Am 21. November stürzte eine von 17 Windkraftanlagen der Firma Vestas, hier ein Symbolbild, im brandneuen Windpark Aldermyrberget in Nordschweden ein. © picture alliance / dpa
Windenergie

Windrad Hullern: Unglück in Nordschweden ist Ursache für Stilllegung

Seit Wochen ist das Windrad Sebbel bei Hullern außer Betrieb. Nun ist klar: Ein Vorfall in Schweden ist Ursache für die Außerbetriebnahme. Was die Herstellerfirma Vestas dazu sagt.

Das Windrad Sebbel zwischen Westruper Straße und Hullern steht seit Anfang Dezember still. Darüber hatten sich einige Anwohner gewundert. Bei einer Kontrolle waren Probleme festgestellt worden. Aus Sicherheitsgründen sei die Anlage deshalb außer Betrieb gesetzt worden, hatte Philipp Sebbel, Geschäftsführer der Windenergie Sebbel GmbH & Co. KG mitgeteilt (wir berichteten). Die Stilllegung hängt mit einem eingestürzten Windrad in Schweden zusammen.

Am 21. November stürzte eine von 17 Windkraftanlagen im brandneuen Windpark Aldermyrberget in Nordschweden ein. Der eingestürzte Windturbinenturm war von einem Schneemobilfahrer entdeckt worden. Er war so nah an der Anlage, dass er hörte, wie der Turm auf dem Boden aufschlug, wie lokale Medien berichteten. Verletzt wurde niemand.

Windpark besteht aus 17 Turbinen

Das Unglück ereignete sich in Jörn, etwa 60 km nordwestlich von Skellefteå. Der Windpark besteht aus 17 Turbinen des dänischen Windkraftanlagenherstellers Vestas. Das Unternehmen hatte alle 17 Turbinen des Typs V150 (4,2 MW) installiert. Der gleiche Typ wurde auch beim Hullerner Windrad verbaut.

Das Windrad beim Hof Sebbel zwischen Flaesheim und Hullern steht seit Wochen still.
Das Windrad beim Hof Sebbel zwischen Flaesheim und Hullern steht seit Wochen still. © Winkelkotte © Winkelkotte

Vestas hat nach dem Vorfall in Schweden eine Ursachenanalyse eingeleitet.

Inzwischen liegen vorläufige Ergebnisse vor. „Konkret zeigen diese, dass die Turbine in Schweden aufgrund eines sich während des Betriebs von der Turbine lösenden Rotorblattes kollabiert ist, wodurch die Windkraftanlage destabilisiert wurde und der Turm einstürzte“, so Meike Wulfers, Unternehmenssprecherin von Vestas.

Weiterhin hätten die Untersuchungen ergeben, dass sich das Blatt von der Nabe ablösen konnte, weil die Verklebung der Blattwurzel-Einsätze versagte. „Das Versagen der Verklebung der Blatteinsätze konnte wiederum auf eine Verunreinigung der Einsätze in einem Fertigungsprozessschritt zurückgeführt werden, der nur bei einem bestimmten Lieferanten vorkommt“, so Wulfers. „Blattwurzel-Einsätze dieses spezifischen Lieferanten werden in der aktuellen Produktion nicht mehr verwendet.“

Als außerordentliche Sicherheitsvorkehrung habe man beschlossen, rund 150 Windenergieanlagen des Typs V150-4.0/4.2/4.3 MW (Mk3E) mit der selben blattspezifischen Konfiguration wie die kollabierte Anlage anzuhalten. Zu den betroffenen Anlagen gehöre auch die Windturbine Sebbel am Standort Haltern-Hullern, übrigens als einzige in ganz Deutschland. Das Unternehmen habe diesen Schritt als reine Vorsichtsmaßnahme unternommen und arbeite an einer Lösung, um V150-Windturbinen mit diesen Spezifikationen wieder sicher in Betrieb nehmen zu können. Alle anderen Vestas-Turbinen seien von dieser Situation nicht betroffen und gelten laut Hersteller als sicher.

Windrad soll im Verlaufe des Februars wieder in Betrieb gehen

Zur Höhe des finanziell erlittenen Schadens wollte die Vestas-Sprecherin „aus geschäftlichen Gründen keine Zahlen nennen“. Alle pausierenden Windenergieanlagen sollen aber so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden. Wulfers: „Das Windrad in Haltern kann voraussichtlich im Verlauf des Februars den Betrieb wieder aufnehmen.“

Die Planung des Hullerner Windrads wurde von der Bäuerlichen Bürgerwind-Projektberatungsgesellschaft in Münster unterstützt. Doppelt ärgerlich: Am Standort Sebbel war ursprünglich eine Anlage des Hamburger Windradherstellers Senvion geplant. Doch das Unternehmen ging im April 2019 pleite. Daher hatte sich die Betreibergesellschaft kurzfristig für eine Anlage der Firma Vestas umentschieden.

Die Schäden werden laut Geschäftsführer Philipp Sebbel im Rahmen des Vollwartungsvertrages behoben, die entstandenen Ertragsausfälle erstattet.

Mit dem Windrad können die Gesellschafter eigentlich rund 10 Millionen Kilowatt im Jahr ernten. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 Kilowatt pro Haushalt und Jahr könnten so rund 2500 Haushalte versorgt werden. Mehrere Gesellschafter sind an dem Windrad beteiligt. Auch die Energiegenossenschaft Haltern ist mit einigen hundert Halterner Mitgliedern als Gesellschafterin mit im Boot.

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
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Daniel Winkelkotte

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