Wie Träger von Jugend-Wohngruppen in Haltern mit dem Coronavirus umgehen

dzStändige Betreuung

Wohngruppen für Jugendliche müssen ständig betreut werden. Die Betreuung aufrecht zu erhalten, ist eine Herausforderung für die Einrichtungen. Bei Einkäufen müssen sie sich rechtfertigen.

Haltern

, 26.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen des Coronavirus sind alle Menschen angehalten, zu Hause zu bleiben und wenn möglich im Homeoffice zu arbeiten. Sozialpädagogen, die in Wohngruppen für Jugendliche arbeiten, können das nicht. Denn die Gruppen müssen permanent betreut werden.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ist Träger von drei Intensivwohngruppen in Haltern. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus habe der LWL einen Krisenplan erstellt, sagt Pressesprecher Markus Fischer auf Anfrage. „Wir sind noch in der Planung, wie das genau aussehen kann“, sagt Fischer. „Wir schauen aber, dass wir Leute intern versetzen, um die Betreuung zu gewährleisten.“ Beim LWL arbeiten auch Schulsozialarbeiter. Da die Schulen geschlossen sind, könnten sie an anderer Stelle helfen.

„Wir versuchen natürlich jetzt schon, Infektionen zu verhindern und halten uns an alle Vorsichtsmaßnahmen der Gesundheitsämter“, sagt Fischer. Die Gruppen würden aktuell in Mindestbesetzung arbeiten, damit der LWL noch Personal in der Hinterhand habe. „Die Versorgung der Jugendlichen steht aber natürlich immer im Vordergrund“, betont Fischer.

LWL-Mitarbeiter müssen sich rechtfertigen

Obwohl die Jugendlichen gerade permanent auf engem Raum seien, sei die Stimmung noch ganz gut. „Da ist natürlich Kreativität gefragt, aber unsere Mitarbeiter haben aktuell immer Ideen und ein Spiel parat“, sagt der LWL-Sprecher.

Allerdings stehen die Mitarbeiter auch jetzt schon vor Problemen. Die Gruppen kaufen selbst ein und benötigen für zehn Kinder dementsprechende Mengen. Das habe in Supermärkten schon zu Problemen geführt, weil ihnen Hamsterkäufe vorgeworfen worden seien. Seitdem haben die LWL-Mitarbeiter Ausweise dabei, um nachweisen zu können, für größere Gruppen einzukaufen.

Dieses Problem habe die Flow-Wohngruppe in Haltern nicht, sagt deren Leitern Erkan Simsek: „Wir haben eine unglaublich tolle Hauswirtschaftskraft. Sie ist alte Halteranerin und dementsprechend gut vernetzt. Sie kennt viele Menschen, die wissen, dass wir größere Mengen benötigen.“

Einige Mitarbeiter würden zur Not auch 48-Stunden-Schichten machen

Aber auch die Flow-Wohngruppen stehen vor ganz praktischen Problemen, berichtet Geschäftsführer Hermann Muß. „Wir haben in einer Gruppe zwei kleine Mädchen aufgenommen und brauchten für sie Kinderbetten. Die Möbelhäuser sind aber zu.“

Man lebe gerade mit einer großen Unsicherheit, sagt Muß, bisher liefe aber alles ganz gut. „Wenn mehrere Mitarbeiter ausfallen, werden wir die Arbeitszeitenregelungen aber nicht einhalten können.“ Einige engagierte Mitarbeiter hätten schon gesagt, sie würden zur Not auch eine 48-Stunden-Schicht machen, sagt Muß. „Wir müssen die Betreuung der Gruppen ja gewährleisten.“

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