Ausstellung zeigt die Geschichte der „Zwangsehe“ zwischen Heek und Nienborg

dz50 Jahre Gemeindefusion

Mit einer Ausstellung zur gemeinsamen Geschichte beider Ortsteile will die Gemeinde das 50-jährige Bestehen der Zusammenlegung feiern. Eine Arbeitsgruppe hat sich dafür ins Archiv begeben.

Heek

, 07.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eines stellt Zeitzeuge Josef Schepers gleich klar: „Das war eine Zwangsehe.“ Gemeint ist die Gemeindefusion zwischen Heek und Nienborg. In diesem Sommer ist es 50 Jahre her, dass die beiden Gemeinden sich zur neuen Gemeinde Heek zusammenschlossen. Dieses Jubiläum will die Gemeinde mit einem Fest am Sonntag, 23. Juni, begehen.

Und damit die gemeinsame Geschichte der beiden Ortsteile auch erlebbar wird, gibt es für die Besucher eine Ausstellung mit historischen Bildern und Texten aus den letzten 50 Jahren.

Dafür hat eine Arbeitsgruppe in den Tiefen des Gemeindearchivs gewühlt und zahlreiche Fotos, historische Urkunden und Zeitungsartikel gesichtet. Fünfmal traf sie sich für mehrere Stunden im Archiv. „Wir sind alle Großprojekte der Gemeinde durchgegangen“, sagt Zeitzeuge Wilhelm Brüning.

„Der größte Aufwand war die Sichtung der Fotos“, verrät Gemeindearchivar Bernhard Woltering. „Denn die waren nicht chronologisch geordnet.“ Zahlreiche Kisten mit historischen Bildern durchforstete die Arbeitsgruppe. „Dabei gab es viele Aha-Effekte“, sagt Woltering. „Denn plötzlich erinnert man sich wieder.“

Keine Ausstellung in Nienborg

Diese Aha-Effekte sollen nun auch den Besuchern zugänglich gemacht werden. Die Bilder werden auf Leinwand gedruckt und auch über den Festtag hinaus im Rathaus ausgestellt. Ursprünglich war eine parallele Veranstaltung in Nienborg geplant. „Aber in der Landesmusikakademie hätten wir die Bilder nur einen Tag ausstellen können. Deshalb haben wir uns für einen Standort entschieden“, so Organisatorin Heidi Schiller.

Für Wilhelm Brüning war die Arbeit im Archiv auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. „Es war eine Entscheidung aus bitterer Not“, erinnert sich der ehemalige Kämmerer und stellvertretende Bürgermeister. Denn die Landesregierung hatte eine kommunale Neugliederung beschlossen. Und weder Heek noch Nienborg konnten die geforderte Mindestgröße von 5000 Einwohnern vorweisen.

Einstimmiges Urteil trotz Streitigkeiten

„Da hieß es ‚Friss oder stirb‘“, so Brüning. Denn auch eine Eingliederung nach Gronau oder Ahaus war nicht ausgeschlossen. „Es waren alle Denkspiele möglich.“ Und: „Es standen riesige Aufgaben an, die als kleine Gemeinde nicht zu stemmen waren.“ So etwa die zentrale Wasser- und Abwasserversorgung, die zentrale Müllabfuhr und der Bau einer Hauptschule. „Wie sollte das gehen?“, fragt Brüning.

„Da hat man sich in beiden Räten besonnen“, berichtet er. Um der Zwangs-Neugliederung zuvorzukommen, entschied man sich für den freiwilligen Zusammenschluss. Bemerkenswert: In beiden Räten fiel das Urteil für den Zusammenschluss einstimmig aus. „Obwohl es vorher viel Theater gab“, so Brüning. Und hinterher. Vor allem die Namensgebung sorgte noch lange für Ärger in Nienborg.

Eine Vernunftehe aus Angst vor der Zwangsehe. Und diese feiert nun goldene Hochzeit. Kleinere Ehe-Streitigkeiten gehören wohl dazu. „Heute sieht man die Rivalität eher mit einem Augenzwinkern“, sagt die Nienborgerin Heidi Schiller. „Aber früher war das eine ernste Angelegenheit“, ergänzt Bernhard Woltering. Nicht für Josef Schepers: „Ich habe als Heeker meine schönsten Dienstjahre in Nienborg verbracht“, so der ehemalige Bauamtsleiter.

  • Die Jubiläumsfeier steigt am 23. Juni (Sonntag) von 11 bis 18 im Heeker Rathaus. Los geht es mit einem Sektempfang für geladene Gäste.
  • Ab 12 Uhr ist die Ausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich.
  • Für die Besucher gibt es Kaffee, Kuchen und Grillspezialitäten. Auch ein Kinderprogramm ist geplant.
  • Für die musikalische Begleitung sorgen der Musikverein Heek, die Jugendorchester Heek und Nienborg, der Chor „Singfonie“ und die „Alten Freunde“.
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