Bärlauch - ein guter Ersatz für Knoblauch - gibt es reichlich im Garten von Carola De Marco. © Ingrid Wielens

„Wo der liebe Gott Gärtner ist“: Artenvielfalt im Halterner Naturgarten

Ein gepflegter englischer Rasen oder piekfein angelegte Blumenbeete finden im Garten von Carola De Marco keinen Platz. Im Naturgarten der Halternerin sind Umweltschutz und Artenvielfalt Programm.

Unkraut – das gibt es doch gar nicht. Im naturnahen Garten von Carola De Marco ist einzig „der liebe Gott der Gärtner“. Das Hochbeet, das ans Wohnhaus angrenzt, wurde aus Kalksteinen und Dachpannen gefertigt und nur eine kleine Schicht Sand mit Kompost beim Anlegen verwendet. Jetzt haben sich Wildnelkenarten, Storchschnabel, Oregano und wilde Karde angesiedelt. „Vieles hat sich selbst hier ausgesät“, sagt die Halternerin.

Nur was zu stark wuchert, wird gerupft oder zurückgeschnitten. Ansonsten bleibt die Natur hier auf dem Gelände im Norden der Stadt weitestgehend sich selbst überlassen.

Während die Tulpen im Vordergrund verblühen, wird sich der Wein im Hintergrund schon bald breit machen. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Streuobst auf wild wachsender Wiese

Und so öffnet sich dem Betrachter schon wenige Meter weiter beim Betreten des gut 2000 Quadratmeter großen Grundstücks eine große, wild gewachsene Wiese. Auf ihr blühen zurzeit die Apfelbäume. Aber auch Kirschen, Birnen, Quitten, Zwetschgen und Walnüsse werden hier später geerntet. Mittendrin – irgendwo im hohen Gras – steht ein kleines Gartenhaus. Wenn das nicht idyllisch ist.

Carola De Marco ist begeisterte Naturschützerin und Nabu-Aktive. „Dieses Paradies soll nicht nur mich und meinen Mann beglücken“, sagt sie. Daher öffnet sie ihren Garten für den Nabu und die Nabu-Jugend, die regelmäßig zum gemeinsamen Gärtnern vorbeischaut.

Im Hochbeet wird Gemüse angebaut. Rote Beete und Lauch sind schon zu sehen. Carola De Marco begutachtet eine Königskerze. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Wilde Pflanzen sind bei den De Marcos heimisch geworden. In einem geordneten Chaos. Bärlauch, Knoblauchsrauke, Waldmeister und Ehrenpreis stehen in voller Blüte. Was manch einer als Wildwuchs bezeichnet, gilt allgemein als Heilpflanze: So wie das gelb blühende Schöllkraut (gut gegen Warzen), das Wiesenschaumkraut (kommt in der Dermatologie zum Einsatz), Günsel (kann für Tees und Aufgüsse gegen Rheuma, Angina und Magengeschwüre verwendet werden) und Johanniskraut (mildes Antidepressivum). Irgendwo im hinteren Bereich ist ein Bienenvolk versteckt.

Schon der Vorbesitzer hatte ein Spargelbeet angelegt. Bis heute wird hier geerntet. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Andernorts ragt Schilf in die Höhe, eine Brombeerhecke versucht dagegen anzuwachsen. „Das ist ein ganz hervorragender Unterschlupf für viele Vögel“, gerät die Kräuter- und Waldpädagogin ins Schwärmen. Selbst das Totholz, das scheinbar liegen gelassen, andernorts zu einem Stapel aufgetürmt wurde, gehört hier zum Programm.

Einen natürlichen Zaun haben sich die Naturliebhaber angelegt. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

„Viele Insekten und andere Tiere nisten und überwintern darin.“ Und in den gestapelten Steinhaufen finden Lurche und Schnecken ihr Zuhause. „Ich möchte einen Garten, in dem ganz viel los ist“, sagt Carola De Marco. Dabei dürfe man sich nicht an der stellenweisen Unordnung stören, schmunzelt sie.

In einer Gießkanne brütet gerade ein Rotkehlchen, Drossel und Braunelle dagegen haben ihren Nachwuchs bereits großgezogen, erzählt die Naturliebhaberin.

Alte Kartoffelsorten mit Quark und Wildkräutern

Trotz aller Urwüchsigkeit gibt es auch ein paar Hochbeete. Kohlrabi, Rote Beete, Möhren werden dort angepflanzt. Und alte Kartoffelsorten. „Ich liebe Kartoffeln mit Quark“, gesteht De Marco. Der Quark wird natürlich mit den Wildkräutern des Gartens verfeinert – „je nachdem, was gerade da ist“.

Idylle pur: Ein kleines Gartenhaus auf der Streuobstwiese. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Und auch sonst nutzt die Pflanzenexpertin das, was hier wächst. Selbst die Brennnesseln sind gut für einen Spinat. „Die jungen Triebe schmecken ganz wunderbar und liefern eine Menge Eiweiß.“

Kampf dem Artenschwund

Das Gras, das zurzeit gut 40 Zentimeter hoch steht, wird nicht etwa mit einem Rasenmäher gemäht. „Zweimal im Jahr kommt die Sense zum Einsatz“, erklärt De Marco. „Erst dadurch ist hier eine Pflanzenvielfalt gewährleistet.“ Carola De Marco setzt sich ein für die Artenvielfalt. Für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Und für den Umweltschutz. Sie wirbt für die Volksinitiative Artenvielfalt der drei großen Naturschutzinitiativen Nabu, BUND und LNU. „Es gibt längst einen deutlichen Artenschwund“, betont sie.

Caola De Marco öffnet ihren Garten für den Nabu. Marina Bergmann kommt regelmäßig zum Gärtnern vorbei. © Ingrid Wielens © Ingrid Wielens

Aber auch im Kleinen kann jeder in seinem Garten etwas für die Artenvielfalt tun, weiß das Nabu-Mitglied. Vielen nützlichen Insekten wie Fliegen und Wespen käme das zugute. „Jeder hat doch eine kleine Ecke in seinem Garten, die vielleicht bereits ein wenig vernachlässigt ist oder aber ‘geopfert‘ werden kann“, sagt sie. Ihr Tipp: „Fangen Sie dort mal an und überlassen Sie das Fleckchen Erde einfach sich selbst.“

Die Volksinitiative Artenschwund

  • Die drei großen NRW-Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) führen noch bis zum 1. Juni im Rahmen der Volksinitiative Artenvielfalt die Unterschriftenaktion „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ durch.
  • In acht zentralen Handlungsfeldern fordern die Naturschützer einen deutlichen Politikwechsel. Inzwischen seien 45 Prozent der Arten in NRW bedroht, heißt es. „Der dramatische Rückgang vieler Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten duldet keinen Aufschub mehr“, sagt NABU-Landesvorsitzende Dr. Heide Naderer.
  • Gefordert werden ein Ende des Flächenfraßes, mehr Waldflächen ohne Nutzung, die Ausweitung des Biotopverbundes und die Ausweisung eines Nationalparks Senne. Auch müssten der ökologische Landbau deutlich ausgeweitet, ein Verbot chemisch-synthetischer Pestizide in Naturschutzgebieten durchgesetzt sowie Gewässer und Auen wirksam geschützt werden, heißt es weiter.
  • Natur- und Artenschutz müsse aber auch in der Stadt gestärkt werden. Die Verbände fordern landesrechtliche Vorgaben etwa zur Eindämmung der Lichtverschmutzung und ein Verbot so genannter Schottergärten.
  • Um die Forderungen der Volksinitiative Artenvielfalt NRW zum Thema im Landtag zu machen, müssen mindestens 0,5 Prozent der Stimmberechtigten in Nordrhein-Westfalen unterschreiben. Mit fast 95.000 Unterschriften liege man aber bereits über der geforderten Anzahl von 66.000 Unterschriften. Nun solle dennoch die 100.000er-Marke erreicht werden.
  • Mehr Infos gibt es auf der Webseite der Volksinitiative.
Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens

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