Das Bauvorhaben für zwei Mehrfamilienhäuser auf der 1840 Quadratmeter großen Fläche sorgt für reichlich Unmut bei den Anliegern. © Markus Gehring
Nachverdichtung

Beckers Kamp/Grimmeltstraße: Anwohner verärgert über Bauvorhaben

Bald schon könnten am Beckers Kamp/Grimmeltstraße die Bagger anrollen. Zwei Mehrfamilienhäuser sollen dort entstehen. Dafür kritisieren die Anlieger Lokalpolitik und Verwaltung scharf.

Eigentlich ist alles klar. Auf der 1840 Quadratmeter großen Fläche am Beckers Kamp/Grimmeltstraße sollen zwei Mehrfamilienhäusern mit jeweils sechs Wohneinheiten entstehen. Doch die politisch forcierte Nachverdichtung stößt bei den direkten Anliegern auf Unmut. Sie fühlen sich von der Verwaltung übergangen.

„Wir haben von den Plänen nur aus der Zeitung erfahren. Wir hätten uns gewünscht, dass die Öffentlichkeit mitgenommen wird. Wir als Nachbarn fühlen uns total übergangen“, stellt Margret Flüthmann im Gespräch mit der Redaktion klar.

Schreiben an die Verwaltung

Um dem Unmut Nachdruck zu verleihen, haben die Anlieger ein Schreiben an die Verwaltung aufgesetzt und vergangene Woche eingereicht. Dieses Schreiben liegt auch der Redaktion vor.

Darin kritisieren die Verfasser die Dimension der geplanten zweigeschossigen Mehrfamilienhäuser als „zu massive Bebauung“, die „einen enormen Einschnitt in das Wohngebiet darstellt“. Die geplante Nachverdichtung entspreche auch nicht der Ortsüblichkeit.

In dem von vielen Personen unterzeichneten Schreiben fordern die Anlieger die Verwaltung auf, die geplante Bebauung in der derzeitigen Form nicht zu genehmigen. Damit kritisieren die Anlieger das politisch einstimmig erteilte Einvernehmen der Gemeinde.

Der Kreis ist Genehmigungsbehörde

Doch genau an dieser Stelle ist der Knackpunkt. Da für die besagte Fläche kein Bebauungsplan vorliegt, greift das Baugesetzbuch (BauGB). Dieses sieht zwar eine Beteiligung der Gemeinde vor, doch die Genehmigungsbehörde ist der Kreis Borken. Erteilt der Kreis die Baugenehmigung, sind der Gemeinde die Hände gebunden.

Und selbst wenn die Gemeinde ihr Einvernehmen nach dem BauGB mal nicht erteilt, kann der Kreis die Angelegenheit im Alleingang durchwinken. Dessen ungeachtet sei die Baugenehmigung mittlerweile erteilt, wie der Kreis auf Anfrage mitteilt. Seit der zweiten Kalenderwoche habe der Bauherr grünes Licht.

Klagen die Anwohner?

Darüber würden auch alle Anlieger in einem förmlichen Schreiben informiert, wie der Kreis weiter wissen lässt. Ein solches Schreiben sei bisher jedoch nicht eingegangen, wie Margret Flüthmann sagt. Davon abgesehen bleibt den Anliegern jetzt ohnehin nur noch der Rechtsweg. Etwas, das zumindest Margret und Karl-Heinz Flüthmann aktuell nicht in Betracht ziehen, wie sie sagen.

Und das, obwohl sie jetzt seit über 40 Jahren an jener Örtlichkeit mitten in Heek wohnen. „Uns geht es vor allem darum, der Öffentlichkeit zu zeigen, wie das hier gelaufen ist“, sagen sie. Das ganze Prozedere sei einfach nicht bürgernah.

Bürgermeister bezieht klar Stellung

Doch wie sieht das die Verwaltung? Nachfrage bei Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff. „Es ist legitim, dass sich Bürger zusammentun, um sich so mehr Gehör zu verschaffen“, so der Verwaltungschef. Auch könne er verstehen, wenn die Art der „doch recht massiven Bebauung“ die Anlieger störe.

Doch was der Bürgermeister nicht stehen lässt, ist die Behauptung der fehlenden Öffentlichkeitsarbeit. „Wir informieren über die Vorgänge im Amtsblatt, auf unserer Homepage und auch über die Presse.“ Auch sei das Ratsinformationssystem für jeden zugänglich.

„Was wir nicht machen können, ist von Haustür zu Haustür zu ziehen und jeden Einzelnen über jedes Bauvorhaben zu informieren.“ Und im gleichen Atemzug sagt der Bürgermeister: „Wir sind in der Verwaltung keine Blackbox. Jeder kann das Gespräch mit uns suchen. Dafür gibt es ja auch meine wöchentliche Bürgersprechstunde.“

Lokalpolitiker forderten Nachbesserung

Und leicht gemacht hatte sich die Lokalpolitik die Sache mit dem Erteilen des Einvernehmens ohnehin nicht. Im ersten Aufschlag im Juni 2020 lehnten die Mitglieder des Bauausschusses das Bauvorhaben noch ab. Als zu massiv und städtebaulich unverträglich an dieser Stelle stuften sie das Ganze ein.

Erst nach vielen Gesprächen zwischen Verwaltung, Kreis und dem Architekten entstand letztlich der aktuelle Entwurf, den auch die Lokalpolitiker jüngst absegneten. Jetzt würden die zwei eingeschossigen Mehrfamilienhäuser mit Satteldach in die bestehende Bebauung passen.

Margret Flüthmann widerspricht: „Das wird alles zu eng, auch mit den 18 Parkplätzen. Das werden zu viele Menschen für die Größe der Fläche.“ Dass die nun forcierte Bebauung weniger massiv als die ursprünglich geplante ausfallen soll, tröstet die Eheleute Flüthmann jedenfalls nicht. Das wird im Gespräch deutlich.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.