17 Messerstiche – Schwiegermutter bricht nach Aussage vor Gericht zusammen - Notarzt kommt

dzTotschlagprozess Heek

Das Landgericht Münster setzt den Prozess gegen den 32-Jährigen fort, der seine Frau mit 17 Stichen in Heek getötet haben soll. Die Schwiegermutter berichtete von Vorstrafen in Russland.

Heek/Münster

, 26.04.2019, 11:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Mann soll, bevor er nach Deutschland gekommen ist, bereits in seiner Heimat Russland mit dem Gesetz in Konflikt geraten sein. Seine Schwiegermutter sagte vor dem Landgericht Münster aus, dass er dort bereits zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden sei, weil er einen Polizisten mit einem Messer angegriffen habe. Auch von einem Vergewaltigungsvorwurf war die Rede. Das Gericht will diese Aussage nun noch prüfen. Von der Strafe habe der Mann aber nur 14 Monate abgesessen.

Die Schwiegermutter berichtete außerdem davon, dass sie fast täglich mit ihrer Tochter telefoniert habe. Gerade in der Zeit unmittelbar vor der Tat sei sie sehr verängstigt gewesen.

Fragen zum Tathergang im Stiegenpark

Doch bevor das Gericht die Aussagen der Mutter des Opfers hörten, befragte es den Angeklagten noch weiter zum Tathergang im Stiegenpark. Dort hatte der ehemalige Tschetschenien-Soldat die Mutter von drei Kindern getötet. Demnach hatte seine Frau das Messer dabei und hielt es ihm in Streit vor. Mit einer schnellen Bewegung habe er seiner Frau das Messer weggenommen und „sofort zugestochen“.

Als die 27-Jährige nach den Messerstichen regungslos am Boden lag, sei er einige Schritte weggegangen, dann aber zurückgekehrt und habe seinem Opfer auch noch die Kehle durchgeschnitten. „Damit sie auch sicher tot ist“, gab der Angeklagte bei der Polizei zu Protokoll. Daran konnte er sich jetzt, am Freitag vor dem Landgericht, nicht erinnern, das wollte er nicht gesagt haben. Er sei bei der Tat nicht bei Sinnen gewesen, erklärte der Angeklagte.

Jetzt lesen

Im weiteren Verlauf drehte sich der Prozesstag noch einmal um Aussagen des 32-Jährigen: Es ging um Respekt und Ehre, um das Verhalten der getöteten Ehefrau ihrem Mann und dem siebenjährigen Sohn gegenüber.

Deutlich wurde, dass sein Opfer das ihm gegenüber habe fehlen lassen. „Das ist absolut richtig“, antwortete der Angeklagte, als die Richterin ihn fragte, ob er das Ziehen des Messers durch seine Frau als Respektlosigkeit empfunden habe. Auf die Frage, was er gedacht oder gefühlt habe, als er auf seine Frau einstach, gab der Angeklagte an, keine Erinnerung daran zu haben.

Beide aus einem kleinen Dorf in Dagestan

Bis in das kleine russische Heimatdörfchen des Angeklagten in Dagestan reichen die Folgen der Tat des 32-Jährigen. Dort leben die drei Kinder des Angeklagten heute bei seinen Schwiegereltern. Offenbar, so die Anwältin des Angeklagten, bedränge und bedrohe die Familie des Angeklagten seine Schwiegereltern und seine Kinder. „Mein Mandant konnte das nicht glauben und hat einen Brief verfasst, damit Ruhe und Frieden einkehrt“, so die Anwältin.

Wie die Situation vor Ort ist, berichtete dann die 46-jährige Mutter des Opfers unter Tränen. Demnach darf der siebenjährige Sohn des Angeklagten aus Sicherheitsgründen nur in Begleitung seiner Großeltern zur Schule kommen und muss abgeholt werden. Die jüngere Tochter (5) gehe aus genannten Gründen nicht in den Kindergarten. Das jüngste Kind ist erst im Juni 2018 geboren.

Jetzt lesen

Ihre Tochter habe nie über die Ehe mit dem Angeklagten geklagt, „es war immer alles in Ordnung“, sagte die Zeugin. Gleichzeitig habe sie gerade in den Wochen vor der Tat bei den Gesprächen mit ihrer Tochter gespürt, dass etwas nicht stimme, dass sie sehr verängstigt sei.

Noch heute schlafe der 7-jährige Sohn ihrer Tochter keine Nacht durch, spreche immer von seiner Mutter. Auch habe ihr Enkelkind berichtet, dass der Angeklagte einmal seiner Frau Mund und Hände mit Klebeband zusammengebunden habe und seine Frau dann mit dem Gürtel geschlagen haben.

Opfer mit Gürtel geschlagen

„Die Kinder mussten sich dabei mit dem Gesicht zur Wand drehen“, damit sich nichts sehen. Während der Vater vor Gericht angab, sein Sohn habe zu ihm gewollt – er lebte in einer Flüchtlingsunterkunft in Düsseldorf – wurde durch die Aussagen der Oma das Jungen deutlich, dass dieser große Angst vor seinem Vater hatte. Zwischendurch musste die Vorsitzende wüste Beleidigungen des Angeklagten gegen seine Schwiegermutter unterbinden.

16 Jahre war das Opfer, als sie den Angeklagten heiratete. Während der Angeklagte aussagte, sie seien da schon ein Paar gewesen, schilderte die Zeugin, dass Verwandte den Vorschlag zur Heirat der Beiden gemacht hätten. „Wie es bei uns Tradition ist.“ Ihre Tochter habe dem nicht widersprochen.

Die Mutter des Opfers und auch den 51-jährigen Vater befragte das Gericht auch zu Vorkommnissen im September 2018 in der Wohnung des Opfers in der Heeker Bahnhofstraße. Zu dem Zeitpunkt galt die 27-jährige Mutter der drei Kinder als vermisst. In der Wohnung sei es zu einem Treffen zwischen dem Angeklagten, seinen Schwiegereltern und den Kindern gekommen.

Polizei musste bei Treffen in Heek eingreifen

Dabei eskalierte die Situation und es gab wüste Beschimpfungen und Beleidigungen. In dessen Verlauf habe der Angeklagten ihnen gedroht, dasselbe mit ihnen zu machen wie mit ihrer Tochter. Die Mutter des Opfers berichtete, dass ihr zu dem Zeitpunkt klar war, dass ihr Schwiegersohn etwas mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun hatte. „Ich hab ihn angefleht, mit zu sagen, was passiert ist“, so die Zeugin. Ihr Flehen ging sogar soweit, ihren Schwiegersohn zu bitten: „Gib mir bitte den Körper meiner Tochter zurück“.

Die ausartende Situation in der Heeker Wohnung musste durch die Polizei geklärt werden. Die erhielt dadurch schließlich entscheidende Hinweise auf die Tat und den Verbleib der 27-Jährigen.

Tragisches Geschehen am Rande der Verhandlung: Als der Vater des Opfers aussagte, brach seine Frau vor dem Gerichtssaal zusammen. Sie wurde mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.

  • Der Prozess wird am Montag, 29. April, um 9 Uhr vor dem Landgericht in Münster fortgesetzt. Saal A23.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt