Sie waren bei der Demo in Berlin und haben einen Trecker-Flashmob organisiert: 13 Halterner Landwirte haben sich zu einem Organisationsteam zusammengeschlossen und planen weitere Aktionen.

Haltern

, 14.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie waren mit ihren Treckern bei der Großdemo in Berlin dabei und haben in Haltern einen Trecker-Flashmob initiiert: 13 Halterner Landwirte haben sich zu einem Orga-Team zusammengeschlossen, das auch vor Ort in der Seestadt auf die Ziele der Bewegung „Land schafft Verbindung“ aufmerksam machen will.

„Der Bewegung gehören inzwischen über 250.000 Landwirte, Erzeugergenossenschaften und auch landwirtschaftliche Rahmen-Betriebe wie Landmaschinenhersteller oder Futtermittelhersteller an“, sagt Markus Enstrup vom Halterner Orga-Team. Die Bewegung entstand, als sich ab Oktober 2019 bundesweit der Protest der Landwirte gegen immer neue Verordnungen und Auflagen von Gesetzgeberseite formierte. Die Bauern sahen ihre Betriebe in ihrer Existenz bedroht.

Bauern in der Zwickmühle

„Es ging und geht uns weiterhin darum, das nicht nur über, sondern mit uns geredet wird“, so Tobias Beermann, dessen Sauenhaltungsbetrieb sich in Hullern befindet. In der Zwickmühle zwischen Auflagen, die immer höhere Kosten verursachen, und Freihandelsabkommen, die den Import von Billigprodukten beispielsweise aus Lateinamerika erleichtern, sahen sich die Bauern in die Enge getrieben.

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe kontinuierlich verringert. „Allein im Hullerner Bereich haben zwei bis drei Betriebe in den letzten Jahren aufgegeben“, sagt Tobias Beermann.

„Hier fordert man von uns Umwelt- und Tierschutz und dort importiert man Fleisch, das ohne Umweltstandards billig produziert wird. Das bricht uns wirtschaftlich das Genick“, so Beermann. „Im Oktober gründete sich die Bewegung „Land schafft Verbindung“, im Dezember haben wir uns in Haltern entschlossen, ein Orga-Team zu bilden, das auch vor Ort für unsere Ziele eintritt.“

Die heimische Lebensgrundlage der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft erhalten und fördern, das haben sich die Landwirte zuallererst auf ihre Fahnen geschrieben.

„Wir treten selbst für Naturschutz und Umweltschutz ein“, sagt Markus Enstrup. „Aber das geht nur mit Höfen, die auch wirtschaftlich überlebensfähig sind.“

Öffentlichkeitsarbeit soll intensiviert werden

Ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist die Öffentlichkeitsarbeit. „Da haben wir in der Vergangenheit zu wenig gemacht. Wir stellen uns dem Gespräch, waren schon Mitte Januar mit einer Aktion bei Edeka Bleise, wo wir mit Kunden diskutiert und 1000 Tüten Wildblütensamen verteilt haben. Und es ist leider manchmal erschreckend, was für falsche Vorstellungen über die Landwirtschaft in den Köpfen sind. So fragte mich eine Dame, warum wir denn Glyphosat mit der Gülle auf den Feldern verteilen. Das tun wir natürlich nicht“, so Tobias Beermann.

„Glyphosat ist auch kein Insektenvernichtungsmittel wie viele glauben, sondern ein Kontaktherbizid, das nicht auf die Nutzpflanze aufgebracht wird, sondern im Vorauflauf gegen Unkräuter. Sonst würde die Saat ja verenden.“

Mit den Verbrauchern im Gespräch bleiben

Planungssicherheit und sichere politische Rahmenbedingungen, das fordern die Landwirte von der Politik. Und dafür wollen sie in Zukunft kontinuierlich auch mit den Verbrauchern im Gespräch bleiben.

„Ich habe nichts gegen Auflagen für den Umwelt- oder Tierschutz. Schließlich leben wir von und mit der Natur und den Tieren und wollen diese über Generationen erhalten“, so Markus Enstrup, der neben der Rinderhaltung auf seinem Lavesumer Hof auf Selbstvermarktung setzt. „Das ist in Haltern ein starker Wirtschaftszweig, in den Städten des Ruhrgebiets ist er bei Weitem nicht so ausgeprägt. Aber es kann auch nicht jeder Landwirt Selbstvermarkter sein“, ergänzt Tobias Beermann.

Erste Erfolge der Proteste werden sichtbar

Inzwischen sehen die Landwirte erste Erfolge ihres massiven öffentlichen Protests. „Wenn ich die heutigen Reden von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit denen von vor vier Monaten vergleiche, dann stelle ich schon deutliche Unterschiede fest“, so Tobias Beermann. „Da ist heute viel öfter von Kompromissen die Rede, wo man früher mit dem Kopf durch die Wand wollte.“

Die Landwirte des Orga-Teams wollen auch in Haltern mit den Verbrauchern in Dialog bleiben. Wasserschutz und Nahrungsmittelproduktion in Einklang bringen, Pflanzen schützen und Insekten schonen, Beiträge zum Klima- und Tierschutz, Einsatz moderner Produktionsmethoden zur Versorgung mit heimischen Lebensmitteln – das sind einige ihrer Themen.

Am 1. März (verkaufsoffener Sonntag in der Innenstadt) planen sie dazu ihre nächste Aktion: „Wir laden zu einem runden Tisch mitten auf dem Marktplatz ein, an dem wir Rede und Antwort stehen“, sagt Markus Enstrup. „Die Schlepper werden mit Plakaten auf den Marktplatz fahren, wir verteilen Blühmischungen und freuen uns auf die Gespräche mit den Halterner Bürgern.“

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