahr 1937 übernahm der „Deutsche Schützenverband“ die Führung der Schützenvereine. Josef Kötte junior wurde die Bildung einer Schießgruppe übertragen.
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Im Jahr 1938 fand das letzte Schützenfest vor dem ein Jahr später beginnenden 2. Weltkrieg statt. Königspaar waren August und Maria Nacke. Wenige Tage nach dem Fest erfolgte der vorerst letzte Eintrag im Archiv. Danach schweigt das Protokollbuch des Vereins für genau zehn Jahre.

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