Bürgerschützen Nienborg: Als Marsch-Verweigerung Festzelt-Verbot bedeutete

dzSerie zum Jubiläuem

Der Allgemeine Bürgerschützenverein Nienborg „feiert“ 2020 sein 500-jähriges Bestehen. In einer Serie blicken wir auf die Vereinsgeschichte zurück. In Teil drei geht es um Schützenfeste.

von Martin Mensing

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, 05.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Krise hat den Bürgerschützen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die großen Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag müssen ausfallen. 2021 wird ein neuer Anlauf genommen. Von der Krise unberührt ist die Serie zum großen Vereinsjubiläum. In Teil drei geht es um Schützenfeste und Regeln.

Der Einstieg erfolgt zu zu Beginn des 19. Jahrhunderts, denn zu diesem Zeitpunkt, so scheint es, hat die Nienborger Schützengesellschaft gar nicht mehr existiert. Die Franzosen hatten die Schützen in Übereinschätzung ihres noch vorhandenen militärischen Wertes aufgehoben. Das Ende? Nein.

Denn 1821 feierten die Bürgerschützen dann (doch) ihr erstes Schützenfest, nachdem der Verein wohl zuvor neu ins Leben gerufen worden war. Es ist denkbar, dass gerade zu diesem Fest viele der alten silbernen Schilder verkauft worden sind, um die Schützengesellschaft neu zu gründen und um endlich wieder feiern zu können.

Die Bevölkerung wünschte sich ein Schützenfest

1834 wurde dann sogar auf Wunsch der Bevölkerung durch Bürgermeister von Plönies ein Schützenfest angeordnet und gefeiert. In dem Jahr entstand wohl der Schützenverein, der noch heute unter dem Namen „Allgemeiner Bürgerschützenverein“ besteht und aus dem Vereinsleben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken ist.

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1887 erfolgte die Namensänderung in „Allgemeiner Bürgerschützenverein Nienborg“. Der Name zierte erstmalig die Vereinsfahne aus dem Jahre 1908. Ein Junggesellenschützenverein wurde 1834 in Nienborg ins Leben gerufen. Der Grund für die Abspaltung von den Bürgerschützen ist im Vereinsarchiv nicht festgehalten. Das erste Königsschild trägt die Inschrift „Engelbert Pegel König der Bürgergesellen zu Nienborg.“

1878 löste sich der Verein wieder auf

1878 löste sich der Verein wieder auf. Das letzte Königspaar waren Antonius und Catarina Depenbrock. Es erfolgte eine Zusammenlegung mit dem Bürgerschützenverein. Die beiden Königsketten wurden ebenfalls vereinigt. Die Königsschilder beider Vereine lassen sich heute bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr auseinanderhalten.

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Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte die Zusammenlegung des Schützenfestes mit der Heilig-Geist-Kirmes, die seit Jahrhunderten am ersten Augustwochenende am Armenhaus stattfand. Das älteste erhaltene Festprogramm sowie die ältesten Vereinsstatuten stammen aus diesem Jahr. Das Fest begann am Sonntagabend mit einem Zapfenstreich.

Die Schützen werden am Montagmorgen geweckt

Damals wie heute wurden am Montagmorgen die Schützen geweckt. Danach folgten die Schützenmesse und das Ausholen der Fahnen und Stabsoffiziere. Nach dem Vogelschießen wurde am Abend nach der Polonaise das neue Königspaar Joseph Telker (Wirt und Krämer) und Anna Telker gebührend gefeiert. Am Dienstag gab es ein tagsüber Scheibenschießen und am Abend einen weiteren Festball.

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Jeder Mann unter 50 Jahren, welcher Mitglied im Verein war, war verpflichtet, den öffentlichen Aufzügen beizuwohnen. Wer nicht mitmarschieren wollte, musste seine Gründe dem Vorstand vortragen, der dann über die Stichhaltigkeit beriet. Der Schütze, der nicht am Festzug teilnahm, und nach Beschluss des Vorstandes keine genügende Entschuldigung hatte wurde, durfte das Festzelt nicht betreten.

Lauben aus Grün dienten als Festräumlichkeit

Erstmalig feierten die Bürgerschützen in Nienborg ihr Schützenfest in dem Jahr in einem Zelt. Davor dienten wohl Lauben aus Grün als Festräumlichkeit. Seit dieser Zeit wird am ersten Wochenende im August (Sonntag: Fest Verklärung Christi) Schützenfest und Kirmes gefeiert. Fand das Vogelschießen auf dem Schüttenkamp in der Nähe des Armenhauses statt, so wetteiferten die Schützen beim Scheibenschießen in einer Geländevertiefung auf der Kusenborg.

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Während es beim Vogelschießen mehr oder weniger den Zufall überlassen blieb, wer den Königsschuss tat, bedeutete das Scheibenschießen eine wirkliche Prüfung der Schießkunst der Schützen. Der Scheibenkönig, der mit am Thron saß, hatte keine besonderen Rechte und Pflichten.

Das Vogelschießen wird auf den Sportplatz verlegt

1950 wurden sowohl das Vogelschießen als auch das Scheibenschießen auf den Nienborger Sportplatz verlegt. Wegen mangelnder Beteiligung wurde 1961 das Scheibenschießen und 1970 das dafür eingerichtete Sternschießen ganz fallen gelassen.

Neben den für die wehrsportliche Leistung zuständigen Hauptleute (Bürgermeister) gab es zur damaligen Zeit sogenannte Schäffner, denen die Sorge für die wirtschaftlichen Dinge, die Gestaltung der Festfeiern und Schützengelage oblag. Ein Kleindienmeister sorgte für die Wertsachen und führte die nötigen Bücher. Oft bekleidete der schlechteste Schütze das Amt eines Pritschenmeisters. Es war der Lustigmacher des Vereins, ein Art Hofnarr.

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