Wie heize ich mit meinem Kaminofen, ohne Umwelt oder Mitmenschen zu belasten?

dzTipps zum Heizen mit Holz

Kaminöfen spenden gemütliche Wärme und verbreiten eine angenehme Atmosphäre. Auch in Haltern gibt es einige davon. Doch sie stoßen auch Feinstaub aus. Wie gut ist das Heizen mit Holz?

Haltern

, 20.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die meist schwarzen, schlanken Kaminöfen stehen in vielen Neubauten und dienen gerade in der Übergangsphase vom Spätsommer zum Herbst als günstige Wärmequelle, wenn es abends wieder kühl wird und man nur einen oder maximal zwei Räume beheizen will. Doch die Kaminöfen stehen auch in der Kritik, weil sie ähnlich wie Dieselautos Feinstaub in die Luft pusten.

Wie die Deutsche Umwelthilfe mitteilt, sind Einzelraumfeuerungsanlagen, die mit Scheitholz befeuert werden, für den weit überwiegenden Teil der Emissionen verantwortlich. Fast 80% des Staubs aus der Holzfeuerung seien auf diese Anlagen zurückzuführen, wie eine Studie des Deutschen Biomasseforschungszentrums schätzt. Kaminöfen (freistehende Raumheizer) spielten hierbei die größte Rolle.

Grenzwerte können nur mit moderner Technik eingehalten werden

Wie viele in Haltern installiert sind, darüber gibt es keine Zahlen. Bei Neubauten müsse der Einbau eines Kamins dem Bauamt gemeldet werden, sagt Thomas Gerlach von der Pressestelle der Stadt. „Wir führen aber keine Statistik darüber“, so Gerlach weiter. Der nachträgliche Einbau müsse nur durch einen Schornsteinfeger abgenommen werden.

Zur Person

Schornsteinfegermeister Michael Wollbrink

Wie heize ich mit meinem Kaminofen, ohne Umwelt oder Mitmenschen zu belasten?

Michael Wollbrink © privat

Der bevollmächtigte Bezirkschornsteinfeger aus Bottrop ist zusammen mit fünf Kollegen für die Stadt Haltern zuständig. Er arbeitet zudem als Energieberater und erstellt als Sachverständiger Gutachten.

In Haltern sei die Installation von Kaminöfen in den letzten fünf Jahren eher weniger geworden, sagt Schornsteinfegermeister Michael Wollbrink. Er ist als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger unter anderem für die Ortsteile Sythen und Lavesum zuständig. „Im Zuge der ganzen Emissions-Diskussion sind die Leute eher zurückhaltender geworden, was den Einbau angeht“, glaubt Wollbrink.

Für die Begrenzung der Emissionen aus Kleinfeuerungsanlagen gilt in Deutschland die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV). Sie gibt vor, welche Emissionsgrenzwerte Feuerungsanlagen insbesondere der Haushalte und Kleinverbraucher einhalten müssen und welche Brennstoffe in solchen Anlagen zulässig sind. Diese Vorschrift wurde im Jahr 2010 novelliert. Die seitdem geltenden Emissionsgrenzwerte können nur mit moderner Technik eingehalten werden.

„Der Feinstaub-Ausstoß ist erheblich heruntergefahren“

„Die Verbrennungstechnik hat sich seit 2010 maßgeblich verändert, die Öfen von heute sind gar nicht mit denen von früher zu vergleichen“, sagt Michael Wollbrink, „der Feinstaub-Ausstoß ist erheblich heruntergefahren“. Bis 2013 seien die Öfen von den Schornsteinfegern eingestuft worden. Wenn die Grenzwerte nicht eingehalten würden, müssten sie nachgerüstet oder stillgelegt werden. Wer keine Post bekommen habe, dürfe seinen Ofen weiter nutzen. Die nächste Frist läuft im kommenden Jahr aus.

Alle Ofentypen sind in einer Online-Datenbank hinterlegt, dort kann man prüfen, ob sein Gerät betroffen ist. In Haltern seien es nur wenige Öfen gewesen, die anlässlich der letzten Frist Ende 2017 stillgelegt werden mussten. Es habe auch schon vor 2010 schadstoffarme Öfen in Haltern gegeben, sagt Michael Wollbrink: „Der Halterner legt Wert auf gute Qualität.“ Bei der Kaminkontrolle stellten er und seine Kollegen immer weniger Verbrennungsrückstände fest.

Bei der Abnahme müsse er die Kaminbesitzer auch über das richtige Heizen mit Holz aufklären, sagt der Schornsteinfegermeister. „Wenig Holz, viel Luft ist der Trick“, erklärt Wollbrink. Kein Papier, sondern geeignete Anzündhilfen wie Holzwolle nehmen. Um möglichst wenig Rauch zu erzeugen, brenne man heutzutage das Holz von oben nach unten ab. „Man muss das Holz wie einen Turm schichten und von oben anzünden.“ Zuerst denke man, da passiere ja nichts, aber man müsse Geduld mitbringen, betont Michael Wollbrink. „Das Holz muss stückig und naturbelassen sein, mindestens drei Jahre abgelagert, der Feuchtigkeitsgehalt im Holz darf 18 Prozent nicht überschreiten.“ Feuchtigkeitsmessgeräte gebe es schon für kleines Geld im Handel. Bei der Start- oder Abbrennphase sollte man auch darauf achten, dass das Holz nicht zu viel Rinde habe. „Rinde ist ein großes Problem, sie soll den Baum eigentlich vor Feuer schützen.“

Ist der Kaminofen an, kann es bei bestimmten Wetterlagen dazu führen, dass es in der Nachbarschaft stark nach Rauch riecht. Das Ordnungsamt der Stadt bekomme gerade im Herbst verstärkt Beschwerden über Geruchsbelästigung durch Kamine in der Nachbarschaft, sagt Stadtsprecher Thomas Gerlach auf Anfrage. Es seien aber weniger als zehn pro Jahr. „Da die Kamine zulässig betrieben werden, müssen Anwohner eine leichte Rauch- und Geruchsentwicklung hinnehmen. Als Stadt können wir nur bei missbräuchlicher Benutzung tätig werden.“ Da stehe aber oft auch Aussage gegen Aussage. Was die Stadt machen könne, sei, die Bürger auf privatrechtliche Ansprüche hinzuweisen. Man könne auch einen Schiedsmann einschalten.

Ja, man habe schonmal Anfragen hierzu bekommen, sagt Markus Grotemeyer vom Schiedsamt der Stadt Haltern. Schlichtungsverhandlungen würden jedoch in diese Richtung eher selten behandelt, man habe daher keine genauen Zahlen.

Laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW sei eine tendenzielle Zunahme an „Feststofffeuerungsanlagen“ zu verzeichnen. Laut Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks gab es 2016 etwa 11 Millionen Einzelraumfeuerungsanlagen in Deutschland, davon 1,6 Millionen in Nordrhein-Westfalen.
Lesen Sie jetzt