32-Jähriger stach wohl weiter zu, als seine Frau schon am Boden lag

dzTotschlag-Prozess

Viele Zeugen, viele Widersprüche – im Prozess gegen den Ehemann der getöteten Heekerin ging es am Montag schleppend voran. Klar äußerte sich dagegen der Gerichtsmediziner.

Heek

, 29.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Zu einer zähen Angelegenheit wurde der fünfte Prozesstag im Totschlag-Prozess gegen den Ehemann der getöteten Heekerin. Gleich sechs Zeugen waren geladen, ganze sechseinhalb Stunden dauerte der Verhandlungstermin am Montag vor dem Landgericht Münster.

Zunächst schilderte Rechtsmediziner Bernd Karger seine Erkenntnisse aus der Sektion der Leiche. Diese habe sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Verwesung befunden und sei daher kaum mehr erkennbar gewesen, so der Oberarzt an der Uniklinik Münster. Erst ein molekularbiologischer Test konnte die Identität der Leiche bestätigen.

Nicht weniger als 17 Messerstiche hatte der Rechtsmediziner festgestellt: vier in den Brustkorb, drei in den Oberbauch, drei in die Oberarme, jeweils zwei in den Rippenbogen und ins Schlüsselbein und jeweils einen in die linke Flanke, den Unterkiefer und den Hals. Zahlreiche innere Organe worden durch die Stiche verletzt: Lunge, Leber, Zwerchfell und Magen. Dazu kam ein Schnitt durch den Hals, der die Luftröhre durchtrennte.

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Zwar sei die Menge des Blutverlusts nicht mehr zu ermitteln gewesen, doch angesichts der Verletzungen sei eine große Menge wahrscheinlich. „Daher ist von einem zeitnahen Tod durch Verbluten auszugehen“, so Karger.

Einstiche mit „gehöriger Wucht“

Die vom Angeklagten angegebene Klingenlänge von neun bis zehn Zentimetern halte er für plausibel. Zur Reihenfolge der Stiche lasse sich keine Aussage machen. Allerdings spreche die Zahl und Position der Einstiche stark dafür, dass der Mann auch dann noch auf die Heekerin eingestochen habe, als diese bereits am Boden lag. Und das nicht nur, weil er dafür seine Griffhaltung hätte wechseln müssen. Denn schließlich sei es extrem unwahrscheinlich, dass das Opfer während der 17 Stiche stehen geblieben sei. Angesichts deren Tiefe sei selbst mit einer scharfen Klinge „eine gehörige Wucht“ nötig gewesen. Die Fotos der Autopsie seiner Frau sah sich der Angeklagte nicht an. Dass er noch auf sie eingestochen haben soll, als sie schon am Boden lag, stritt er ab.

Wenige Erkenntnisse zu Tat und Täter lieferten auch die weiteren Zeugen. Immer wieder äußerten sie sich vor Gericht anders als sie es noch bei der polizeilichen Vernehmung getan hatten. So stellte sich heraus, dass eine 37-Jährige aus Meppen, eine entfernte Verwandte des Opfers, keine Informationen aus erster Hand hatte. Sie war von der Mutter der Heekerin zu Hilfe gerufen worden, als ihr Schwiegersohn ihr im Streit mit dem Tod gedroht haben soll. Diese Drohungen hatte die Zeugin allerdings nicht selbst gehört, sondern lediglich übersetzt, was die Schwiegermutter ihr berichtet hatte.

Zeugin erfährt erst im Gericht vom Tod ihrer Ex-Mitbewohnerin

Auch zwei ehemalige Mitbewohner des Opfers im Haus an der Bahnhofstraße äußerten sich teils widersprüchlich. Eine von ihnen hatte der Polizei von ständigen Streitereien und Schlägen gegen die Kinder berichtet. Vor Gericht gab sie an, von diesen Dingen nichts mitbekommen zu haben, um sich dann, konfrontiert mit der eigenen Aussage, doch an Details zu erinnern. „Sie müssen sich anstrengen“, mahnte die Richterin nicht nur einmal. Ähnlich die zweite ehemalige Mitbewohnerin. Erst sagte sie aus, dass sie nie auf die Kinder aufgepasst hatte und sich an den Tag des Verschwindens nicht erinnern könne. Mit ihrer eigenen Aussage aus der Polizei-Vernehmung konfrontiert, fiel ihr ein, dass der Mann am Morgen nach der Tatnacht bei ihr angeklopft habe, damit sie dem sechs Wochen alten Kind des Opfers eine Flasche mit Milch bereite. Seine Frau sei weggelaufen, habe er ihr gesagt. Anschließend habe sie das Baby versorgt und über Nacht bei sich behalten. Der Angeklagte habe ihr versprochen, nach seiner Frau zu suchen.

Vom Tod der Frau erfuhr die ehemalige Mitbewohnerin erst im Gerichtssaal. Sie war in der Zwischenzeit nach Paderborn gezogen. Sie brach in Tränen aus und schrie in Richtung des Angeklagten: „Warum hast du das getan?“ „Mein Kopf hat nicht nachgedacht“, so die Antwort.

Der Prozess wird am Montag, 6. Mai, fortgesetzt. Dort soll ein psychologisches Gutachten über den Angeklagten vorgelegt werden.
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